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Warum es fahrlässig ist, als Mutter mehrere Jahre zu Hause zu bleiben

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Warum es riskant ist, wenn Mütter mehrere Jahre zu Hause bleibenTrotz Elterngeld und besserer Kinderbetreuung gibt es gerade bei gut ausgebildeten Frauen in Großstädten die Bewegung, dass sie sich wieder vermehrt freiwillig auf die Familie konzentrieren und jahrelang aus dem Berufsleben aussteigen. Das mag für die Kinder und die Familie von Vorteil sein, aber diese Mütter riskieren Altersarmut und sozialen Abstieg, sollte ihre Ehe scheitern. Noch schlechter stehen Mütter da, die mit dem Vater ihrer Kinder nicht verheiratet sind. Wie groß ihr Risiko ist und welche Konsequenzen das hat, ist vielen Müttern gar nicht bewusst. Wer sich für eine längere berufliche Auszeit entscheidet, sollte das in jedem Fall nicht blauäugig tun und einige Dinge mit dem Partner vertraglich regeln. 

„Kitafrei“ ist ein neuer Trend, der sich auch in der Elternblogosphäre widerspiegelt. Er bedeutet, dass Mütter ihre Kinder bis zur Schulzeit selbst zu Hause betreuen. (Beispiele gibt es unter anderem bei Blogprinzessin, 2kindchaos und kleinermensch). Dabei geht es vor allem um die Bedürfnisse des Kindes, die so manchmal besser befriedigt werden können, als wenn das Kind außerhalb des Elternhauses betreut wird. Was aber in diesem Zusammenhang leider nie thematisiert wird, ist das Risiko, das eine solche Lebensweise für die Mütter beinhaltet. Denn meist sind sie es und nicht die Väter, die die unbezahlte Betreuungsarbeit übernehmen. Mütter, die der Kinder wegen mehrere Jahre lang nicht berufstätig sind oder nur Mini-Jobs haben, riskieren Altersarmut und sozialen Abstieg, falls ihre Ehe scheitert. Und das ist häufig der Fall: Jede dritte Ehe geht irgendwann in die Brüche. Und selbst wenn die Ehe hält – der Partner kann sterben. Wer erst gar nicht verheiratet ist, der hat sowieso keinerlei Absicherung im Falle einer Trennung oder wenn der Partner stirbt.




Viele Frauen denken, sie könnten es sich ja leisten, länger zu Hause zu bleiben und nichts zu verdienen, weil ihr Mann gut verdient. Sie empfinden das vielleicht sogar als Privileg. Gerade wenn man seinen Job nicht besonders gerne macht, ist dieses Lebensmodell recht verlockend. Finanziell lohnt es sich oft auch. Das Ehegattensplitting begünstigt ja Familien, bei denen einer zu Hause bleibt oder nur Geringverdiener ist. Und krankenversichern kann frau sich auch problemlos über die Familienversicherung beim Mann.

Für den Moment mögen diese Überlegungen stimmen, langfristig ist das aber zu kurz gedacht. Finanziell von seinem Partner abhängig zu sein, birgt erhebliche Risiken. „Nicht abhängig zu sein von einem Partner oder vom Fortbestand einer Ehe, gehört zur Würde eines Menschen“, sagt die unabhängige Finanzexpertin und Autorin Helma Sick. Sie ruft Frauen dazu auf, die volle Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen. Nur dann könnten sie ihr Leben dauerhaft nach ihren Vorstellungen gestalten. Sie sagt, dass sich jede Frau eines klarmachen sollte: „Dein Mann ist nicht deine Rente!“

Neues Unterhaltsrecht hat gravierende Konsequenzen

Früher galt: Einmal Chefarztgattin, immer Chefarztgattin. Nach der Scheidung konnte sich die Frau darauf verlassen, dass der Mann ihr Unterhalt zahlen muss, so dass sie ihren Lebensstandard auch nach einer Trennung halten konnte. Das ist seit zehn Jahren anders. 2008 wurde das Unterhaltsrecht geändert. Leider kennen viele Frauen das reformierte Unterhaltsrecht und die Konsequenzen daraus nicht.

