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Was Erstlingseltern unbedingt wissen sollten

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Gefahr fürs BabyWer zum ersten Mal ein Kind bekommt, will natürlich alles richtig machen. Das ist gar nicht so schwer, wenn man seiner mütterlichen Intuition folgt. Es gibt allerdings ein paar Dinge, die durchaus häufig praktiziert werden, aber für Säuglinge sehr gefährlich oder schädlich sind und über die man unbedingt Bescheid wissen sollte. Dazu gehören Gehfreis und heiße Autos ebenso wie Nüsse, ätherische Öle, Luftballons und Honig. Eine Übersicht über die schlimmsten Sachen, die man falsch machen kann.

Eigentlich sagt es einem schon der gesunde Menschenverstand, dass man ein Baby nicht bei Hitze im Auto sitzen lassen sollte. Allerdings ist die Versuchung manchmal groß, es doch zu tun, vor allem wenn das Kind endlich eingeschlafen ist und man nur kurz was einkaufen will. Viele unterschätzen dabei, wie schnell die Temperatur in einem Auto lebensbedrohlich ansteigen kann. In den USA sterben jährlich etwa 40 Kinder in überhitzten Autos. Ein Wissenschaftler der University of Georgia hat die Hitzebildung im geschlossenen Auto näher untersucht. Der Forscher stellte für seine Versuche einen grauen Honda Civic mit grauen Sitzbezügen in die pralle Sonne. Bei Außentemperaturen von 35 Grad, wie wir sie in diesem Sommer auch in Deutschland haben, heizt sich ein Wagen innerhalb einer halben Stunde auf 51 Grad auf – nach einer Stunde sind es über 60 Grad – bei dunkleren Autos ist es sogar noch mehr.

Folgende Tabelle zeigt die Temperaturentwicklung:hitzetabelle-auto-temperaturen-hitze

Ab einer Körpertemperatur von über 42 Grad versagt der menschliche Organismus. Der Hitzetod tritt ein, weil die Organe nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden und Herz- und Kreislauf versagen. Da kleine Kinder eine relativ geringe Oberfläche im Vergleich zum Körpervolumen haben, können sie Wärme schlechter ausgleichen als Erwachsene. Im Auto können sie auch nicht richtig schwitzen, denn im Sitz und durch die Kleidung wird dies verhindert. Im Inneren eines Wagens fehlt auch die Luftbewegung – als Folge erhitzt der Körper drei Mal schneller als bei gleichen Temperaturen an der frischen Luft.

Gehfreis sind nicht nur unsinnig, sondern auch gefährlich

382344342_46c7a05813_zViele vertreten immer noch die Auffassung, mir hat der Gehfrei nicht geschadet, also schadet er auch meinen Kindern nicht. Nach Angaben des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte erleiden in Deutschland aber etwa 6000 Kinder pro Jahr einen Unfall, der auf das Konto von Gehfreis (auch Babywalker genannt) geht. Kopfverletzungen – von Schürfwunden bis zu Schädelbrüchen – sind dabei die häufigste Verletzungsart. Auch die Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder e.V.“ (BAG) sagt, dass Lauflernhilfen für Kleinkinder eine der häufigsten Unfallursachen im elterlichen Heim darstellen. Deshalb: Finger weg von diesem Gerät, dass nicht nur zu schweren Unfällen führen kann, sondern darüber hinaus auch keinerlei Nutzen für die motorische Entwicklung hat. Mehr Infos dazu in diesem Post.

Kein Honig im ersten Lebensjahr

Honig ist ein natürliches Lebensmittel, er hilft gut bei der Wundheilung und wirkt gegen Entzündungen. Für Kinder im ersten Lebensjahr kann er allerdings lebensgefährlich sein! Das liegt daran, dass gelegentlich das Bakterium Clostridium botulinum als Verunreinigung in Honig auftritt. Wenn das in den Säuglingskörper gelangt, dann kann das schwerwiegende Folgen haben. Das liegt daran, dass die Darmflora von Babys sich in den ersten zwölf Lebensmonaten noch in der Entwicklung befindet. Keime haben es somit leicht, sich anzusiedeln und eine schädliche Wirkung auszuüben. Im Falle von Clostridium botulinum kommt es dabei zur Produktion von Toxinen. Dieses Botulinumgift tritt über die Darmschleimhaut in den Blutkreislauf des Säuglings über, gelangt so an die Nervenenden und hemmt dort die Ausschüttung von Botenstoffen. Eine zunehmende Lähmung aller Muskeln ist die Folge. Neben dem Darmstillstand kann es zu Lähmungen der Schluck-, Augen-, Arm- und Beinmuskeln, zur Schwächung der Atemhilfsmuskulatur und sogar zum Tode des Säuglings kommen. In Akutfällen ist sofort eine intensivmedizinische Behandlung nötig.

