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Haare färben in Schwangerschaft und Stillzeit – unbedenklich oder gefährlich fürs Kind?

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The lengths people will go to suit the 'ideal', such as dying their hair. Chantel Botes (23) is depicted here, having chemicals put into her hair.

Viele Schwangere trauen sich nicht, ihre Haare während der Schwangerschaft zu tönen oder zu färben, weil sie Angst haben, das könnte dem ungeborenen Kind schaden. Auch Stillende sind häufig verunsichert, ob man seine Haare färben darf, wenn man noch stillt. Mamaclever hat für euch recherchiert, wie bedenklich das Haarefärben in Schwangerschaft und Stillzeit ist.

Der Glaube, dass es schädlich für das Kind sein könnte, wenn man sich während der Schwangerschaft die Haare färbt, ist weit verbreitet und ich kenne etliche Frauen, die während der Schwangerschaft und teilweise auch während der Stillzeit auf das Färben verzichten. Zurecht?

Zunächst einmal sollte man wissen, dass die Haarfärbemittel und damit die in ihnen enthaltenen Chemikalien nicht durch das Haar in den Körper gelangen, sondern höchstens dann, wenn sie in Kontakt mit der Kopfhaut kommen. Wer sich nur Strähnchen machen lässt, der muss sich eigentlich am allerwenigsten Gedanken machen. Dabei gelangt so gut wie keine Farbe auf die Kopfhaut und ins Blut.

Aber auch alle anderen können beruhigt ihre Haare tönen oder färben. „Hinweise auf gesundheitliche Risiken durch Haarfärbemittel, die während der Schwangerschaft und Stillzeit verwendet werden, liegen derzeit nicht vor“, sagt das Bundesinstitut für Riskobewertung (BfR). Seit einigen Jahren gibt es beim wissenschaftlichen Kosmetikausschuss der Europäischen Kommission eine Liste mit Stoffen, die in Haarfärbemitteln zugelassen sind. Seitdem dürfen zahlreiche gesundheitsgefährdende und nachweislich krebserregende Stoffe in Haarfärbemitteln nicht mehr verwendet werden.



Der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e.V. (IKW) sagt zum Thema: „Wissenschaftlich gesehen gibt es keinen Grund, während der Schwangerschaft mit dem Kolorieren oder Aufhellen aufzuhören, da die Sicherheit von haarfarbverändernden Mitteln in der Schwangerschaft bei der Produktentwicklung berücksichtigt wird.“ Allerdings solle man bedenken, dass der Körper während der Schwangerschaft und Stillzeit sensibler auf äußere Einflüsse reagieren könne. Wenn man also Zweifel bezüglich seiner persönlichen Verträglichkeit habe, dann solle man unbedingt den Hautarzt befragen, bevor man ein haarfarbveränderndes Mittel anwende.

Was die Hersteller sagen

Die Stillberaterin Katharina Schramm hat drei große Unternehmen angeschrieben, die zum Teil friseurexklusive Haarkosmetika vertreiben, und sie gebeten, dazu Stellung zu nehmen, ob Haarefärben während der Schwangerschaft unbedenklich ist. Die Antworten hat sie in der geschlossenen Facebook-Gruppe „Stillen – Fragen und Antworten“ veröffentlicht. Ich zitiere sie hier für euch.

Die Firma Alcina sagt: „Die Bedenken, dass eine Färbebehandlung unerwünschte, gesundheitliche Folgen haben kann, sind unbegründet.“ Man setze in seinen Formulierungen nur Stoffe ein, die toxikologisch unbedenklich und durch die Kosmetik-Verordnung gesetzlich zugelassen sind. Fruchtschädigende Stoffe seien grundsätzlich verboten. Zudem hätten Kundinnen normalerweise nur im Abstand von ca. sechs bis acht Wochen Kontakt mit Haarfarben und Mitarbeiterinnen schützten sich durch das Tragen von Handschuhen gemäß TRGS 530.

Der Hersteller Goldwell antwortete, dass Haarfarben dem Kosmetikrecht unterlägen,  das zu den schärfsten gesetzlichen Bestimmungen in der Europäischen Union und in den USA gehört. „So unterliegen die in Haarfarben eingesetzten Stoffe einer ständigen wissenschaftlichen Überwachung durch entsprechende Fachgremien nationaler und internationaler Behörden, um zu gewährleisten, dass nur sichere und in der Anwendung unbedenkliche Produkte auf dem Markt angeboten werden.“ Dies gelte in besonderem Maße auch für die Anwendung von Haarfarben während einer Schwangerschaft. Der wissenschaftliche Beirat der Europäischen Kommission, der SCCP, habe sich ebenso wie das in Japan für die Zulassung von Haarfarben zuständige Gesundheitsministerium mit allen kritischen Fragen zum Thema auseinandergesetzt und vorhandene sowie neue wissenschaftliche Studien hierzu analysiert. Beide Sicherheitsbehörden seien dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass die Anwendung von Haarfarben während der Schwangerschaft kein erhöhtes Risiko für Mutter und Kind darstelle. Wissenschaftliche Analysen des in den USA zuständigen Cosmetic Ingredient Review (CIR) bestätigten diese Ergebnisse. Auch die neuesten Erkenntnisse umfangreicher epidemiologischer Studien in Dänemark, Schweden, den USA und durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kämen zu gleichen Ergebnissen.



