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Warum ich meinen Kindern keine Globuli gebe

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320px-Farbige_GlobuliEs gibt kaum eine Schwangere, die von ihrer Hebamme nicht irgendwelche Globuli bei Beschwerden empfohlen bekommt. Es gibt Anbieter, die für sehr viel Geld sogar Globuli aus der Plazenta oder Muttermilch herstellen und wenn das Kind dann da ist, geht der Wahnsinn weiter. Hingefallen? Schnell ein Arnika-Kügelchen geben. Zahnungsbeschwerden? Osanit! Dabei gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis, dass die Zuckerkügelchen besser als Placebos wirken. Und es ist durchaus problematisch, Kindern beim kleinsten Wehwehchen immer eine Pille zu geben. 

Die Homöopathie ist eine alternativmedizinische Behandlungsmethode, die auf den Vorstellungen beruht, die der deutsche Arzt Samuel Hahnemann ab 1796 veröffentlicht hat. Alles begann mit dem „Chinarindenversuch“. Er nahm Chinarinde, die damals gegen Malaria eingesetzt wurde, zu sich und stellte fest, dass er Symptome der Malaria bekam. Daraus entwickelte er die Ähnlichkeitsregel, die besagt, dass Krankheiten durch Mittel bekämpft werden können, die bei Gesunden dieselben Symptome auslösen. Das Problem an dem Versuch: Seine Reaktion auf Chinarunde war offenbar sehr individuell, denn die Beobachtung, dass Chinarinde Symptome von Malaria auslösen kann, konnte nie wiederholt werden.

Neben der Ähnlichkeitsregel ist das Verdünnungsprinzip in der Homöopathielehre wichtig. Homöopathische Arzneimittel unterscheiden sich von anderen Heilmitteln dadurch, dass sie verdünnt und verschüttelt werden. Dieser Vorgang wird Potenzierung genannt. Der materielle Anteil eines Stoffes wird mit jedem Potenzierungsschritt geringer, ab der C12-Potenz ist kein Molekül des Ausgangsstoffes mehr in der Lösung vorhanden. Anhänger der Homöopathie glauben aber, die energetische Kraft der Arznei entfalte sich mit zunehmender Verdünnung mehr und mehr.

Hahnemanns Lehre ist über 200 Jahre alt, seitdem hat sich die Wissenschaft extrem weiterentwickelt.  Wäre die Homöopathie wahr, so wären alle Gesetze und alles Wissen über Biologie, Physik, Chemie und Physiologie falsch.  Zahlreiche wissenschaftliche Studien haben untersucht, ob und wie die Homöopathie wirkt. Metastudien fassen solche Studien zusammen und haben dadurch eine besonders hohe Aussagekraft.

Studien: Homöopathie wirkt nicht besser als ein Placebo

1997 kam der Mediziner Klaus Linde in einer solchen Metastudie zu dem Schluss, dass die Homöopathie im Mittel besser abschneide als eine Scheintherapie. Kritiker bemängelten, dass zahlreiche mangelhafte Studien in die Veröffentlichung eingeflossen seien. Linde reagierte zwei Jahre später mit einer weiteren Veröffentlichung, in der er nur die hochwertigsten Studien untersuchte. Sein Ergebnis klingt schon anders: „Es scheint wahrscheinlich, das unsere erste Metastudie den Effekt der Homöopathie mindestens überschätzt hat.“ 2005 schrieb Linde einen Brief an die Fachzeitschrift Lancet, in dem er erklärte: „Unsere Meta-Analyse von 1997 wurde unglücklicherweise von Homöopathen als Beleg dafür missbraucht, dass die Wirksamkeit ihrer Therapie bewiesen sei. Wir stimmen zu, dass die Homöopathie höchst unplausibel ist, und dass die Belege aus placebokontrollierten Studien nicht überzeugend sind.“ Im selben Jahr erschien in Lancet auch eine Metastudie der Universität Bern, wonach die Homöopathie keine Wirkung über den Placeboeffekt hinaus hat.