Keine Gefahr geht dagegen von Honig aus, der in Fertigprodukten wie Brei oder Saft enthalten ist. Diese Nahrungsmittel wurden in der Regel auf hohe Temperaturen und unter Druck erhitzt, wobei mögliche Bakterien abgetötet werden.

Ätherische Öle können Atemstillstand auslösen

Ätherische Öle sind in vielen Präparaten enthalten, die Linderung bei Erkältungskrankheiten verschaffen sollen oder sie kommen als Badezusatz oder in Duftlampen zum Einsatz. Bei Kindern unter drei Jahren ist allerdings besondere Vorsicht geboten bei der Anwendung von Kampfer, Eukalyptus-, Thymian- und Pfefferminzöl (Menthol). Diese ätherischen Öle gelten als besonders problematisch. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt, dass schon kleinste Mengen (z.B. wenige Tropfen), die in Mund oder Nase geraten, bei Säuglingen und Kleinkindern zu lebensbedrohlichen Verkrampfungen des Kehlkopfs und zu Atemstillstand führen können. Weitere unerwünschte Wirkungen sind Haut- und Schleimhautreizungen, Erbrechen, Bewegungsstörungen oder sogar Krampfanfälle.

Säuglinge dürfen deshalb nicht mit Erkältungssalben eingerieben werden und man sollte ätherische Öle immer außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren. Das gilt für Öle und Präparate, die als Badezusätze, Inhalationsmittel oder zum Einreiben gedacht sind, und vor allem für Duftöle. Denn diese sind immer hochkonzentriert.

Erstickungsgefahr durch Nüsse und Luftballons 

Kinder unter vier Jahren sollten keine Nüsse, Mandeln oder Pistazien essen, denn sie können beim Knabbern leicht in die Atemwege gelangen und so akute Erstickungsgefahr auslösen. Darauf weist der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte hin. Jeder zweite Erstickungsunfall bei Kleinkindern wird nach Zahlen des Bundesinstituts für Risiko­bewertung von Nüssen verursacht! Besonders gefährlich sind Erdnüsse, deren Schale die Kinder leicht öffnen können.
Die Gefahr, dass sich das Kind verschluckt und die Nuss dabei in die Luftröhre oder in einen kleineren Bronchialast gelangt, ist groß. Denn Kinder können die harten Früchte noch nicht richtig beißen. Vor allem die Erdnuss  passt jedoch in der Größe zur kindlichen Luftröhre, sie kann deshalb, wenn das Kind sich verschluckt, sehr leicht in die Atemwege hineinrutschen und in die Lunge geraten.

Besonders tückisch ist, dass das Verschlucken der Nuss eventuell gar nicht bemerkt wird. Das Kind hustet oft nur kurz, zeigt aber anschließend kein besonderes Verhalten. Doch die Nuss kann in dem feuchten Milieu der Atemwege aufquellen, sich vergrößern und somit die Atmung behindern. Es ist möglich, dass dies sogar über mehrere Tage hinweg unbemerkt bleibt. Aber der Körper kann die Nuss nicht mehr selbstständig ausscheiden, der Fremdkörper muss operativ entfernt werden. Gemahlene Nüsse und Mandeln sind dagegen unbedenklich.

Auch Luftballons können zum Ersticken führen, was viele nicht wissen. Vor allem kleine Kinder sind gefährdet – sie beißen gerade in der oralen Phase häufig in die Luftballons, um deren Beschaffenheit zu erkunden. Dabei kann der Luftballon leicht platzen, das Kind erschrickt und atmet reflexartig ein – und das kann tödlich enden, wenn kleine Fetzen des geplatzten Ballons in die Luftröhre gelangen und sich wie eine Membran über den Eingang legen. Dann bekommt das Kind keine Luft mehr und erstickt. Zudem werden nach dem Zerplatzen des Ballons zurück bleibenden Gummi-Schnipsel, aber auch ganze, nicht-aufgeblasene Ballonhüllen von kleinen Kindern gerne in den Mund genommen – auch hier besteht Erstickungsgefahr. Deshalb schreibt die Spielzeugrichtlinie vor, dass Packungen den Warnhinweis tragen müssen, dass Kinder unter acht Jahren beim Spielen mit Luftballons zu beaufsichtigen sind und die Gefahr besteht, dass sie an geplatzten Ballons ersticken könnten.

