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Geschwisterdiplom – zu Besuch in einem Kurs für Kinder, die Geschwister bekommen

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Geschwisterkurs

Manche Kranken- und Geburtshäuser bieten Geburtsvorbereitungskurse für Geschwister an, um die Kleinen auf ihre künftige Rolle als große Schwester oder großer Bruder vorzubereiten. Damit ihr wisst, was in einem solchen Kurs vermittelt wird, hat Mamaclever ihren Sohn zum Geschwisterdiplom-Kurs am Asklepios-Klinikum in Hamburg-Barmbek begleitet.

An der Wand sitzen zehn Babypuppen, in der Mitte des Raumes sind gemütliche Matten ausgelegt, darauf steht ein Maxi Cosi, in dem ein Puppenbaby liegt. Und dann gibt es noch ein Krankenhausbettchen, in dem auch noch eine Puppe liegt. Sonntag, 9 Uhr. Zehn Kinder zwischen drei und neun Jahren sind ins Asklepios-Klinikum in Hamburg-Barmbek gekommen, zwei Jungs, der Rest Mädchen. Die drei jüngsten haben ihre schwangeren Mütter im Schlepptau, die größeren Kinder sind alleine da. Alle tragen ein Schildchen mit ihrem Namen, ein kleines Mädchen hat ihre eigene Babypuppe mitgebracht. Wiebke Hoffmann, 36 Jahre alt und Kinderkrankenschwester, begrüßt die Kinder.

Sie erzählt, was sie in den nächsten zwei Stunden erwartet. „Wir tun so, als ob das Eure Geschwister sind“, sagt sie und zeigt auf die Babypuppen. Dann fragt sie, ob die Kinder wissen, was ein Kreißsaal ist. Collin, ein siebenjähriger Junge sagt: „Da schlafen die Babys!“ Wiebke Hoffmann korrigiert, „Nee, da kommen die Babys zur Welt.“ Sie verspricht, dass die Kinder später einen Kreißsaal besuchen dürfen und auch echte Babys auf der Neugeborenenstation.

Dann gibt es aber erstmal eine Vorstellungsrunde. Jedes Kind soll seinen Namen sagen, wie alt es ist und ob es einen Bruder oder eine Schwester bekommt. Und ob es weiß, wie das Geschwisterchen heißen wird. Die meisten bekommen einen Bruder, Ruby, vier Jahre alt, bekommt sogar zwei Geschwisterchen auf einmal und Emma ist fest davon überzeugt, dass ihr Bruder Heini heißen wird.

Mit einem Buch wird die Schwangerschaft erklärt

Wiebke Hoffmann schnappt sich ein Buch, das kindgerecht die Schwangerschaft erklärt. „Wer weiß, wie lange die Babys in Mamas Bauch sind?“ „100 Jahre“, ruft Collin. „Ja, das kann einem ganz schön lange vorkommen“, sagt Wiebke Hoffmann und erzählt dann, dass es neun Monate sind. „Einige Babys, die haben es ganz eilig, das nennt man dann Frühchen, andere machen sich erst noch hübsch, aber die kommen auch irgendwann.“

In dem Bilderbuch sieht man, wie das Baby Monat für Monat im Bauch wächst. Wiebke Hoffmann erklärt, was es schon kann und fragt die Kinder, ob sie ihr Geschwisterchen in Mamas Bauch schon mal gespürt haben, ob sie mit durften zum Frauenarzt und den Herzschlag hören konnten. „Das Herz des Babys hört sich so an: Babumbabumabum, wie ein Pferdegalopp.“

„Es dauert ungefähr drei Monate, bis das Baby so gut gucken kann wie ihr, aber es kann schon sehr gut hören, das bedeutet, ihr könnt ihm jetzt schon Geschichten erzählen, da freut es sich, wenn es eure Stimme hört“, erklärt die Kinderkrankenschwester. Und wenn ihr ganz laut seid, dann kann es sich erschrecken, aber wenn es Eure Stimme kennt, dann weiß es, das ist mein großer Bruder oder meine große Schwester.“

