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Sechs Tipps für eine Traumgeburt im Krankenhaus

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Neugeborenes in den Armen der Mutter im Kreißsaal

Hebammenmangel, Kaiserschnitte, die für Krankenhäuser leider sehr viel lukrativer sind als natürliche Geburten, und überfüllte Kreißsäle: Wer sein Kind im Krankenhaus auf die Welt bringt, der läuft Gefahr, dass die Geburt nicht ohne Interventionen abläuft und all zu oft ohne Not im Kaiserschnitt endet. Das muss nicht sein. Wer gut vorbereitet in den Kreißsaal geht und weiß, was er will und was nicht, der hat bessere Chancen auch im Krankenhaus eine natürliche, selbstbestimmt Geburt zu erleben. Sechs Tipps.

Ich habe meine beiden Kinder im Krankenhaus geboren, beides waren natürliche Geburten. Bei meinem Sohn allerdings wurde ich ohne Not viel zu früh an den Wehentropf angeschlossen, die Fruchtblase wurde gesprengt und schließlich wurde eine PDA notwendig. Dennoch endete die Geburt glücklich, aber im Nachhinein denke ich, dass es auch ohne PDA gegangen wäre. Das Geburtserlebnis hätte noch viel schöner sein können, wenn nicht unnötigerweise zu früh in das natürliche Geschehen eingegriffen worden wäre.

Meine Tochter brachte ich im selben Krankenhaus zur Welt – in der Geburtswanne, ohne jegliche Eingriffe. Ich wurde nicht entbunden, ich habe meine Tochter aus eigener Kraft auf die Welt gebracht. Ich nahm sie sogar selbst hoch und die Geburt war ehrlich gesagt für mich perfekt. Sie hätte nicht schöner sein können.




Ich hatte mich beim zweiten Kind ganz anders auf die Geburt vorbereitet als beim ersten. Und ich bin sicher, das war mit ausschlaggebend dafür, dass die Geburt so war wie eine Geburt im Geburtshaus oder sogar zu Hause. Deshalb möchte ich euch gerne ein paar Tipps mit auf den Weg geben, damit die Wahrscheinlichkeit steigt, dass auch ihr eine Traumgeburt im Krankenhaus erlebt. Denn eine Geburt im Geburtshaus oder zu Hause ist angesichts des eklatanten Hebammenmangels für viele schlicht nicht möglich. Und den meisten ist das Risiko auch zu groß, falls medizinische Hilfe unter der Geburt notwendig werden sollte.

1. Lies die richtigen Bücher

Lies das Buch Hypnobirthing* von Marie F. Mongan. Es liest sich zwar stellenweise wie ein Werbeprospekt für die ziemlich teuren Hypnobirthing-Geburtsvorbereitungskurse, aber es hat meinen Blick auf die Geburt total verändert. Das Buch macht klar, dass Geburten nicht furchtbar schmerzhaft sein müssen, dass der weibliche Körper dazu gemacht ist zu gebären und dass es hilfreich ist, mit positiven Gedanken der Geburt entgegen zu sehen.

Auch absolut empfehlenswert ist das Buch „Die selbstbestimmte Geburt – Handbuch für werdende Eltern“* von Ina May Gaskin. Die amerikanische Hebamme ist eine Pionierin der natürlichen Geburt und hat über 2.000 Schwangerschaften in einem Geburtshaus betreut. Ihr Buch, das zahlreiche Berichte von Geburten ohne viele medizinische Interventionen enthält, ist eine echte Ermutigung für jede Schwangere. Es schenkt Vertrauen in den eigenen Körper und stärkt Schwangere, selbstbestimmt und selbstbewusst in die Geburt zu gehen. Nach der Lektüre hätte ich mir sogar eine Hausgeburt vorstellen können – etwas, was ich vor dem ersten Kind kategorisch ausgeschlossen hätte.

2. Such dir das richtige Krankenhaus

Such dir ein Krankenhaus mit hebammengeführten Kreißsälen und einer möglichst niedrigen Kaiserschnittquote. Die Kaiserschnittrate lag 2015 in Deutschland bei 31,1 Prozent. Medizinisch notwendig ist laut WHO eine Quote von bis zu zehn Prozent.  Die Kaiserschnittrate ist je nach Bundesland ziemlich unterschiedlich, die einzelnen Zahlen – an denen ihr eure Geburtsklinik messen solltet – findet ihr hier. Das nächste Krankenhaus ist nicht immer die beste Wahl – gerade die erste Geburt dauert oft so lange, dass es gar kein Problem ist, wenn der Anfahrtsweg ein bisschen weiter ist. Zu meiner Geburtsklinik mussten wir beispielsweise eine halbe Stunde fahren.