Und Wella schließlich antwortete: „Alle Wella Haarkosmetika werden einer umfangreichen gesundheitlichen Bewertung unterzogen, bevor sie auf den Markt gebracht werden. Dies gilt vor allem und insbesondere auch für Haarprodukte. Voraussetzung für die Freigabe unserer Produkte ist der Nachweis ihrer gesundheitlichen Unbedenklichkeit, der auch durch das Kosmetikrecht eingefordert wird. Da Frauen im gebärfähigen Alter die bedeutsamste Gruppe der Verwenderinnen von Haarfarben und Dauerwellen sind, ist es ein besonders Anliegen, dass auch unsere von Schwangeren verwendeten Haarkosmetika risikofrei anwendbar sind und die hochgesteckten Kriterien der Produktsicherheit und gesundheitlichen Unbedenklichkeit erfüllen.“

Auch in Großbritannien sieht man keine Gefahr

Auch die Behörden anderer Länder geben Entwarnung. Der  National Health Service in Großbritannien ist der Ansicht, dass die Chemikalien, die in dauerhaften Colorationen und Tönungen eingesetzt werden, nicht hochgradig toxisch sind. Die meisten Studien, auch wenn sie begrenzt seien, zeigten, dass es sicher sei, die Haare während der Schwangerschaft zu färben. Einige Studien hätten herausgefunden, dass sehr hohe Dosen der Chemikalien, die in Haarfärbemitteln eingesetzt werden, schädlich sein können. Diese Dosen seien allerdings massiv verglichen mit den sehr geringen Dosen, denen Frauen ausgesetzt sind, wenn sie ihre Haare färben. Viele Frauen entschieden sich, mit dem Haarefärben zu warten bis die ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft vorbei sind, da dann das Risiko das Baby zu schädigen sehr viel geringer sei. Wer seine Haare selbst färbe, könne das Risiko noch weiter senken, indem er Handschuhe trage, die Farbe nur für die Mindesteinwirkzeit auf den Haaren lasse, in einem gut belüfteten Raum arbeite und die Kopfhaut danach gründlich abspüle.

Der National Health Service verweist allerdings auch darauf, dass man bedenken solle, dass das Haar während der Schwangerschaft anders auf die Farbe oder eine Dauerwelle reagieren könne als gewöhnlich.

Informationen zu Haarbehandlungen während der Stillzeit seien sehr begrenzt, so der National Health Service. Man wisse aber, dass nur sehr geringe Mengen der Chemikalien wirklich ins Blut gelängen. Das mache es sehr unwahrscheinlich, dass ein signifikanter Anteil in die Muttermilch übergehe. In der Vergangenheit hätten viele Frauen während der Stillzeit ihre Haare gefärbt und es seien keinerlei negative Ergebnisse bekannt.

Kritische Inhaltsstoffe

Nach wir vor sind allerdings einige Stoffe in chemischen Haarfarben enthalten, die bei Fachleuten umstritten sind. Für sie gelten allerdings Mengenbeschränkungen. Dazu zählen zum Beispiel P-Phenylendiamin (PPD) oder aromatische Amine. Das gesundheitliche Risiko von Haarfärbemitteln lässt sich aufgrund der Vielzahl von Inhaltsstoffen und möglicher Wechselwirkungen auch nur schwer abschließend bewerten. Für ängstliche oder unsichere Frauen ist es deshalb vielleicht eine Überlegung wert, erst im zweiten Trimester die Haare zu färben oder sich Strähnchen machen zu lassen.

Sind pflanzliche Haarfärbemittel eine Alternative?

Pflanzenfarben können eine Alternative zu chemischen Haarfarben sein. Die meisten Pflanzenfarben enthalten Henna. Für die gelb-rote Farbe von Henna ist der Farbstoff Lawson verantwortlich. Der geriet vor einigen Jahren in den Verdacht, erbgutschädigende Wirkung zu haben. Nach einer Auswertung von Studien  kam das BfR jedoch zu dem Ergebnis, dass von dem Farbstoff nach heutigem Wissen kein erbgutschädigendes Risiko für den Menschen ausgeht.



Trotzdem ist auch bei Färbemitteln auf der Basis von Henna Vorsicht geboten, denn die Begriffe „Naturhaarfarbe“ oder „Pflanzenhaarfarbe“ sind nicht gesetzlich geschützt. Den natürlichen Inhaltsstoffen werden oft chemische Zusätze beigemischt, um die Farbe dunkler oder intensiver zu machen. Vereinzelt wurden in Henna-Produkten chemische Zusätze wie PPD gefunden. PPD ist generell in Haarfärbemitteln zugelassen. Ob die Substanz in einem Haarfärbemittel gesundheitsschädlich wirkt oder nicht, hängt von den weiteren Inhaltsstoffen ab: Wenn die Produkte außerdem so genannte Kupplersubstanzen enthalten, die das PPD binden und eine Weiterreaktion zu gesundheitsschädigenden Stoffen verhindern, dann ist der Stoff bis zu einer Konzentration von 2 Prozent zulässig. In den Henna-Produkten fehlten solche Kupplersubstanzen allerdings. Deshalb wurden sie vom BfR als Gesundheitsrisiko eingestuft. 

Je nach Herkunftsland und Anbaugebiet kann Henna auch Rückstände von Pestiziden enthalten. Deshalb sollten Schwangere beim Kauf von Naturhaarfärbemitteln genau auf die Liste der Inhaltsstoffe achten. Fehlt eine solche Liste auf der Packung, dann ist vom Kauf dringend abzuraten. Zertifizierte Naturkosmetik-Produkte garantieren bestimmte Standards, was die Inhaltsstoffe und Produktionsbedingungen betrifft, zum Beispiel den ökologischen, pestizidfreien Anbau der Henna-Pflanzen.

Foto: Flickr/Samantha Steele unter CC BY-NC-ND 2.0

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