Die Kursleiterin erklärt, warum das Baby im sechsten Monat in der Regel Kopfstand im Bauch macht, dass Mama kurz vor der Geburt Bauchschmerzen bekommt, die kommen und gehen und fragt dann, ob die Kinder wissen, wer auf sie aufpasst, wenn Mama ins Krankenhaus kommt, um das Baby auf die Welt zu bringen. „Tante Betty“, ruft Mattis, „erst die Nachbarin, dann meine Oma“, sagt Emma, andere Kinder sagen, „meine Mama“. Wiebke Hoffmann entgegnet: „Die muss doch das Baby zur Welt bringen, besprich das doch nochmal mit Deinen Eltern. Nicht dass Du morgens aufwachst und verschlafen in die Küche kommst und Dich wunderst, dass Mama und Papa nicht da sind.“

Danach geht es darum, was ein Baby isst und trinkt und was man mit ihm machen kann. Wiebke Hoffmann erklärt, dass das Baby am liebsten seinen älteren Geschwistern zuhört. Und sie sagt immer wieder, dass der Kopf des Babys noch weich ist und man ganz doll darauf aufpassen muss, weil das Baby ihn noch nicht alleine halten kann.

Wie hält man ein Baby und wie wird es gewickelt?

Dann gibt es erstmal eine kurze Pause zur Stärkung mit Keksen, Apfelschorle und Apfelschnitzen. Danach soll sich jedes Kind eine Babypuppe holen. Einige Mädchen haben das längst gemacht, die Jungs sind zögerlicher. Wiebke Hoffmann fragt nochmal, ob sich die Kinder daran erinnern, was am empfindlichsten am Baby ist. „Der Kopf“, ruft ein Kind. Die Kinderkrankenschwester zeigt, wie man das Baby so in den Arm nimmt, dass der Kopf in der Ellenbeuge liegt und so gestützt wird. Sie sagt, die Kinder sollten immer sitzen bleiben, wenn sie das Baby im Arm haben, und wenn sie es wo hinlegen, müssten sie aufpassen, dass es nicht herunterfällt. „Wenn ihr nichts findet, wo das Baby sicher liegen kann, dann legt es einfach auf den Fußboden, da kann nichts passieren.“

Wiebke Hoffmann schnappt sich Lotte, die Babypuppe aus dem Maxi Cosi, denn Lotte ist so schwer wie ein echtes Baby. Reihum wird Lotte den angehenden großen Brüdern und Schwestern in den Arm gelegt. Die meisten Kinder sind überrascht, wie schwer so ein kleines Baby schon ist und verstehen jetzt hoffentlich besser, warum sie mit Baby im Arm besser sitzen bleiben sollen.

Die Kursleiterin hat auch was zum Wickeln mitgebracht. Sie zeigt an Lotte, wie man ein Baby wickelt. „Wichtig ist, das Baby liegen zu lassen, wir drehen es nur vorsichtig auf die Seite.“ Dann wird das Baby gefüttert und danach macht es ein Bäuerchen. „Das ist nichts anderes als Rülpsen, nur dass es beim Baby Bäuerchen heißt“, erklärt sie. Dann sollen die Kinder ihre Babypuppe selber wickeln. Als Anreiz verspricht Wiebke Hoffmann, dass sie danach ein Fläschchen bekommen mit einer Überraschung, das die Kinder mit nach Hause nehmen dürfen.

Mattis, drei Jahre alt, bekommt in einem Monat eine Schwester. Zum Geburtstag hat er eine Babypuppe bekommen, die er bisher allerdings keines Blickes würdigte. „Du sollst das machen“, sagt er zu seiner Mutter, als es ums Wickeln geht. Wiebke kommt und hilft, genauer gesagt macht sie eigentlich alles allein. Aber immerhin nimmt der kleine Junge das Baby danach mehr oder weniger vorsichtig auf den Arm und gibt ihm das Fläschchen. In dem stecken Gummibärchen für die Großen.

