Mamaclever

Das Magazin rund ums (erste) Kind

Baby im Buggy: Nach vorne schauen macht einsam und schlaflos

| 21 Kommentare

Kinderwagen BlickrichtungViele Babys im Kinderwagen beziehungsweise Buggy schauen von der schiebenden Person weg. Wissenschaftler halten das für einen Fehler. Die Kleinen haben so Stress, kommunizieren weniger mit ihren Eltern und schlafen auch schlechter ein. Deshalb sollten gerade die Jüngsten im Buggy möglichst zu den Eltern schauen.

Rund zwei Stunden verbringen Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und zweieinhalb Jahren täglich in ihren Buggys. Eine Studie der Universität Dundee zeigte 2008, dass zumindest in Großbritannien 62 Prozent der Kinder „falsch herum“ im Wagen sitzen – sie schauen nach vorne anstatt zur schiebenden Person. Viele Eltern glauben, das sei besser für den Nachwuchs, der so viel mehr sehen kann. Sie wollen ihm etwas bieten, Erlebnisse und Anregungen, damit er etwas lernt. Allerdings ist das Gegenteil der Fall, vor allem bei Kindern unter zwei Jahren. Die Aussicht nach vorne kann ziemlich beängstigend sein, wie ein Film zeigt, den der britische Literacy Trust gedreht und veröffentlicht hat.

Norland College buggy ride from National Literacy Trust on Vimeo.

Da entern Autos knatternd das Blickfeld, da fährt man scheinbar ungeschützt auf Hindernisse zu, um im letzten Moment noch die Kurve zu kriegen, da bauen sich wildfremde Menschen und Hunde ganz plötzlich riesenhaft vor einem auf. Wo sind Mama und Papa? Vermutlich am anderen Ende des Wagens, zu sehen sind sie allerdings nicht. Vielleicht schiebt da auch schon längst  ein anderer.

Emotionaler Stress, weniger Schlaf

Pädagogen sind der Überzeugung, dass Babys auch im zweiten Lebensjahr noch die „Rückversicherung“ bei einer Vertrauensperson brauchen, wenn sie unterwegs sind. Diese erhalten sie durch Blickkontakt. Ist der nicht gegeben, dann sind Kinder leichter emotional gestresst. Und sie schlafen schlechter ein. Die Studie zeigte, dass 52 Prozent der Kinder mit Blickrichtung zu ihren Eltern im Kinderwagen schlafen, wohingegen nur 27 Prozent der Kinder mit Blick in Fahrtrichtung diese Ruhe finden. „Dieses Resultat zeigt augenscheinlich, dass man eher dazu neigt einzuschlafen, wenn man sich sicher, geboren und entspannt fühlt“, sagt die Entwicklungspsychologin Suzanne Zeedyk, die die Studie durchgeführt hat.

Zeedyk stellte auch fest, dass die Kommunikation zwischen Eltern und Kind leidet, wenn das Kleine mit Blick in Fahrtrichtung transportiert wird. „Eltern sprechen doppelt so viel mit ihren Kindern, wenn sie den Kinderwagen zu sich drehen.“ Außerdem lachten sowohl die Eltern als auch die Kinder nachweislich mehr, wenn sie sich unterwegs ansehen konnten. Die soziale Interaktion ist in den ersten Lebensjahren sehr wichtig für die Entwicklung des Gehirns. „Wenn Kleinkinder einen Großteil ihrer ersten Lebensmonate in einem Kinderwagen verbringen, der die Möglichkeit verringert, mit ihren Eltern zu kommunizieren, dann kann das ihre Entwicklung negativ beeinflussen“, so Suzanne Zeedyk.

Dreht die Kinder um!

Die Stiftungsinitiative „für Kinder“ hat die Studienergebnisse zum Anlass genommen, um mit der Aktion „Ich seh` Dich – und das macht mir Mut!“ Eltern darauf hinzuweisen, dass sie ihre Kinder lieber mit dem Gesicht zum Schiebenden herumfahren sollten. Sie hat auch einen Offenen Brief an die Buggy-Hersteller verfasst, der von mehr als 50 bekannten Medizinern, Pädagogen, Psychologen, Journalisten, Kinder- und Familientherapeuten, Buch-Autoren und Schauspielern als Erstunterzeichner unterstützt wird.  Das Problem ist nämlich, dass in den vergangenen Jahren anders als früher immer häufiger Buggys und Kinderwagen produziert wurden, in denen – sogar ganz kleine – Kinder nach vorne schauen.

