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Wie lange dauert eine Schwangerschaft – eine Frage mit wichtigen Konsequenzen

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SchwangerschaftsdauerJede Schwangere fiebert auf einen ganz bestimmten Tag hin – den vorausberechneten Entbindungstermin. Der ist zwar in rechtlicher Hinsicht wichtig, aber nur etwa vier Prozent aller Babys kommen am errechneten Termin auf die Welt. Und Forscher haben herausgefunden, dass nicht jede Schwangerschaft  gleich lange dauert – das hat Konsequenzen, vor allem was die Möglichkeit eines natürlichen Geburtsverlaufes betrifft.

Die meisten Menschen denken, dass eine Schwangerschaft neun Monate dauert, aber das ist nicht ganz richtig. Von der Konzeption, also der Vereinigung von Ei und Samenzellle, bis zur Geburt dauert eine Schwangerschaft beim Menschen durchschnittlich  266 Tage, also 38 Wochen beziehungsweise 9,5 Mondmonate à 28 Tage.

Jetzt wundern sich wahrscheinlich einige, die schwanger sind oder schon ein Kind bekommen haben, denn sie zähl(t)en die Wochen – und zwar 40. Das liegt daran, dass man meist ab dem ersten Tag der letzten Regel, also dem Zyklusbeginn, rechnet und nicht nach dem Tag der Empfängnis – obwohl man da natürlich noch nicht schwanger ist. Da der Eisprung meist zwei Wochen nach dem ersten Tag der letzten Regel passiert, kommt man so auf 38 + 2 also 40 Wochen.

Methoden zur Berechnung des Geburtstermins

Zur Berechnung wird von Frauenärzten die so genannte Nägele-Regel benutzt.  Die stammt aus dem Jahr 1812 und geht so: „Erster Tag der letzten Monatsblutung minus 3 Monate plus 7 Tage plus 1 Jahr“ gleich errechneter Entbindungstermin. Zudem gibt es noch die erweiterte Nägele-Regel, die angewendet wird, wenn die durchschnittliche Zykluslänge nicht 28 Tage beträgt. Dann wird die Abweichung von der 28-tägigen Zykluslänge addiert bzw. subtrahiert. Da allerdings nicht alle Monate gleichlang sind (Februar!) kommt es zu Ungenauigkeiten.

Eine weitere Methode zur Berechnung des Geburtstermins ist die Konzeptionsmethode, die kann angewandt werden, wenn der Termin der Empfängnis bekannt ist. Dann nimmt man den Tag der Empfängnis (also wann man Sex hatte) minus 3 Monate minus 7 Tage plus 1 Jahr.

Um festzustellen, in der wievielten Schwangerschaftswoche eine Frau ist, wird häufig auch eine Ultraschall-Untersuchung gemacht. Dabei wird die Scheitel-Steiß-Länge (SSL) des Embryos gemessen und mit statistischen Daten abgeglichen. Diese Messung bis zum Ende der 12. Woche gilt als genaueste Methode, um das Schwangerschaftsalter festzustellen. Allerdings kommen selbst nach dieser Berechnungsmethode nur 70 Prozent der Kinder zehn Tage rund um den errechneten Termin zur Welt.

Die Dauer normaler Schwangerschaften variiert stark

Sehr viele Schwangerschaften weichen nämlich von den durchschnittlichen 266 Tagen ab. In einer Studie vom National Institute of Environmental Health Science in Durham/North Carolina, die 2013 veröffentlicht wurde, heißt es, dass sich die  Zeitspanne zwischen Empfängnis und Geburt bei ganz normalen Schwangerschaftsverläufen individuell um bis zu fünf Wochen unterscheiden kann. Daher sei es derzeit nicht möglich, im Einzelfall den exakten Termin der natürlichen Geburt vorherzusagen, schreiben die Forscher im Fachblatt „Human Reproduction“. Weitere Forschungen seien nötig, um Ärzten bei ihrer Entscheidung zu helfen, eine Geburt künstlich einzuleiten oder nicht.

Die Mediziner konnten durch Hormonmessungen in täglichen Urinproben feststellen, wann genau der Eisprung und die Einnistung stattfanden. Die Bandbreite der Schwangerschaftsdauer reichte von 208 Tagen (29 Wochen und 5 Tage) bis zu 281 Tagen (40 Wochen und 4 Tage), wobei sechs Schwangere wegen einer offensichtlichen Frühgeburt und vier wegen einer Übertragung aus der Berechnung herausgenommen wurden. Aber auch dann variierten die gemessenen Schwangerschaftszeiten um bis zu 37 Tage.