Seither haben nur noch Kinder einen Unterhaltsanspruch. Frauen müssen nach einer Scheidung selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen. Sind die Kinder älter als drei Jahre, wird von Müttern verlangt, dass sie Vollzeit arbeiten – sofern es entsprechende Kinderbetreuungsmöglichkeiten gibt. Und die gibt es mit dem Ausbau der Kindertagesstätten und Ganztagsschulen bald flächendeckend. Das gilt übrigens selbst dann, wenn die Mütter die Betreuung und Erziehung der Kinder ganz alleine stemmen. Mütter sind dann plötzlich wieder ganz auf sich gestellt. Je nach Dauer der Ehe haben sie maximal Anspruch auf einen Versorgungsausgleich bei der Rente oder den Zugewinnausgleich, wenn Vermögen da ist. Nicht verheiratete Frauen gehen komplett leer aus. Das neue Unterhaltsrecht begünstigt in der Regel Männer, denn diese geben ihre gut bezahlten Jobs sehr viel seltener auf als Frauen.

Wer mehrere Jahre lang im Job pausiert hat, der wird selten eine gut bezahlte Vollzeitstelle finden. „Wenn man versucht, nach zehn, 15 Jahren in einen qualifizierten Beruf wieder hineinzukommen, gelingt das im Regelfall nicht“, mahnt die ehemalige Bundesfamilienministerin Renate Schmidt. Und auch Müttern, die nur einen Minijob hatten, weil dieser am besten mit den familiären Verpflichtungen vereinbar ist, fällt der Wechsel in eine sozialversicherungspflichtige Arbeit schwer – das hat eine Studie des Familienministeriums belegt. 450-Euro-Jobs entwickeln eine Art „Klebeeffekt“. Das liegt auch daran, dass Minijobs ein Manko anhaftet und sie sich im Lebenslauf nicht so gut machen. Minijober haben also schlechtere Karriere-Chancen.

Fehlende Rentenansprüche

Auch für die Versorgung im Alter hat das zu Hause bleiben oder nur in geringem Umfang arbeiten gravierende Auswirkungen. Im Schnitt tun Frauen in Deutschland aufgrund von Auszeiten für die Kindererziehung oder für die Pflege von Angehörigen oder aufgrund von Zeiten geringfügiger Beschäftigung sieben Jahre lang nichts für die eigene Rente. Die Folge: Im Schnitt bekommen sie für 20 Jahre Teilzeitarbeit nur 220 bis 270 Euro Rente im Alter. Frauen, die wegen der Kinder länger zu Hause geblieben sind, droht also Altersarmut.

Versorgungsausgleich reicht oft nicht

Für verheirate Frauen greift im Fall einer Trennung zwar der Versorgungsausgleich. Dabei wird jede Rentenanwartschaft, die während der Ehe entstanden ist, halbiert und beiden Partnern jeweils zu 50 Prozent gutgeschrieben. Nur welcher Mann hat eine Rente, die im Fall der Trennung gut für zwei Personen reicht? Und wenn der Ehemann schon einmal länger verheiratet war, dann hat die erste Ehefrau bereits einen größeren Teil seiner Rente erhalten. Wenn eine Ehe nur zehn oder 15 Jahre dauerte, dann ist der Anspruch in der Regel nicht besonders hoch. Deshalb sollte man sich keine Illusionen über die Höhe machen und sich nicht alleine darauf verlassen.

Die Deutsche Rentenversicherung schreibt jeder Mutter pro Kind 3 Entgeltpunkte oder unterm Strich 91 Euro Rente gut. Sie tut so, als hätte die Mutter drei Jahre lang gut 3.100 Euro brutto verdient. Während der drei Jahre Kindererziehungszeiten, gerechnet ab Entbindung des Kindes, darf man auch gut 3.000 Euro monatlich hinzuverdienen. Dies erhöht die spätere Rente weiter. Wer aber länger als drei Jahre zu Hause bleibt, dem entstehen Lücken in der Rentenversicherung. Und der kann dann auch kaum privat vorsorgen, er hat ja kein Einkommen dafür.