 

 

 

 

 

 

Es gibt aber durchaus Modelle, bei denen man die Kinder wahlweise nach vorne oder hinten schauen lassen kann. Das ist vor allem bei Kinderwagen mit Schwenkschieber der Fall. Andere haben Sitze, die man umdrehen kann.  Als Beispiel seien hier der Quinny zapp Xtra, Quinny Xtra Buzz, Bugaboo Cameleon, Bugaboo Bee, Njoy Up, der Mirus Teal von Joie Children, der  Hartan VIP oder Hartan Lite, der Stokke Xplory, Britax Römer Buggy B-SMART 4, Chicco Buggy For Me, Peg Perego pilko Switch, Herlag Trento, Maxi Cosi Mura 4, Concord Neo und der Recaro Akuna genannt. Habt Ihr noch andere Tipps für Wagen, bei denen man die Blickrichtung ändern kann? Dann hinterlasst gerne einen Kommentar.

Foto: What are you waiting for von Felix Huth/Flickr.com unter CC BY 2.0 

21 Kommentare

  1. Wir hatten offensichtlich Glück und konnten im secondhand noch ein Teutonia-Modell aus den Vorjahren mit diesem Schwenkschieber ergattern. Daher können wir auch den Buggy nach unseren Wünschen (zum Schieber hin) ausrichten. Die aktuellen Modelle von Teutonia scheinen diese Möglichkeit wohl nicht zu bieten.

  2. Bei den meisten Kombikinderwagen kann man die Kinder entgegen der Fahrtrichtung schieben. Als buggy würde ich noch den bugaboo bee(+) erwähnen!

  3. Hallo Lilli,
    vielen Dank für die Ergänzung!

  4. Kopf nach unten im Buggy wäre auch toll. Die Kinder fühlen sich dann wie im Mutterleib…

  5. Bei allen Teutonia Kinderwagen kann mal den Sportsitz zu beiden Fahrtrichtungen umsetzten(nur bei dem alten Buggy´s Swing,Toni und Solano und bei dem Fun CS ging das nicht und dann ganz alte wie Rocky und Timmy)

  6. Emmaljunga, da kann man, fast bei allen Modellen, die Sitzeinheit auch in beide Richtungen aufsetzen oder man hat das Model mit Schwenkschieber.

  7. Danke für den tollen Artikel und die hilfreichen Querverweise!

    Wir haben den Peg Perego Book Plus und auch hier lässt sich der Ausatz in beide Richtingen anbringen.

  8. Wir haben uns für den Mutsy Evo entschieden, weil man da den Sportsitz in beide Richtungen einsetzen kann.

    Unsere Tochter wird bald zwei und wird (wenn sie tatsächlich mal im Kiwa sitzt und nicht im Tragetuch) zu 95% entgegen der Fahrtrichtung geschoben. Die anderen 5% ergeben sich aus Sparziergängen in der Natur, wo wir ihr manchmal die „freie“ Sicht ermöglichen und wir der Meinung sind, dass es weder beängstigend ist noch eine Reizüberflutung darstellt.

  9. Wir haben den Eichhorn-Kinderwagen. Der Sportaufsatz lässt sich hier auch ganz einfach in beide Richtungen einsetzen.

  10. Ein toller Bericht und durch das Video sehr anschaulich.
    Ich habe Zwillinge und es gibt nur einen einzigen Kinderwagen, bei dem die Kinder rückwärts gerichtet, mit Blick zu den Eltern, fahren können. (Bugaboo Donkey). Bei keinem anderen Zwillingwagen ist das möglich, dabei wäre es doch gerade bei Zwillingen, die Ihre Mutter immer teilen müssen, so wichtig, den Blickkontakt zu haben. Echte schade, dass die Industrie da in die falsche Richtung rennt…

  11. Beim Teutonia Team Cosmo ist das auch möglich. Aber es stimmt, gerade bei Zwillingswagen sehr schade, dass es keine große Auswahl gibt. Ich schaue meinen Zwillingen gerne zu, wie sie im Wagen miteinander plappern, spielen und sich manchmal gegenseitig ärgern.

