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Mit einer Vertrauten in die Klinik: Die Entbindung mit Beleghebamme

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NeugeborenesSchwangere können sich zwar das Krankenhaus für die Geburt aussuchen, welche Hebamme aber gerade Dienst hat wenn es so weit ist und ob man sie sympathisch findet, darauf haben Gebärende normalerweise keinen Einfluss. Es sei denn, man entbindet mit einer Beleghebamme.

Silke Schiller und Wiebke Rot (Namen geändert) hatten eine ziemlich traumatische erste Geburt. Sie wurden als Erstgebärende nicht so richtig ernst genommen in der Klinik und nicht gut beraten, was die Möglichkeit einer PDA (Periduralanästhesie) betrifft. Die Geburten endeten letztlich beide mit einem Kaiserschnitt. Beim zweiten Kind haben die beiden dann am Hamburger Albertinen-Krankenhaus mit einer Beleghebamme entbunden – und waren begeistert.

Beleghebammen sind freiberuflich tätig und haben mit einer oder manchmal auch mehreren Kliniken einen Belegvertrag abgeschlossen. Das heißt, sie begleiten die Schwangere zu jeder Tages- und Nachtzeit in die Klinik und leiten dort die Geburt eigenständig. Nur wenn es Komplikationen gibt, ziehen sie einen Arzt hinzu. Damit ist eine Beleggeburt eine Alternative zur Hausgeburt, die man auch  mit einer selbstständigen Hebamme, die man vorher kennt, macht und dem Krankenhaus, wo häufig weniger Hebammen Dienst haben als Kreißsäle vorhanden sind und wo das Personal alle acht Stunden wechselt. Gerade die Geburt des ersten Kindes dauert oft länger, so dass man in der Regel mindestens einen Wechsel erlebt.

Rufbereitschaft kostet 200 bis 600 Euro

Seine Beleghebamme lernt man schon während der Schwangerschaft kennen, sie kann im Idealfall die Vorsorgeuntersuchungen im Wechsel mit dem Frauenarzt durchführen. Und sie kann nach der Geburt auch die Wochenbettbetreuung übernehmen. Beim ersten Treffen geht es vor allem darum, ob man sich sympathisch findet. Und es geht um Geld. Die Vorsorgeuntersuchungen, die Entbindung sowie die Nachsorgeleistungen zahlen die Krankenkassen. Da die Beleghebamme ab der 37. Woche aber Tag und Nacht Rufbereitschaft hat, fällt eine zusätzliche Pauschale an. Sie ist von Hebamme zu Hebamme und von Stadt zu Stadt unterschiedlich und liegt meist zwischen 200 Euro und 600 Euro. Das mag viel erscheinen, aber man muss bedenken, dass Beleghebammen für ihre Berufshaftpflicht immer höhere Prämien bezahlen müssen – seit Juli 2012 4200 Euro pro Jahr. Dazu kommt, dass Hebammen für ihre Leistungen ziemlich schlecht bezahlt werden und Beleghebammen nur eine begrenzte Anzahl von Schwangeren gleichzeitig betreuen können, um zu gewährleisten, dass sie zum Zeitpunkt der Geburt auch verfügbar sind. Und nicht zuletzt sind mit der Rufbereitschaft große persönliche Einschränkungen verbunden: Die Hebamme kann während der vier Wochen, die sie normalerweise Rufbereitschaft hat (ab der 37. Woche bis zur 41., danach wird die Geburt in der Regel eingeleitet), die Stadt nicht länger verlassen, nicht vereisen und muss rund um die Uhr damit rechnen, dass sie zur Geburt gerufen wird. Alkohol und andere Räusche verbieten sich da von selbst.

Seit dem 1. Januar 2013 übernehmen einige Krankenkassen aber bis zu 250 Euro für die Rufbereitschaftspauschale, darunter die Techniker Krankenkasse, die Barmer GEK, die BKK VBU sowie  die BKK Mobil. Die Securvita BKK trägt die Kosten sogar in voller Höhe. Man muss erst in Vorausleistung gehen und dann wird die Rechnung eingereicht und erstattet.