Und zuletzt, im Jahr 2014, kam in einer australischen Metastudie zur Homöopathie heraus, dass die Mittel bei einer ganzen Palette häufiger Krankheiten nicht besser wirken als Placebos. Das Wissenschaftlerteam um Paul Glasziou, Direktor des Zentrums für Erforschung evidenzbasierter medizinischer Praxis an der Bond University im Bundesstaat Queensland, listet in der Studie folgende Krankheiten auf, in deren Fall verlässliche Studien klar aussagen, dass Homöopathie nicht besser wirkt als ein Medikament ohne Wirkstoff: Asthma, Angststörungen, Kopfschmerzen, Migräne, Durchfall bei Kindern, Schmerzen nach Zahnbehandlungen und nach orthopädischen Eingriffen, Erkältungen, Warzen, Muskelkater, das prämenstruelle Syndrom. Auch um Frauen die Wehen bei der Geburt zu erleichtern oder Wehen einzuleiten, eignen sich homöopathische Mittel laut Studie nicht besser als Scheinmedikamente. Wer mehr zu dieser Studie wissen will, kann hier auf Deutsch und hier auf Englisch nachlesen.

Auch das Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Berliner Charité kommt in einem Informationsblatt zur Homöopathie zu dem Schluss „Bisher ist nicht eindeutig belegt, dass sich homöopathische Arzneimittel von Placebo unterscheiden.“

Ein gutes Geschäft für die Hersteller

Für mich ist damit klar, Globuli haben keinerlei Wirkung, und warum sollte ich für ein Arzneimittel ohne Wirkung Geld ausgeben? Da kann ich meinen Kindern auch gleich Liebesperlen geben oder bunte Smarties, das ist billiger und hat den gleichen Effekt. Woraus bestehen nämlich Globuli? Trägerstoff und damit die einzige Substanz in homöopathischen Globuli ist heutzutage meist Saccharose (Homöopathisches Arzneibuch 2006), das ist schlichtweg Haushaltszucker. Es gibt aber auch Globuli aus Xylitol, das ist ein Zuckeraustauschstoff, der immerhin gut gegen Karies wirkt. Die Zuckerkügelchen werden mit dem jeweiligen homöopathischen Mittel in flüssiger Form besprüht oder beträufelt.

Für die Hersteller homöopathischer Arzneimittel ist das ein sehr gutes Geschäft. Edzard Ernst, der an der Universität von Exeter eine Professur für Komplementärmedizin innehatte, sagt: „Wenn sie überlegen, wie viel Kosten investiert werden müssen, um ein Medikament auf den Markt zu bringen. Das sind Millionen, Milliarden heutzutage – und Homöopathika werden einfach aufgeschüttelt, verdünnt und auf den Markt gebracht. Das kostete nichts und wird teuer verkauft.“  Homöopathische Arzneimittel verzeichneten 2014 in Deutschland einen Umsatz in Höhe von 528 Millionen Euro. Ein homöopathisches Arzneimittel kostet durchschnittlich 10,86 Euro (Quelle).

Und wie die konventionelle Pharmaindustrie setzen auch die Homöopathen inzwischen verstärkt auf Lobbyarbeit, um sich dieses Geschäft nicht kaputtmachen zu lassen. Viele der Homöopathie zugewandte Eltern schimpfen auf die böse Pharmaindustrie, die nur Geld verdienen will. Aber das wollen Hersteller von homöopathischen Mitteln natürlich ebenfalls – und das für etwas, was keinerlei Nutzen hat.

Aber viele machen gute Erfahrungen mit Globuli

Viele Eltern, denen wohl bekannt ist, dass die Wirksamkeit von Globuli nicht erwiesen ist, erzählen allerdings von den guten Erfahrungen, die sie mit den Zuckerkügelchen gemacht haben und sagen, es könne ja auch nicht schaden. Aber diese Erfahrungen würden sie auch machen, wenn sie ihren Kindern Liebesperlen verabreichen würden, also Placebos. Oder wenn sie einfach gar nichts machen würden. Das so gesparte Geld kann man sicher sinnvoller einsetzen.

Viele Heilungsprozesse nach der Gabe von Globuli sind schlicht Zufall. Es gibt nämlich so etwas wie die Selbstheilungskraft des Körpers, viele Beschwerden vergehen von ganz alleine, denn der Körper verfügt über vielfältige Reparaturmechanismen. Generell gilt sogar, dass die Regenerationsfähigkeit des Körpers desto höher ist, je jünger der Organismus ist. Wenn diese Eltern ihrem Kind gar nichts gegeben hätten, dann hätten sie den gleichen Effekt erzielt.