Zu Hause bleiben und trotzdem abgesichert sein

Wenn Mütter also eine längere Auszeit vom Job nehmen wollen, dann sollte gewährleistet sein, dass ihre Beiträge für die Altersvorsorge weiter bezahlt werden – aus dem Familieneinkommen. Also wenn die Frau kein eigenes Einkommen hat, vom Mann. Zudem rät Heide Härtel-Herrmann vom Frauenfinanzdienst, einer unabhängigen Finanzberatung für Frauen, dazu, dass Frauen mit ihren Männern Ehe- oder Partnerschaftsverträge schließen. Das klingt zwar nicht gerade romantisch, hilft aber, dass man nach einer Trennung nicht in existenzielle Nöte gerät. Und gerade für Unverheiratete ist das ziemlich unkompliziert möglich. Sie können viele Regelungen ohne Notar treffen. Nur wenn es in ihrem Part­nerschafts­vertrag um eine Schenkung geht oder er die Verpflichtung enthält, ein Grund­stück oder Wohnungs­eigentum zu über­tragen, müssen sie einen Notar aufsuchen.

Was man vertraglich regeln muss

In den Verträgen sollte geregelt sein, wer wegen der Kinder zu Hause bleibt und wie lange, wie die häusliche Arbeitsteilung aussieht und wie lange im Fall einer Scheidung Unterhalt gezahlt wird, wenn die Berufstätigkeit länger als drei Jahre unterbrochen wird. Außerdem sollte man sich Gedanken darüber machen, wie die Renteneinbuße ausgeglichen wird, wenn ein Partner aus familiären Gründen mehrere Jahre lang nicht oder nur in geringem Umfang arbeitet. Solche beruflichen Auszeiten für die Kinderbetreuung sollten finanziell vom voll berufstätigen Partner ausgeglichen werden.

Wichtig ist, dass Mütter Verantwortung für ihre finanzielle Unabhängigkeit und Altersvorsorge übernehmen und sich nicht auf ihren Partner verlassen. Natürlich kann man sich für längere Auszeiten und für einen Teilzeit-Job entscheiden – aber man muss sich der finanziellen Folgen bewusst sein. Ein wichtiger Schritt ist es, sich dazu beraten zu lassen – beispielsweise bei der Deutschen Rentenversicherung. Diese bietet kostenlose Beratungen an.

Foto: Pexels /Bruce Mars 

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Autor: Eva Dorothée Schmid

Ich bin Journalistin und Mutter eines Sohnes (geb. 2012) und einer Tochter (geb. 2015), wohne in Hamburg und versuche als Mamaclever, Eltern fundierte Antworten auf alle Fragen zu geben, die sich mit Baby, Klein- oder Kindergartenkind so stellen.

22 Kommentare

  1. Als Erzieherin habe ich häufig Eltern kennen gelernt, die gerne mehr Zeit für Ihre Familie hätten. Einige vob diesen Eltern sagten mir, dass immer wieder über mehr und flexiblere Betreuungszeiten geredet wird, weniger jedoch darüber wie man Eltern ermöglichen kann ihre Kinder mehr selber zu betreuuen und die Kindheit dieser zu begleiten. Probleme bei der Ganztagesbetreuung sehe ich besonders für Kinder die sich nicht wohl fühlen in einer Einrichtung. Wenn sie dort bis 17/18 Uhr bleiben ist häufig keine Zeit mehr für Vereine in denen sie andere Freundschaften aufbauen können.
    Die Zeit mit meiner Tochter möchte ich nicht gegen Geld tauschen. Ich bin eindeutig kein Gegner von Kita Betreuung und es ist erwiesen dass es die Sozialkompetenzen der Kinder fördert. Jedoch ist ein Kind nach 45 Stunden Kita ziemlich fertig, weil es einfach zu viel ist. Als Erwachsener ist man doch auch gerädert nach 45 Stunden in der Woche mit 25Kindern in einem Raum. Die Aufgabe der Politik ist meiner Meinung nach die erweiterung der Teilzeitarbeit und eine wahre Unterstützung in dem was jede Familie individuell für sich richtig findet. Auch wenn dies die Betreuung zu hause ist.