„Das Geld war gut investiert“, sagt Silke Schiller. Mit ihrer Beleghebamme hat sie vor der Geburt ausführlich über ihre Ängste und die erste Geburt gesprochen. „Sie wusste dann genau, wann es Zeit ist, den Anästhesisten für die PDA zu rufen, ich hätte noch gewartet, aber es dauerte eine Stunde bis er kam und da war dann genau der richtige Zeitpunkt“, sagt die 42-Jährige. Bei ihrer ersten Tochter, die nicht richtig ins Becken gerutscht war, hatte sie den Zeitpunkt verpasst und war schließlich entkräftet kollabiert. „Bei der zweiten Geburt war das dank PDA dann wie ein Spaziergang“, sagt Schiller.

Beleghebammen sind knapp – man muss früh eine kontaktieren

Um eine Beleghebamme muss man sich sehr früh kümmern, es gibt nicht viele – in Deutschland bieten nur noch rund 3000 freiberufliche Hebammen klassische Geburtshilfe an – und die Nachfrage ist groß. Am besten erkundigt man sich also weit vor der 20. Woche in den Geburtskliniken, die in Frage kommen, ob sie mit Beleghebammen zusammenarbeiten. Ist dies der Fall, dann gibt es meist eine Liste mit Ansprechpartnerinnen. Oder man schaut unter Hebammensuche, wer Klinikbegleitung anbietet. Wiebke Rot wusste von Silke Schiller, dass es die Möglichkeit einer Beleggeburt gibt. Sie rief deren Beleghebamme bereits in der zwölften Woche an. Doch die war schon voll, konnte aber eine Kollegin empfehlen.

Eine hundertprozentige Sicherheit, dass man mit „seiner“ Beleghebamme entbinden kann, gibt es allerdings nicht. Wenn es los geht und die Beleghebamme gerade im Kreißsaal steht, um ein anderes Kind auf die Welt zu bringen oder wenn sie in der Nacht zuvor zehn Stunden lang im Einsatz war, dann kann sie die Geburt natürlich nicht leiten. „Das ist mir allerdings in drei Jahren noch nie passiert“, sagt Silke Schillers Beleghebamme. Außerdem kann die Beleghebamme natürlich auch mal einen Unfall haben oder krank werden. Viele Beleghebammen arbeiten deshalb mit Kolleginnen zusammen und vertreten sich gegenseitig. Im Idealfall lernt man auch die Vertretung während der Schwangerschaft kennen. Und auch Beleghebammen dürfen aus Arbeitsschutzgründen nicht unendlich lange arbeiten. Nach zwölf Stunden müssen sie sich ablösen lassen. „Aber wer eine Beleghebamme hat, der geht oft sehr viel später ins Krankenhaus als andere Schwangere“, so Schillers Beleghebamme. Wenn die Wehen beginnen, ruft man nämlich erst mal die Hebamme an und entscheidet dann gemeinsam, ob es schon Zeit ist, sich auf den Weg zu machen oder ob man noch warten und sich zu Hause ein Bad gönnen kann.

Ein Kommentar

  1. Ich habe mich nach einer Beleghebamme erkundigt (2016) – die Antwort meiner Hebamme war, dass es so etwas in BW noch gar nicht gibt und es nur sehr langsam in Gang kommt. Wenigstens konnte ich in der 5. SSW eine normale Hebamme ergattern. Unter Hebammensuche bekam ich zuverlässig Hebammen angezeigt (klasse), aber keine Beleghebammen. Finde ich sehr schade, denn in unseren Krankenhäusern kann die Versorgung nach der Geburt mt Pech bei Vollbelegung sehr schlecht sein. Leider kenne ich Frauen, die dadurch regelrecht traumatisiert wurden. Dabei muss dies nicht sein. Ich hoffe, es werden mehr Beleghebammen in Zukunft zur Verfügung stehen – oder die Zustände in den großen Kliniken bessern sich so, das die Hebammen dort ihre Arbeit richtig machen können und nicht so viele Geburten gleichzeitig betreuen müssen. Kinder sind doch gerade für unser Land so wichtig.

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