Und warum vielen Homöopathie hilft, liegt oft einfach daran, dass sie daran glauben, das ist der so genannte Placebo-Effekt. Natürlich können Kleinkinder selbst noch nicht daran glauben, aber wenn ihre Eltern es tun, dann überträgt sich das auf die Kleinen. Auch bei Tieren ist das übrigens der Fall.

Zudem liegt die vermeintliche Wirkung der homöopathischen Mittel nicht in den Wirkstoffen, sondern in der Art und Weise, wie sich Homöopathen um ihre Patienten kümmern. Ezhard Ernst bezeichnet die Behandlung mit homöopathischen Mitteln auch als „Mini-Pseudo-Psychotherapie“. In einem Interview mit dem Spiegel sagte er: „Heilpraktiker führen Gespräche, bei denen sich der Patient verstanden und schon deshalb besser fühlt. Heute besteht überhaupt kein Zweifel: Neben dem Placeboeffekt der Globuli und dem natürlichen Heilungsprozess ist der Kontakt mit dem empathischen Arzt das entscheidende Therapeutikum der Homöopathen.“

Eine sanfte Alternative zu konventionellen Arzneimitteln

Zur „Chemiekeule“, der viele Eltern verständlicherweise eher ablehnend gegenüberstehen, gibt es nicht nur die Alternative „Homöopathie“. Es gibt noch eine dritte Alternative, die ich bevorzuge: Erstmal nichts tun und den Körper machen lassen. Immer wenn andere Eltern zu Globuli greifen mache ich gar nichts. Weint mein Sohn, weil er sich gestoßen hat, dann gibt es kein Arnika-Globuli, sondern ich nehme ihn in den Arm, puste auf die schmerzende Stelle oder singe „Heile, heile Segen“. Oder es gibt ein buntes Pflaster aufs aufgeschlagene Knie. Das hat bis jetzt noch jedes Mal geholfen.

Und dann gibt es ja auch noch pflanzliche Arzneimittel, die nachgewiesenermaßen anders als Homöopathie eine Wirkung haben und Hausmittel, wie beispielsweise Wadenwickel, mit denen ich bei Fieber – sofern es überhaupt gesenkt werden muss- wesentlich besser fahre als mit  Zuckerperlen.

Ständige Gabe kann zu Suchtverhalten führen

Ein weiteres Problem mit den Globuli (und mit der Gabe anderer Arzneimittel, die aber oft nicht so leichtfertig und häufig verabreicht werden) liegt auch darin, dass Kinder schon von Klein auf auf die Einnahme einer wirksamen Pille konditioniert werden. „Ich habe da eine Tablette/Kügelchen das hilft… “ Was Kinder dadurch nicht lernen, ist Schmerzen auch mal auszuhalten und ihrem Körper und sich selbst zuzutrauen, auch alleine mit etwas fertig zu werden, ohne dass man etwas einnahmen muss. Sie lernen schon früh „Ich nehme eine Pille, dann geht’s mir besser“. Mit so einem Verhalten riskiert man, dass die Kinder später süchtig – nach was auch immer –  werden.

Eine sehr interessante, weiterführende Seite zum Thema ist übrigens jene vom Informationsnetzwerk Homöopathie.

Foto: Wikimedia Commons/Hofapotheke St. Afra, Apotheker Tobias Müller

24 Kommentare

  1. Besonders der letzte Punkt klingt plausibel und bedenkenswert (ob es stimmt, mag ich nicht beurteilen). Ich bin auch aus der Ecke „erstmal abwarten“, mein Kind ist zum Glück bis jetzt echt robust. Andererseits werden andere Eltern für die Gabe jeweiliger Mittel (homöopathisch, schulmedizinisch oder wasauchimmer) hoffentlich ihre Gründe haben. Solange sie nicht leichtfertig handeln, möchte ich auch das nicht beurteilen..