  2. wow wow – nur mal langsam mit den jungen Pferden^^
    Problem ist weniger der jeweilige Lebensentwurf – sondern die fast nicht vorhandenen Möglichkeiten im Home-Office zu arbeiten.
    Und hier besteht enormer Nachholbedarf.

  3. Ich verfolge gerade mit lachendem Schrecken diese Unterhaltung. OMG meine Kinder sind 7 und 8 und ich bin immer noch nicht zurück im Schuldienst. Diese wundervolle Familienzeit wird sicherlich kein Geld der Welt aufwiegen können. Und dass in der heutigen Zeit privat vorgesorgt werden muss ist doch eh klar. Ich wünsche den Verfassern hier mehr Glaube und Vertrauen. Und von „vermeintlicher Liebe der Familie gegenüber“ zu sprechen finde ich sehr bezeichnend. Wenn man nur „vermeintlich“ liebt, sollte man eventuell tatsächlich lieber nur Karriere machen. Das Ganze könnte in einem Interessenkonflikt enden. Ups…

  4. Sehr interessant! Die Passagen zum neuen Unterhaltsrecht solltest du aber noch einmal überdenken. Wie das in der Realität aussieht, kannst du z.B. hier nachlesen.

    https://www.scheidung.org/unterhalt-ehefrau/

    Wer es also schafft, einen gutverdienenden Mann zu heiraten, fällt immer noch ziemlich weich. Allerdings arbeiten die Asozialromantiker aller Parteien nach Kräften daran, dass es möglichst keine gutverdienenden Männer mehr gibt. Und auch Feministinnen arbeiten gerne für diese schöne neue Welt, weil hohe Gehälter selbstverständlich niemals hart erarbeitet werden, sondern immer ein „Privileg“ sind.

  5. Danke, dass Du das mal so ehrlich ansprichst. Ich will ja niemandem die schöne Zeit zu Hause vermiesen (ich hab es auch genossen), aber man muss keine BWL studiert haben, um zu wissen, dass es auf Dauer keine gute Ausgangssituation ist. Sorgearbeit müsste Müttern angemessen! bezahlt werden, dann sähe das anders aus. Aber so sind Teilzeit und die Bevorzugung der männlichen Karriere ein Risiko!
    Wer von zu Hause arbeitet und in irgendeine Form in die Rentenversicherung oder private einzahlt, ist hiervon natürlich ausgenommen. Aber Arbeit bleibt Arbeit. Es sollte sich niemand persönlich angegriffen fühlen. Es ist einfach die Wahrheit. Genauso wie sich Mütter die Vollzeit arbeiten, fragen müssen, ob sie ausreichend für ihre Kinder da sind. So ist das eben.

  6. ich finde das Thema sehr wichtig, ich war zwar nie wirklich lange daheim und wir haben beide gut bezahlte Jobs, dennoch achten wir sehr darauf, privat vorzusorgen, denn aus der gesetzlichen RV versprechen wir uns beide nicht sehr viel.

  7. Sehr guter Artikel. Endlich werden auch mal die Interessen der Mütter und nicht der Familie als Ganzes thematisiert. Ich finde, Mütter stellen sich so oft selbst zurück, aus vermeintlicher Liebe zur Familie. Dabei ist es doch gar nicht liebesfeindlich, mit einzukalkulieren, dass Liebe und Beziehungen scheitern können.

    Die Bemerkungen der verlinkten Bloggerinnen fand ich lustig. Es bedarf keiner Erlaubnis zur Verlinkung, das geht auch ohne. Und wenn sie nicht damit einverstanden sind, für ihre Themen verlinkt zu werden, sollten sie am besten nicht ins Netz schreiben.

  8. Ein sehr guter Artikel. Danke dafür.

    Jeder lebt sein Lebensmodell so wie er mag, übernimmt aber auch die finanzielle Vorsorge mit Weitblick. Bei der hohen Scheidungsquote nicht abwegig. Bei den Schwierigkeiten wieder qualifiziert in den Arbeitsmarkt zu kommen ebenfalls nicht abwegig. Bei der Liebe zum Kind nicht abwegig,

    Was spricht dagegen daheim zu bleiben, aber dann mit seinem Partner eine Unterhaltsvereinbarung/Ausgleichszahlung/… für den Fall der Fälle zu treffen?