Zu viel Wasser kann zur Vergiftung führen

Oft meinen es Eltern nur gut, wenn Sie ihren Babys an heißen Tagen zusätzlich zum Stillen oder zur Flaschenmilch Wasser anbieten. Zwar brauchen Babys an heißen Tagen mehr Flüssigkeit. Aber zumindest in den ersten sechs Monaten sollten sie kein reines Wasser trinken, vor allem dann nicht, wenn sie noch keine feste Nahrung bekommen. Häufigeres Stillen oder mehr Flaschenkost reichen aus, um den erhöhten Flüssigkeitsbedarf zu decken. Säuglinge sind besonders anfällig für Wasservergiftungen, weil ihre Nieren während des ersten Lebensjahrs noch unterentwickelt sind. Sie können größere Mengen Wasser nicht schnell genug verarbeiten und ausscheiden. Die Folge ist eine zu hohe Verdünnung des Salzes Natrium im Blut. Die betroffenen Babys werden zunächst lethargisch und wirken aufgedunsen. Bleibt das Ungleichgewicht zwischen Salz und Wasser bestehen, kommt es zu den schwereren Symptomen wie Bewusstlosigkeit oder Krampfanfällen.

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Um eine Wasservergiftung zu vermeiden, ist es auch wichtig, Flaschennahrung immer genau nach den Dosierungsvorschriften auf der Packung zuzubereiten und auf keinen Fall verdünnt mit zu viel Wasser. Das Missverhältnis von Elektrolyten zur Flüssigkeitsmenge kann sonst zu einer Wasservergiftung führen. Die Flüssigkeit sättigt den Säugling dann nämlich nicht ausreichend, weshalb er immer weiter trinkt.

Nicht lebensgefährlich, aber gesundheitsschädlich

Die bisher genannten Punkte können das Baby wirklich in große Gefahr bringen, die folgenden Sachen sind dagegen eher ungesund und sie ab und an zu praktizieren ist sicher kein Riesendrama. Eltern sollten aber wissen, dass die folgenden Verhaltensweisen nicht empfehlenswert sind.

Baby mit dem Gesicht nach vorne tragen

1193610149_d636270d76_zMan kann Tragetücher auch so binden, dass das Baby  nach vorne schaut und es sind auch Tragehilfen wie beispielsweise der Baby Björn auf dem Markt, die genau mit dieser Haltung werben.  Viele Eltern denken, die sei gut für ihr Kind, kann es so doch mehr von der Welt sehen. Kinderärzte und Trageexperten raten aber von solchen Tragehilfen, bei denen das Baby in Laufrichtung schaut, ab. Sie seien schädlich für die noch weichen Hüftgelenke des Babys, sagt Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Werde das Kind mit dem Rücken zum Tragenden transportiert, würden die Beine durch das Eigengewicht gestreckt. Und das sei dann nicht mehr gesund, sagte Hartmann, weil dadurch die Hüftgelenke geschädigt werden könnten. Außerdem kann es bei Jungs bei dieser Trageweise zu Hodenquetschungen kommen, bei Mädchen drückt das ganze Gewicht auf die Schamlippen.

Trageexpertin Evelin Kirkilionis verweist außerdem darauf, dass sich das Kind so nicht ankuscheln kann, der Blickkontakt mit dem tragenden Elternteil nicht mehr gegeben ist und es von unzähligen visuellen Reizen überflutet wird, von denen es sich nicht abwenden kann. Viele Babys werden dadurch unruhig und fangen an zu weinen. Eine mögliche Folge kann auch sein, dass das Kind schlecht einschläft oder schläft, weil es viele Reize nicht verarbeiten konnte, so Kirkilionis.

Ähnliches gilt für Kinderwagen, in denen sehr kleine Babys vom Schiebenden weg, also in Fahrtrichtung, schauen. Pädagogen sind der Überzeugung, dass Babys auch im zweiten Lebensjahr noch die “Rückversicherung” bei einer Vertrauensperson brauchen, wenn sie unterwegs sind. Diese erhalten sie durch Blickkontakt. Ist der nicht gegeben, dann sind Kinder leichter emotional gestresst. Und sie schlafen schlechter ein. Näheres könnt Ihr hier nachlesen.

Kinder nicht hinsetzen wenn sie noch nicht selbstständig sitzen können.