  2. Wer heilt, hat Recht. Auch ein Placebo-Effekt ist ein Effekt.

  3. Wer heilt hat Recht ist ein geflügeltes Wort und eine Plattitüde aus der Alternativmedizin und stets zur Hand, wenn für eine bestimmte Therapie ein Wirksamkeitsnachweis nicht plausibel belegt werden kann, so dass die Befürworter auf Anekdoten zurückgreifen müssen.
    Weiter geht es hier
    https://www.psiram.com/ge/index.php/Wer_heilt_hat_Recht

  4. @cloudia: Nun, eventuell hast du den Post nicht gründlich genug gelesen: Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Homöopathie zu heilen vermag. Auch wenn man gar nix gibt, also weder ein Medikament mit Wirkstoff noch Zuckerkugeln, gehen ganz oft die Beschwerden von alleine weg. So zu tun, als wären diese Selbstheilungseffekte in irgendeiner Weise korreliert mit der Gabe von Zuckerkugeln ist so, als würde man behaupten, das ausführen eines Regentanzes habe es regnen lassen. Oder wie Richard Feynman es nannte: Cargo Cult Science https://de.wikipedia.org/wiki/Cargo-Kult-Wissenschaft

  5. Superguter Post. Dankeschön.
    LG Lotti

  6. Natürlich heilt Homöopathie nicht. Ich bin großer Freund der Schulmedizin und halte gar nichts von Globuli. Aber wenn sich jemand subjektiv danach besser fühlt, dann ist ihm geholfen. Punkt.

    • Dann hat der Placeboeffekt geholfen. Aber nur dieser und nicht der esoterisch verbrämte Unfug laut den pseudowissenschaftlichen Aussagen der Homöopathen.

  7. Zum Thema Placeboeffekt: klar ist dieser nicht zu unterschätzen und kann durchaus zu einer Wirkung führen. Im Falle der Homöopathie ist er aber sehr teuer erkauft. Ein bisschen pusten, ein Kühlpad, etwas Heilesegen Creme und Trost oder ein Pflaster erfüllen den selben Zweck, allerding sehr viel günstiger und in Bezug auf den erwähnten Süchtigkeitseffekt auch erheblich unbedenklicher!
    Ein Risiko der Homöpathie ist hier nicht erwähnt: durch die Gabe von wirkungslosen Mitteln besteht die Gefahr des Verschleppens und Verschlimmerns von ernsthaften, (schulmedizinisch) behandlungsbedürftigen Erkrankungen!
    Darum gebe ich meinen Kindern auch keine Globuli.

  8. Also wir haben beiden Kinder bei Zahnungsschmerzen Globuli gegeben und es hat offensichtlich geholfen. Ob Placebo oder nicht war uns ehrlich gesagt egal.

  9. Wieder so ein „toller“ Artikel… Warum werden Homöopathika in der Landwirtschaft eingesetzt? Warum helfen manche Kügelchen eben doch, vor allem bei Babies? Babies und Tieren kann man nicht einreden, dass es jetzt hilft, weswegen für mich die Wirksamkeit bestätigt ist.

  10. Danke!
    Es ist beruhigend, dass es auch noch vernünftige Menschen / Eltern gibt.
    V.a. der letzte Punkt wird viel zu oft übersehen!
    @Manja: Sie haben leider offensichtlich entweder keine Ahnung, wovon Sie sprechen (s. Placebo bei Kleinkindern u. Tieren // und: Nein, Kügelchen helfen nie, auch nicht bei Babies. Um das zu verstehen, muss man allerdings ein bisschen Ahnung von Medizin/Psychologie/Statistik etc haben) oder brauchen einen wie auch immer gearteten Glauben – da kommt man mit Argumenten sowieso nicht weiter.

  11. Hallo Frau Schmid,
    Ihr Artikel zur ‚Homöopatie‘ trifft den Kern! Besonders Ihre Anmerkungen zur möglichen Konditionierung durch Medikamenteneinnahme auch bei (harmlosen) Alltags-Unpässlichkeiten spricht mir aus dem Herzen.
    Als Allgemeinarzt (Zusatzbezeichnung: Naturheilverfahren) habe ich besonders diesen Aspekt mit jungen Müttern diskutiert – leider waren insgesamt meine Bemühungen eher selten erfolgreich. Der Einfluss der „Heiler“, Apotheker, spez. Pharmaindustrie und auch diverser Zeitschriften ist übermächtig (erdrückend).
    Wie sind Ihre Erfahrungen hierzu?
    Mit freundliche Grüßen
    Dr. Belz

  12. Sehr schöner Beitrag. Ich schreibe gerade über dasselbe Thema, bei mir wird sogar eine ganze Serie daraus 😉 https://buggisch.wordpress.com/2016/03/22/homoeopathie-verstehen-1-das-simile-prinzip/