    Was spricht dagegen, das Kind gemeinsam intensiv zu betreuen und die geteilte Elternzeit in Anspruch zu nehmen und dabei auch das gleiche finanzielle Risiko einzugehen?

    Was spricht dagegen, dass Kind frühzeitig fremd betreuen zu lassen, weil die Arbeit Spaß macht und man sich gut fühlt, wenn man für sich selber sorgen kann?

    Schwarz und weiß helfen hier nicht weiter, ebenso wie die Grabenkämpfe zwischen Müttern (Glucken und Rabenmüttern und alles was dazwischen liegt) nicht genügen. Die Liebe und Verantwortung zum Kind und die finanzielle Eigenverantwortung mit Weitblick kann man gut zusammen diskutieren, ohne sie aufwiegen zu müssen.

    Was mich erschreckt ist der Ton zu dem es untereinander führt. Anstatt gemeinsam an der Gleichstellung zu arbeiten, halten wir uns mit den immergleichen nutzlosen Diskussionen auf.

    Wer daheim sein Kund betreut ist nicht faul und wer im Büro sitzt liebt sein Kind dennoch!

    Und auf dieser Grundlage kann man sehr gut darüber reden, wie man im Falle einer Scheidung/des Todes eines Partners finanziell abgesichert ist. Wie man wieder in den Beruf einsteigen kann, ohne weit hinter der Qualifikation für Handlangertätigkeiten missbraucht zu werden oder gar nicht mehr ausreichend qualifiziert zu sein, weil die frühere Tätigkeit sich weiterentwickelt hat. Wie man alleinerziehende genug erwirtschaften kann, damit man für die Rente vorsorgen kann und nicht in die Altersarmut hineinrutscht.

  9. Welch ein wunderbarer Beitrag zum 8.3. Hoffentlich wird er viel gelesen.

  10. http://www.zeit.de/arbeit/2018-03/ehegattensplitting-steuer-kinder-arbeit-vorteile/komplettansicht
    Während der Ehe das Arbeiten so unattraktiv machen durch das Ehegattensplitting, nach der Scheidung die Partner mit Kind im Regen stehen lassen – Es gehören die Kinder gefördert und nicht die Ehe!