Keine Angst vor Schreien im Kreißsaal

Nächste Station ist der Kreißsaal. Wiebke Hoffmann warnt die Kinder vor. „Es kann sein, dass da Mamas sind, die gerade ein Baby bekommen, das tut ihnen weh, aber das ist ganz normal. Deshalb nicht erschrecken, wenn es da laut ist.“ Und sie erzählt, dass in einem Kreißsaal eine Badewanne ist, wo sich die Mama reinlegen kann und wo das Baby auch geboren werden kann. Am Zauberseil halten sich alle Kinder fest, dann geht es über die Krankenhausflure in den Kreißsaal. „Da bist Du auch zur Welt gekommen“, sagt Rubys Mutter zu ihrer kleinen Tochter. Schreiende Mütter sind keine zu hören.

Wiebke Hoffmann zeigt die hellblauen und rosafarbenen Armbänder, die die Babys nach der Geburt um das Hand- oder Fußgelenk bekommen und den weißen Clip, mit dem die Nabelschnur abgeklemmt wird. Danach geht es zur Wochenbettstation. Im Kinderzimmer liegt Senna, die am Vortag geboren wurde, bis auf die Windel nackt auf der Wickelkommode. Ihre Mutter erzählt, dass Senna einen großen Bruder und eine große Schwester hat. Besonders fasziniert sind die Kinder vom Rest der Nabelschnur, an der noch die weiße Klemme hängt und von den winzigen, runzeligen Füßchen. Andächtig drängen sie sich um das Neugeborene.

Dann geht es weiter in ein Zimmer, in dem gleich zwei Neugeborene mit ihren Müttern liegen. Eines ist auf dem Arm der Mutter, das andere liegt im Bettchen neben seiner Mama. Die Kinder sind ganz still, zu Fragen trauen sie sich nichts, aber Wiebke Hoffmann fragt nach dem Geschlecht der Babys und wann sie geboren wurden.

Zurück im Kursraum erwähnt die Kursleiterin nochmal, dass es ganz, ganz wichtig sei, auf den Kopf des Babys aufzupassen. Und sie sagt, dass sich Babys alles in den Mund stecken. „Ihr seid die Chefs in Eurem Zimmer und da habt ihr sicher ganz viele kleine Sachen. Die müsst ihr wegräumen und aufpassen, dass die Babys die nicht in den Mund nehmen, denn die schlucken die im schlimmsten Fall runter.“

GeschwisterdiplomDie echten Babys waren am spannendsten

Dann will sie von den Kindern wissen, wie es ihnen gefallen hat und was ihnen am meisten Spaß gemacht hat. Die meisten fanden den Besuch bei den echten Babys am besten, die Mädchen oft auch das Wickeln. Dann ruft Wiebke Hoffmann ein Kind nach dem anderen auf und überreicht ihm das Geschwisterdiplom. „Eure Geschwister haben echt Glück, dass sie so tolle große Schwestern und große Brüder haben“, sagt sie. Und aus einer Schatztruhe darf sich jedes Kind noch ein kleines Geschenk aussuchen und eine Süßigkeit.

Am meisten haben Kinder ab vier Jahren von so einem Geschwisterkurs, der im Asklepios-Klinikum zwei Stunden dauert und 15 Euro kostet. Aber auch bei kleineren Kindern hinterlässt er Spuren. Mattis schleppt plötzlich seine Babypuppe mit sich herum. Und abends sagt er: „Ich muss die Murmeln und Nüsse aufräumen, damit das Baby die nicht in den Mund nimmt.“

2 Kommentare

  1. Oooooch das ist eine niedliche Geschichte, danke für den Einblick. Und alles Gute, falls Sie die Mutter von Mattis sind (?)! 🙂

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