3. Schreib einen Geburtsplan

Er hilft dabei, sich darüber klar zu werden, was einem unter der Geburt wichtig ist und was man auf keinen Fall möchte. Dazu ist es nämlich nötig, einige Punkte zu recherchieren, um sich eine Meinung dazu zu bilden. Ein Geburtsplan stellt sicher, dass das Personal im Krankenhaus weiß, wie man sich die Geburt vorstellt und was man will und was nicht. Er ist unter der Geburt eine Entlastung, denn dank Geburtsplan muss man keine zusätzliche Energie aufwenden, um dem Personal seine Wünsche mitzuteilen, vor allem auch wenn unter der Geburt ein Schichtwechsel ansteht. Er hilft auch eurem Geburtsbegleiter, der sich in der Regel nicht so intensiv mit Themen rund um die Geburt auseinandergesetzt hat, eure Interessen gegenüber dem Krankenhauspersonal zu vertreten. Und außerdem zeigt man dem Krankenhauspersonal mit einem Geburtsplan, dass man gut informiert, gut vorbereitet und selbstbewusst ist und sich nicht so einfach die Kontrolle über die Geburt aus der Hand nehmen lässt.

Man kann seinen Geburtsplan bereits bei der Anmeldung zur Geburt im Krankenhaus abgeben oder mit zur Geburt nehmen und dort dem Personal überreichen. Wie so ein Geburtsplan aussehen kann, lest ihr hier.

4. Keine Einleitung ohne medizinische Notwendigkeit

Lass die Geburt nicht ohne medizinische Notwendigkeit einleiten! Wenn der errechnete Geburtstermin verstrichen ist, dann drängen Frauenärzte und Kliniken oft vorschnell auf eine Einleitung. Dazu sollte man wissen, dass die natürliche Schwangerschaftsdauer keineswegs bei allen Frauen genau 266 Tage beträgt.  Eine Studie ergab, dass sie zwischen 208 Tagen (29 Wochen und 5 Tage) und 281 Tagen (40 Wochen und 4 Tage) liegt. Dazu kommt, dass der Termin häufig falsch berechnet wird. Es wird allerdings all zu oft schon eine Woche nach dem errechneten Termin zu einer Einleitung geraten.

Es ist gut, dazu die aktuelle Leitlinie „Vorgehen bei Terminüberschreitung und Übertragung“ vom Februar 2014 (gültig bis März 2019) zu kennen. An der müssen sich Geburtskliniken orientieren. Dort wird von den Experten empfohlen ab  41+0 SSW eine Geburtseinleitung anzubieten, spätestens ab 41+3 SSW zu empfehlen. Dort steht aber auch: „Für den Fall, dass sich die Schwangere nach Aufklärung und Beratung für ein Zuwarten bis 41+6 SSW entscheidet, kann bei fehlenden Risiken und normaler Fruchtwassermenge unter 2-tägigen Kontrollen bis 41+6 SSW zugewartet werden.“




Eingeleitete Wehen sind oft sehr viel stärker als natürliche Wehen und die Wahrscheinlichkeit, dass eine eingeleitete Geburt in einem Kaiserschnitt endet, ist höher als wenn alles seinen natürlichen Gang geht.

Meine Kinder kamen beide nach dem errechneten Termin – aber gerade noch rechtzeitig, dass ich um eine Einleitung herum kam. Aber bei meiner Tochter nur, weil ich ganz klar gesagt habe, dass ich noch keine Einleitung will. Die Fruchtwassermenge war noch völlig okay, mir und dem Kind ging es gut und es gab keine zusätzlichen Risiken.

5. Gib dich nicht an der Kreißsaaltür ab

Es ist leider ziemlich naiv zu glauben, die Ärzte und Hebammen wüssten schon, was das beste für dich und dein Kind ist. Das Krankenhauspersonal unterliegt im Krankenhausalltag leider zahlreichen Zwängen. Viele Eingriffe werden schlicht deshalb vorgenommen, um Geburten zu beschleunigen. Personaleinsparungen und Kostendruck machen es in vielen Krankenhäusern nötig, möglichst viele Gebärende in kurzer Zeit durchzuschleusen. Das Abrechnungssystem ist leider so gestaltet, dass eine ganz normale, interventionsfreie Geburt für die Klinik finanziell ein Zuschussgeschäft ist. Eingriffe bringen mehr Geld, deshalb werden sie häufig durchgeführt, auch wenn sie medizinisch nicht unbedingt notwendig sind. Und häufig zieht ein Eingriff in das natürliche Geburtsgeschehen weitere Interventionen nach sich – und am Ende steht im schlechtesten Fall dann der ungewollte Kaiserschnitt. Dazu kommt, dass insbesondere Ärzte aufgrund von Haftungsrisiken oft dazu neigen, keinerlei Risiko einzugehen.