  12. Auch bei den Naturkind-Kinderwagen kann man den Sitz drehen und das Kind so anschauen 🙂

  13. Eigentlich totaler Quatsch…! 1. Gucken Kinder nicht nur steif nach vorne, wie diese Kamera es simuliert hat, sie gucken in ALLE Richtungen, auch nach oben, wo es im Idealfall die Mama sehen kann, die den Wagen schiebt. 2. Kann ein emotional gefestigtes Kind es sehr wohl gut aushalten. Man kann auch ein Spiel draus machen. 3. Kann man genausogut mit dem Kind sprechen wie sonst, sich mal zu ihm runterbeugen, o.ä. Tut man dies nicht, ist man selbst Schuld. 4. Scheint mir das nur wieder eine Werbung für die ganzen überteuerten „Marken“-Wagen zu sein, die man nicht braucht.

    Mädels, gebt euren Kindern genug Rückhalt, dann schaffen sie es auch mal, euch eine halbe Stunde nicht zu sehen…!

  14. Meine Tochter ist sehr sicher gebunden und hat großes Urvertrauen. Und dennoch hasst sie es vorwärts zu fahren, ist doch auch purer Stress, besonders in der Großstadt! Ich finde es außerdem sehr wichtig, direkt mit ihr kommunizieren zu können, besonders wenn ich sie aus der Kita abhole. Sie erzählt mir dann 30 Minuten lang brabbelnd wie ihr Tag war, und das ist auch wichtig für sie, um den Tag zu verarbeiten. Immer diese Leute, die sich zwanghaft an alten, überholten Sichtweisen festklammern….. Da fehlt wohl etwas „Rückhalt“ 😉

  15. Ist es nicht eher kind- bzw situationsabhängig? Der eine mag Neues und ist sicherer als der andere. Auch wo ich fahre – wir leben auf dem Land. Da rauschen nicht ständig Autos und Menschen vorbei. Kommt ein Trekker, wird das eben erklärt. Manchmal bekommt man den Eindruck, es gibt Studien über alles. Heute ist ein Kind ja auch sofort ADHS krank. Früher halt einfach lebhaft. Hauen sie sich die Schippe drüber, muss es ausdiskutiert werden. Und wenn sie dann in der fünften mal raufen, zum Psychologen. Man kann alles übertreiben und ausstudieren bis man fünf verschiedene Ergebnisse hat. Aufs eigene Kind und das Bauchgefühl achten und gut ist. Wenn das Kind an der Hand oder gar alleine mit unter zwei Jahren läuft erlebt es auch Reize und platzt nicht. Wenn es dem eigenen Kind gut tut, ruhiger und abgeschirmt zu sein, prima, zu Mama gucken. Wenn es Spaß am Entdecken hat, auch prima. Wenn ich darauf achte, wie der Knirps reagiert, danach oder dabei schläft und sich verhält, kann man dementsprechend arbeiten. Wie viele schieben denn den KiWa ohne auch nur ansatzweise mit dem Kind zu kommunizieren. Einkauf, Telefon und Kaffee sind viel wichtiger. Da ist nicht die Fahrtrichtung entscheidend, was für Zuwendung das Kind bekommt.

  16. Der easywalker June kann auch in beide Richtungen gedreht werden.
    Lg

  17. Der Kombikinderwagen Moon Nuovo bietet auch die Möglichkeit, den Sportwagenaufsatz zum Schiebenden hin zu montieren.

  18. Der kombi Kinderwagen von knorr voletto bietet das auch das Kind entgegengesetzt der Fahrtrichtung zu schieben .

  19. Ich hab mal ne frage wenn die Kinder 1- 2 Jahre sind laufen die doch auch schon. Laufen die dann auch Rückwärts ???? Sorry . Aber seid Jahren sitzen die Kids Vorwärts im Buggy ich glaube es wird einfach zu viel rumgeforscht .

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.