  13. Der Artikel ist eine interessante Mischung aus nachvollziehbaren Argumenten, wie bspw das Thema Sucht. Natürlich können Kinder und alle anderen Menschen auch, Verletzungen und Schmerzen mit Trost und ZUwendung ebenso überstehen,wie mit einem Globuli. Bei vielen Eltern ist aber merkwürdiger Weise Trost häufig auf das Geben der Trinkflasche reduziert oder zumindest damit gekoppelt – dies sehe ich wesentlich kritischer, als 2 Globulis. Der Griff zur Flasche wird damit vorprogrammiert.
    Die nächste Beigabe zu dieser Mischung ist die Vermischung von klassischer Homöopathie mit der Komplexmittel Homöopathie.
    Die klassische Homöopathie – wie sie von Hahnemann entwickelt wurde – mit der Gabe von Einzelmitteln durch ausgebildete Mediziner (diesen rechtlich gleichstellt sind Heilpraktiker mit einer Prüfung vor dem Amtsarzt, um das medizinische Wissen sicherzustellen), nach einer Befragung und einer körperlichen Untersuchung, denn nur so werden sie der Sorgfaltspflicht gerecht und schließen eben das Übersehen und Verschleppen von ernst zu nehmenden Krankheiten aus wird auf der Basis einer fundierten Ausbildung ausgeübt.
    Davon zu unterscheiden ist selbstverständlich die kritisch zu sehende „Kochbuch-Selbstmedikation“ der Eltern auf der Basis von GU-Ratgebern! – Da kann es dann auch zum angeführten übersehen von ernsten Erkrankungen kommen.
    Und ebenso zu unterscheiden und kritisch zu bewerten ist die Gabe von fertig hergestellten Komplexmitteln wie eben das im Artikel angeführte Osanit. Diese Komplexmittel enthalten immer eine Mischung von homöopathisch hergestellten Arzneien, in der Hoffnung eines davon wird schon das Problem lösen. Diese Komplexmittel werden gerne von Medizinern verabreicht, die bei ihren Patienten den Eindruck erwecken möchten, dass sie auch homöopathisch „können“, um ihre Patienten an sich zu binden. Da aber, wie bereits auf Julias Frage mit dem Bonbon, geantwortet ist es eben nicht nur Placebo, sondern die Mischung kann auch Wirkungen zeigen, die nicht erwünscht sind und mit der Erkrankung nichts mehr zu tun haben.
    Ebenso sind die pauschalen Empfehlungen von Hebammen: „dann gib deinem Kind Chamomilla C 30 täglich, wenn es zahnt“ – absoluter Humbug! Das habe ich selbst vor bald 16 Jahren bei meiner Tochter erlebt – sie war innerhalb von 5 Tagen ein anderes, unleidiges Kind und nach dem Absetzen von Chamomilla wurde sie wieder sie selbst – zufrieden und in sich ruhend.
    Das Thema Homöopathie ist grundsätzlich sehr vielschichtig und muss differenziert betrachtet werden – ganz falsch ist die Grundhaltung: hilft`s ned, schad`s ned und ebenso so die Einstellung es is eh nix drin! Und Homöopathie sollte von ausgebildeten Medizinern (Ärzte und Heilpraktiker) ausgeübt werden!