Es ist allerdings wichtig zu wissen, dass du letztendlich zu jeder Intervention deine Zustimmung geben musst. Wenn also die Hebamme oder der Arzt einen Eingriff vorschlagen, dann lass dir ganz genau erklären, warum der medizinisch notwendig ist. Und frage nach Alternativen. Oft gibt es welche. Wer sich vorher gut informiert hat (weil er einen Geburtsplan geschrieben hat), der kann informiert entscheiden. Auch sollte man sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen – eine Geburt kann – gerade beim ersten Kind – nun mal sehr lange dauern. Das ist eher für die Klinik ein Problem (weil du den Kreißsaal so lange belegst) als für dich.

6. Überlege gut, ob du eine PDA willst

Sei Dir bewusst, dass eine PDA zwar den Schmerz nimmt, aber den Geburtsverlauf ungünstig beeinflussen kann. Bessere Alternativen sind vielleicht die Geburtswanne oder auch Lachgas, das seit 2008 in Deutschland in immer mehr Geburtskliniken angeboten wird. Dass eine Lachgas-Sauerstoff-Mischung den Wehenschmerz wirksam lindert, wurde vom Cochrane Review belegt.

Wer all diese Tipps beherzigt, steigert seine Chance auf eine natürliche Geburt im Krankenhaus – denn allen Unkenrufen zum Trotz: Die ist durchaus möglich.

Foto: Flickr/Mike & Kala Larsen unter CC BY-NC-ND 2.0

 

4 Kommentare

  1. Schöner Artikel, ich fand die beiden empfohlenen Bücher bei der Geburt meines Sohnes als sehr hilfreich. Ich finde einen Geburtsplan einerseits schön, andererseits aber auch gefährlich: Je detaillierter die Vorstellungen sind, desto größer ist die Enttäuschung, wenn es dann nicht so klappt. Und gerade bei der ersten Geburt kann man vieles nicht vorhersehen und einschätzen. Daher würde ich sagen: Wissen was man will, sich aber auch auf die Situation einlassen und nicht stur auf allem beharren.
    Zum Thema Einleitung: Bei mir wurde eingeleitet, die Geburt war aber trotzdem unproblematisch und ohne PDA. In unserem Krankenhaus wurde nur gesagt, dass man ab 40+7 in der Regel einleitet, es ist aber unsere Entscheidung, ob wir das wollen. Ob ich es bei einer zweiten Geburt nochmal machen würde, weiß ich nicht, aber die Frustration war bei uns zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich hoch, daher haben wir uns dafür entschieden. Lange Rede kurzer Sinn: Nicht jede Einleitung ist dramatisch, trotzdem die Ruhe bewahren und nicht vor lauter Ängsten in Dinge hineinsteigern.

  2. Bin ich froh, dass ich in einem tollen Krankenhaus mit einer tollen Hebamme und Ärztin entbunden habe. Lachgas war bei mir auch die erste Wahl, jedoch habe ich es nicht vertragen und eine PDA bekommen(war ein Sternengucker). Der Geburtsverlauf war auch normal – 14 Stunden seit der ersten Wehe.
    Außerdem habe ich bei 41+4 entbunden. Mir wurde nie zu einer Einleitung geraten, sondern es wurde mit Tape und Eihautabpellung versucht natürlich einzuleiten.

  3. Ein toller Post, vielen Dank!
    Ich wünschte, ich hätte ihn vor meiner Geburt entdeckt…

    Liebe Grüße
    Natalie

  4. Danke für diesen tollen Post! Meine Tochter habe ich auch im Krankenhaus auf natürlichem Weg geboren, aber im Nachhinein fallen mir immer mehr Sachen auf, die mir missfallen.
    Das Gefühl, „durchgeschleust“ zu werden, hatte ich auch einige Male: alleine, als die Hebamme im Nachtdienst ungehalten reagierte, weil ich mit dem Zuganglegen warten wollte, bis mein Mann, der kurz raus war, wieder da ist – ei, das passte gar nicht in ihre Zeitplanung…
    Die Geburt war nicht total schrecklich, aber ich weiß jetzt, was ich bei einer eventuellen weiteren Geburt will – und vor allem, was nicht!

    Liebe Grüße,
    Annabel

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