  11. Wohow. Als Gymnasiallehrerin zähle ich wohl auch zu der Gruppe von gut ausgebildeten Frauen, die sich schnellstmöglich wieder an die Arbeit machen sollten. Die Ausbildung hat ja schon so lange gedauert, dass schon allein dadurch weniger in meine Rente eingeflossen ist. Als Pädagogiklehrerin war es für mich allerdings keine Frage, mein Kind mit einem Jahr abzuschieben. Es ist sicherlich gut, auf die Möglichkeiten einer finanziellen Absicherung hinzuweisen, aber das bei so einer Überschrift so polemisch zu gestalten ist einfach unschön.
    Sinnvoller wäre es gewesen die Bedürfnisse des Kindes und der Schaden, den eine zu frühe Fremdbetreuung häufig mit sich bringt, den potentiellen finanziellen Risiken der Mütter gegenüberzustellen, damit sich Frauen eine informierte und qualifizierte Meinung bilden können.
    Ich gehöre übrigens nicht zu denen, die sich aus dem Beruf flüchten. Ich unterrichte sehr sehr gerne und freue mich darauf, irgendwann wieder einzusteigen. Aber ich gehöre auch nicht zu denen, die sich zurück in den Beruf flüchten. Dafür genieße ich die Zeit mit meinem Kind viel zu sehr – auch in dem Wissen, dass keine Tagesmutter oder keine Erzieherin ihm diese Fürsorge und Förderung angedeihen lassen kann, wie ich (nicht, weil ich Pädagogik studiert hätte, sondern einfach weil ich seine Mutter bin). Keine Tagesmutter hat schließlich die Kapazitäten, mit jedem Kind einzeln da zu sitzen und zwanzig mal hintereinander zu sagen „Das ist das Polizeiauto. Das macht Tatütata“, wenn das Kind nun einmal zwanzig mal hintereinander das hören möchte. Kinder werden in Fremdbetreuung schnell selbständig, weil sie es müssen. Ob das ein Vorteil für die Zukunft ist, wage ich zu bezweifeln. Wichtiger als das eigenständige Jacke zumachen ist die sprachliche Bildung und die kann eine Mutter eindeutig besser fördern. Was jedoch noch wichtiger als sprachliche Bildung ist, sind Bindungsfähigkeit und Resilienz. Beides Fähigkeiten, die erwiesenermaßen am Besten im engen Kontakt mit den Eltern erlernt werden.
    Und ja, keiner kann die Zukunft vorhersehen. Vielleicht wird die Ehe in die Brüche gehen und dann werde ich finanzielle Einbußen haben. Frauen, die es sich leisten können, zu Hause zu bleiben, müssen aber sicherlich nicht mit Altersarmut im klassischen Sinne rechnen. Mein Lebensstandard wird sich verändern, aber ist es diese Eventualität wirklich wert, meine Kinder „zu opfern“?
    Mädels, hört auf euer Herz und nicht auf den gesellschaftlichen Mainstream. Nutzt die Zeit mit euren Kindern auch für euch. Das ist so eine tolle Möglichkeit, auch euren „Marktwert“ zu steigern. Ich habe einige Monate nach der Geburt mit Klavierunterricht begonnen, was ich schon immer machen wollte, wozu aber neben der Arbeit keine Zeit blieb (meine Klavierlehrerin ist auch sehr begeistert von unserm Knirps, der ganz fleißig mitspielt). Ich habe Kontakt zur AWO aufgenommen und bin nun ehrenamtlich mit Senioren beschäftigt, die unseren Sohn lieben, ich bringe Flüchtlingen bei uns zu Hause Deutsch bei (unsere Kids können auch gut miteinander spielen), ich habe eine Coaching-Ausbildung angefangen, die meinem Mann und unserem Sohn eine tolle Zeit zusammen beschert am Wochenende, ich habe eine Krabbelgruppe gegründet, weil es die bei uns in der Gemeinde nicht gab. Das sind alles Fertigkeiten und Kontakte, die die Zeit meiner beruflichen Pause mehr als rechtfertigen und mir helfen, dass mir nicht die Decke auf den Kopf fällt (was sonst vielleicht passiert wäre – ich bin eine Macherin und brauche Menschen um mich herum). Es gibt so viele Möglichkeiten, diese Zeit mit dem Kind zusammen einfach wirklich zu genießen, ohne Angst haben zu müssen, dass man am Ende als sozialer Invalide oder verarmt dasteht.

    • Vielen Dank so sieht es aus! Und bei der derzeitigen Entwicklung ist fraglich ob unsere Generation noch nach dem derzeitigen Rentensystem „versorgt“ wird. Hört auf die Zukunft planen zu wollen. Ich wünsche niemandem böses, aber morgen kann dich ein Lastwagen überfahren und dann bist du weg. Ob mit oder ohne Rentnanspruch. Weniger sorgen. Mehr leben

  12. Oh ja, dass vergessen viele Menschen. Gerne eben aber auch Frauen. Gut das mein Mann und ich da schon früh vorgesorgt haben und wir nicht nur ihn als Selbstständigen, sondern auch mich privat absichern. Denn gerade durch die Selbstständigkeit werden wir vom Staat nicht mehr viel Rente erhalten. Ich bin daher glücklich das ich von Zuhause aus unsere Firma leiten kann und mich auch um meine eigene Selbstständigkeit kümmern kann.