Wovon hängt die Schwangerschaftsdauer ab?

Die Forscher versuchten auch herauszufinden, von welchen Faktoren die Schwangerschaftsdauer abhängig ist. Sie stellten fest, dass die Schwangerschaft am längsten bei jenen Embryonen dauerte, denen es erst spät gelang, sich in der Gebärmutterschleimhaut einzunisten. Wenn es in der Schwangerschaft erst spät zu einem Anstieg des Progesteronspiegels kam, war die Schwangerschaft dagegen verkürzt. Offenbar spielen Vorgänge in den ersten zwei Wochen nach Eisprung und Befruchtung eine wichtige Rolle für die Gesamtdauer der Schwangerschaft, so die Forscher.

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Auch das Alter der Schwangeren beeinflusste die Schwangerschaftsdauer: Pro Lebensjahr dauerte sie ungefähr einen Tag länger. Das Gewicht der Schwangeren bei ihrer eigenen Geburt war ebenfalls ein Einflussfaktor: Pro 100 Gramm mehr bei der Geburt dauert die Schwangerschaft einen Tag länger, wobei die Körpergröße keine Rolle spielte. Frauen, die zuvor schon einmal überdurchschnittlich lange schwanger waren, entbanden auch das zweite Mal erst nach dem berechneten Termin.

Das Problem mit dem errechneten Termin

Daraus folgt, dass keine Frau davon ausgehen sollte, dass ihr Kind auch wirklich am errechneten Termin auf die Welt kommt. Vielmehr sollte man damit rechnen, dass das Kind  in der Zeit drei Wochen vor dem errechneten Termin bis zwei Wochen danach geboren wird.

Die Berechnung, die mit der Realität nicht viel zu tun hat, ist allerdings entscheidend für den Arbeitgeber im Rahmen des Mutterschutzes und für die Frage, wann bei einer drohenden Frühgeburt bzw. nach dem Verstreichen des errechneten Geburtstermins eingegriffen werden soll. Mehr als 40 Prozent aller Schwangeren gebären nach dem errechneten Geburtstermin – das ist insofern von Bedeutung, da häufig schon eine Woche nach dem berechneten Termin zu einer Einleitung geraten wird. Und wenn man weiß, wie sehr die natürliche Schwangerschaftsdauer variiert, dann sind sicher etliche Einleitungen – die ja den natürlichen Geburtsvorgang beeinflussen – überflüssig.

Die Autoren der aktuellen Leitlinie „Vorgehen bei Terminüberschreitung und Übertragung“ vom Februar 2014 (gültig bis 2017) empfehlen ab  41+0 SSW eine Geburtseinleitung anzubieten, spätestens ab 41+3 SSW zu empfehlen. Für den Fall, dass sich die Schwangere nach Aufklärung und Beratung für ein Zuwarten bis 41+6 SSW entscheidet, kann bei fehlenden Risiken und normaler Fruchtwassermenge unter 2-tägigen Kontrollen bis 41+6 SSW zugewartet werden.

Wenn der Geburtstermin falsch berechnet wurde, kann das aber noch ganz andere Konsequenzen haben. Eine Freundin von mir hat eine Nackenfaltenmessung machen lassen. Die Messung der Nackentransparenz kann zwischen 11+0 und 13+6 Schwangerschaftswochen vorgenommen werden bzw. bis zu einer Scheitel-Steiß-Länge des Kindes von max. 84 Millimetern; die besten Ergebnisse werden erzielt, wenn die Untersuchung mit 12 Schwangerschaftswochen durchgeführt wird. Bei der Freundin ergab die Nackenfaltenmessung einen sehr auffälligen Befund, ihr wurde gesagt, die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind einen Chromosomendefekt hat, liege bei 1:8.

Es stellte sich dann aber später heraus, dass die Schwangerschaft falsch berechnet worden war und die Messung zur falschen Zeit durchgeführt wurde und nur deshalb eine Auffälligkeit ergab. Der Freundin war aufgefallen, dass nach der Berechnung ihrer Frauenärztin die Befruchtung zu einem Zeitpunkt hätte stattfinden müssen, an dem sie von ihrem Mann räumlich getrennt war und gar keinen Sex hatte. Das Baby wurde übrigens kerngesund geboren.

 Foto: Mamaclever/Susanne Elfert

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