  14. Zum einen gibt es sehr wohl etliche Studien, die die Wirksamkeit der Homöopathie bestätigen. Und nur weil man die Wirkungsweise der homöopathischen Mittel noch nicht wirklich versteht, heißt das nicht, dass es sie nicht gibt. Es ist ja nicht gerade so, dass es heute nicht noch viele Phänomene gibt, die sich die sog. Wissenschaft nicht erklären kann. Und genau so wahr ist es, dass uns die Pharmaindustrie viele Studien vorlegt, die so aufgesetzt werden, dass sie positiv für die von ihnen hergestellten Produkte ausfallen. In etlichen Fällen lassen sich auch hierzu anderslautende Studien erstellen. Damit ein Laie die ehrliche Aussagekraft einer Studie wirklich beurteilen kann, muss er ein umfangreiches Know How über Studiendesign haben und ihm die kompletten Studienunterlagen zur Verfügung stehen. Letztere bekommen ja noch nicht mal die Genehmigungsbehörden der EU.
    Die echte klassische Homöopathie zu beherrschen bedeutet eine jahrelange intensive Ausbildung zu absolvieren. Von daher ist bestimmt in vielen Fällen keine zufriedenstellende Wirkung zu erkennen, wenn sie von Nicht-Ausgebildeten angewendet wird. Denn bei der klassischen Homöopathie funktioniert eben nicht das Prinzip, dass ich bei Halsschmerzen oder nach einem Sturz ein bestimmtes Mittel gebe, so wie wir es aus der Schulmedizin kennen. Habe ich aber das richtige Mittel gewählt, so findet sehr schnell eine positive Wirkung statt und das sogar ohne Nebenwirkungen. Aber sicher stimmt es, dass die Selbstheilungskräfte gerade bei Akuterkrankungen arbeiten können sollten und vieles selbst schaffen. Fiebersäfte etc. sind für die Selbstheilungskräfte eher keine Hilfe.
    Die dritthäufigste Todesursache sind Nebenwirkungen von Medikamenten, auch wenn sie noch so teuer in der Forschung und Herstellung sind.
    Jeder möge doch seinen eigenen Weg gehen dürfen, sei er schulmedizinisch, homöopathisch oder anderweitig naturheilkundlich und die vielen guten Erfahrungen mit der Homöopathie lassen sich nicht wegdiskutieren, auch nicht mit dieser ermüdenden Studiendiskussion. Die Interessen der Pharma liegen primär in einem gut gehenden, expansiv orientiertem wirtschaftlichen Unternehmen und die Pharmalobbi hat sich eine enorme Machtposition erobert. Günstige Globuli mit häufig guter Wirkung sind im Wettbewerb offensichtlich nicht gern gesehen.
    Und was die häufige Gabe an Kleinkinder angeht, so habe ich den Eindruck, dass das ständige Verabreichen von Antibiotika, Hustensäften, Fiebersäften, Cortisonsalben, Allergiemitteln etc viel gravierender ist als die Gabe gut gewählter homöopathischer Mittel (häufig in Form von Einzelgaben) im konkreten Bedarfsfall.

  15. Ich glaube überhaupt nicht dass Globulis helfen können. Ich habe folgede Situation erlebt. Mein 4 Monate alter Sohn hat die ersten Zähne bekommen und dabei hat er sichtlich Schmerzen und ist sehr weinerlich. Meine Schwegerin hat mir die Osanit Globulis gegeben und aus Höflichkeit nahm ich die an obwohl ich sie eigentlich auslachen wollte.
    Nachdem mein Sohn mehre Stunden immer wieder die Brust abgelehnt hat und nichts essen wolle wegen den Schmerzeb gab ich ihm aus Verzweiflung diese Globulis. Nach 5min trank er an der Brust problemlos aber innerhalb vin 5 Minuten kann doch kein Medikament wirken. Also probierte ich es noch ein paar Mal. Dabei habe ich festgestellt dass er sagar sofort wieder abfängt zu trinken obwohl nicht alles Globulis sich im Mund gelöst haben daher vermute ich dass das Xylit in den Globulis die Babies kurzzeitig ruhigstellt.

  16. Was für ein gequirlter Mist! Meine Tochter bekam mit 9 Wochen Neurodermitis und vom tollen Schulmediziner eine Kortisonsalbe und eine Liste mit verbotenen Lebensmitteln. Tolle Aussicht für ein Kind ohne Milchprodukte, Zucker, Weizenmehl und Schokolade.
    Dann ging ich zur Heilpraktikerin und mit Globuli und Schüßlersalzen hat mein Kind wieder eine fast normale Haut und kann dabei alles essen.
    Bei einem Säugling kann man ja wohl kaum vom Placebo-Effekt sprechen.
    Hat die Pharmaindustrie vielleicht den Artikel gesponsert? Denn die Pflanzenstoffe in Globuli könnte ich mir theoretisch auch selber in der Natur sammeln und herstellen, so wie es Naturvölker seit Jahrtausenden tun. Fertig aus der Apotheke ist’s halt bequemer.

  17. Für eine umfassende Diskussion der Homöopathie sollten auch die Nosoden mit einbezogen werden. Diese enthalten anscheinend den Erreger selbst, was das Immunsystem anregen soll (das nur so vom Hören-Sagen, ich habe nicht selbst recherchiert). Dieser Teil wäre schulmedizinisch nachweisbar – Impfstoffe basieren auf dem gleichen Grundprinzip.

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