Damit ein Kind selbstständig sitzen kann, muss sich seine Brustwirbelsäule in die gestreckte Position entwickelt haben und die Bauch- und Rückmuskeln müssen ausreichend gestärkt sein. Diese Muskeln trainieren Babys in der Rücken- und Bauchlage. Bei 90 Prozent aller Kinder sind diese Voraussetzungen mit zehn Monaten erfüllt und sie können selbstständig sitzen. Erst dann sollten sie in den Fahrradsitz, ein Tragegestell oder den Kinderstuhl gesetzt werden.  Zuvor sollte man sie nicht in die Sitzposition bringen, auch nicht mit Kissen abgestützt.  „Wenn die Kinder hingesetzt werden, bevor Muskeln und Gelenke entsprechend ausgebildet sind, kann das sehr ungünstig für ihre Entwicklung sein“, erklärt die Krankengymnastik Heidrun Walter vom Deutschen Verband für Physiotherapie. Folgen können Wirbelsäulen-Fehlhaltungen, Sitzkyphose (Krümmung nach hinten) oder eine Skolliose (seitliche Verkrümmung) sein, denn wenn Babys zu früh hingesetzt werden, kommt es zu einer einseitigen Belastung der Wirbelsäule. „Ein gesundes Kind kann das zwar eine gewisse Zeit ausgleichen, doch bei längerer Dauer ist seine Muskulatur überfordert“ sagt Heidrun Walter.

Zudem haben Wissenschaftler herausgefunden dass Babys, die sehr oft in die sitzende Position gebracht wurden, obwohl sie dazu von selbst noch gar nicht in der Lage waren, häufig die Krabbelphase einfach überspringen. Das hört sich nicht weiter schlimm an, hat aber zur Folge, dass durch das fehlende Krabbeln die Über-Kreuz-Bewegungen nicht genug trainiert werden können, was wiederum zu späteren Motorikproblemen führen kann.

Babys länger in der Babyschale transportieren

Die Babyschale ist zwar die sicherste Methode, um ein Kind im Auto zu transportieren, sie sollte allerdings mit Einschränkungen verwendet werden, da das Baby darin gekrümmt sitzt und diese Position zur Verkrümmung der Wirbelsäule führen kann. Wenn das Baby in der Babyschale sitzt, fällt vor allem im Schlaf oft der schwere Kopf zur Seite und daher wird die Wirbelsäule ungleichmäßig belastet. Das Gewicht des Kindes drückt außerdem nicht auf den ganzen Rumpf, sondern auf die Lendenwirbel. Die Sitzhaltung, die Babys in der Schale haben, stört das harmonische Muskelspiel der Hals-, Rumpf-, Hüft- und Beinmuskulatur.

Deshalb sollte man das Kind nur für möglichst kurze Zeit in die Babyschale setzen. Kinderärzte raten, die Kleinen über einen Zeitraum von maximal 40 Minuten in der Babyschale zu transportieren und bei längeren Autofahrten regelmäßige Pausen einzulegen. Bei den Fahrtunterbrechungen sollte sich das Kind mindestens eine Viertelstunde lang frei bewegen können. Zwar lassen sich viele Babyschalen auf Kinderwagengestellen befestigen, aber wenn man länger dauernde Einkäufe macht, dann ist es anfangs besser, das Kind aus der Babyschale herauszunehmen und in den Kinderwagen oder in das Tragetuch zu legen.

 

 

Fotos: v.o.n.u. Flickr/Beth unter CC BY 2.0 , Flickr/Bob Deng unter CC BY-SA 2.0, Flickr/Jill Shih unter CC BY-ND 2.0

9 Kommentare

  1. Boas, sachen gibts. Einige Dinge wusste ich, aber vieles war mir bisher auch völlig unbekannt. Ich dachte auch immer, das Kinder mehr von der Welt erleben, wenn sie nach vor Blicken können.

  2. Soweit zur Theorie. Unsere Tochter hat mit ihren 3-4 Monaten aber gar keine Lust immer zum Körper zu schauen. Sie fordert das nach vorne getragen werden nahezu ein. Sie auch ab und zu in eine Sitzposition zu bringen oder nach vorne zu tragen, halte ich für unproblematisch. Leider sind es immer wieder solche Artikel, die zwar gut gemeint sind, aber junge Eltern total verunsichern. Ich muss mich jetzt schon wieder als schlechter Vater fühlen, wenn ich meine Tochter nach vorne gerichtet trage. Mach ich aber nicht.

  3. Hallo.. mir haben dies Tipps gut geholfen… bin seid 5 Tage frisch gebackener Papi und auf Seiten wie diese und Tipp s angewiesen… Danke..

  4. XD Alkohol mit dem ab und zu nach vorne tragen zu vergleichen is ja lächerlich. Mein Sohn ist 12 Wochen und will auch oft sehen was vor ihm passiert, ich trage ihn dann auch nach vorne bzw er liegt auf dem Schoß. Ich achte einfach darauf das er nicht aufrecht sitzt sondern das Gewicht sich auf den ganzen Rücken verteilt, ähnlich wie in einer Hängematte.

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