  13. Dann lache ich mal gaaaanz laut. Ich habe mich als Banker, also Finanzexpertin entschieden auch nicht mehr zu arbeiten. Ich will Mutter sein und finde es geil und zusätzlich arbeite ich wie Frida, die du ja als absolutes No Go hin stellst, ich bin noch schlimmer, ich habe Kinder in der Schule und arbeite trotzdem nicht mehr, Schock!!!
    Wer zahlt denn diesen Blogbeitrag? Die Rentenversicherung? Klar, die hätte mich jetzt auch gerne noch als Rentenzahler für die ganzen jetzigen Rentner.
    Hey, ich bin Jahrgang 68, mein Mann 64 wenn unsere Generation in Rente geht bricht der ganze Sch… eh zusammen, wer soll soviel Rente zahlen???
    Wir haben privat zusätzlich vorgesorgt, denn auf die Rentenkassen verlassen? Joaaahhh, kann man, so wie die ganzen armen Rentner heute schon.
    Ich schaffe mir lieber Werte in Form von Familie und nicht von viel Kohle.
    Und ganz oft bekomme ich so freche Kommentare unter den Blog ich sei faul und solle arbeiten gehen. Ich war nie so glücklich mit weniger Geld, auch wenn jedes Jahr Malediven früher geil war.
    Der Druck der mit diesem Blogpost aufgebaut wird auf ein Rentensystem zu bauen, das nicht funktionieren kann ist sehr fragwürdig.

    • Es geht ja nicht nur darum, in die staatliche Rentenversicherung einzuzahlen, sondern auch darum, privat vorzusorgen. Aber wenn man kein eigenes Einkommen hat, dann müssen diese Beiträge aus dem Familieneinkommen bezahlt werden. Und was machst Du eigentlich im Falle einer Trennung? Ich hoffe für Dich, dass Du für diesen Fall eine Unterhaltsvereinbarung mit Deinem Mann geschlossen hast. Dann ist an diesem Lebensmodell ja auch nichts auszusetzen.

      P.S. Hier sind übrigens überhaupt keine Beiträge von irgendjemandem bezahlt.

  14. Ich finde diesen Beitrag durchaus wichtig – so wie die Notwendigkeit, sich die wirtschaftlichen Auswirkungen einer längeren Auszeit abseits der staatlich gesponserten Zeiträume vor Augen zu führen. Zu einer gesamtheitlichen Betrachtung der Kinderbetreuungsfrage gehört – unabhängig von der letztlich eigenen Entscheidung – neben den eigenen Vorstellungen von der optimalen Betreuung im Moment, auch die Einbeziehung der langfristigen ökonomischen Auswirkungen. So ist das leider.

    Und reißerisch.. vielleicht, finde ich aber Schlechtes- Gewissen- Macher wie „was die frühkindliche Fremdbetreuung mit deinem Kind anstellt“ auch. Überschriften sind doch eher Teaser als Differenzierungen.

  15. Wow was ein Schlag ins Gesicht. Für mich echt unterste Schublade. Ich arbeite übrigens von zuhause aus, Katarina auch – den anderen Blog kenne ich nicht. Und selbst wenn jemand nicht arbeiten würde – es gibt auch mehr Dinge, die im Leben zählen, als Geld. Wenn ich auf dem Sterbebett liege möchte ich mich nicht darüber ärgern, dass die Kindheit meiner Kinder wie im Flug an mir vorbeigezogen ist, und eine sichere Rente garantiert mir sowieso keiner heutzutage.

    • Liebe Frida,
      ich habe nicht gesagt, dass man nicht zu Hause bleiben kann. Aber wenn man es tut, dann sollte man sich dringend darum kümmern, dass man im Alter abgesichert ist und dass der Partner, der voll arbeitet, die Rentenausfälle der Mutter kompensiert. Hast Du den Text überhaupt bis zum Ende gelesen?#
      Herzliche Grüße,
      Eva Dorothée

      • Ja – aber du musst schon zugeben, dass die Aufmachung ziemlicher Clickbait ist. Und wenn ich dich als negatives Beispiel irgendwo hinstelle würdest du dich auch nicht erfreuen.

        • Liebe Frida,
          es war in keinster Weise meine Absicht, Dich oder die anderen als negatives Beispiel hinzustellen! Ich habe euch nur deswegen verlinkt, damit sich die Leser bei Bedarf über das Thema Kitafrei weiter informieren können. Es tut mir leid, wenn das anders rübergekommen ist und ich kann den Link auch rausnehmen, wenn Dir das lieber ist.

          Herzliche Grüße,
          Eva Dorothée

    • Danke. Genau meine Gedanken!

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