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Babybrei: Selber kochen oder fertig kaufen?

Selberkochen oder Gläschen kaufen? Diese Frage stellt sich Eltern, die mit Beikost anfangen und die beste Ernährung für ihr Kind wollen. Unterschiede liegen vor allem im Zeitaufwand sowie in den Kosten.Was für das eine oder das andere spricht, was man jeweils beachten sollte und welche Alternativen es noch gibt hat Mamaclever für euch zusammengestellt.

So schnell wie im ersten Lebensjahr wachsen Kinder nie wieder. Deshalb ist eine gesunde Ernährung mit allen erforderlichen Nährstoffen besonders wichtig. Gleichzeitig ist der Organismus des Babys noch sehr empfindlich und muss vor Schadstoffen geschützt werden. Meist wird die Beikost wie empfohlen mit dem Gemüse-Kartoffel-Fleischbrei begonnen.

Selber kochen – Vorteile und Nachteile

Diesen Brei selbst zu kochen ist super, weil der Geschmack oft besser ist, das Baby kann den ursprünglichen Geschmack von verschiedenen Gemüsesorten, Obst und Fleisch kennenlernen. Man weiß genau, was in der Mahlzeit drin ist und selbst gekochter Brei ist auf Grund weniger Zutaten schonender für den empfindlichen Babydarm. Mit selbst gekochter Beikost kann man das Kind langsam an verschiedene Geschmacksrichtungen gewöhnen und überflüssige Zutaten von vornherein vermeiden. Selbst zu kochen ist auch die kostengünstigste Form der Beikost.

Zudem kann man die Portionen genau so groß machen, wie das Baby sie braucht – die wenigsten Kinder essen genau die 190-Gramm, die in den Standardgläschen drin sind. Und wenn man auf Vorrat kocht, dann ist das ganze gar nicht so aufwändig. Rezepte findet ihr in diesem Post.

Das Selberkochen hat aber auch Nachteile. Gläschenkost wird in Deutschland streng kontrolliert, wer selber kocht kann die Qualität der verwendeten Zutaten nicht so gut kontrollieren. Die Zubereitung sollte unter strengen hygienischen Verhältnissen erfolgen und man sollte wissen, wie man Gemüse so kocht, dass die Nährstoffe und Vitamine erhalten werden. Am sichersten ist es, ausschließlich Bio-Lebensmittel für die selbst gekochte Beikost zu verwenden. Wer die nur schwer beschaffen kann, für den ist Gläschenkost vielleicht geeigneter.

Zudem ist man beim Selberkochen natürlich abhängig von der jeweiligen Saison – Kürbis beispielsweise steht im Sommer kaum zur Verfügung. Und es gibt ein paar Lebensmittel, bei denen man vorsichtig sein muss. Spinat darf bei selbstgekochtem Brei nur topffrisch oder frisch aufgetaut verwendet werden. Reste von Babybrei oder Kindermahlzeiten mit Spinat müsst ihr unbedingt wegwerfen, man darf sie weder aufheben noch wieder aufwärmen, sonst kann sich das in Spinat enthaltene Nitrat zu giftigem Nitrit und Nitrosaminen umwandeln. Nitrit kann den Sauerstofftransport im Blut behindern und ist deshalb für Kleinkinder gefährlich.

Neben Spinat enthalten auch Mangold und Rote Bete besonders viel Nitrat. Sie sollten daher nicht zu oft auf dem Speiseplan des Babys stehen. Kohlrabi und Fenchel aus konventionellem Anbau sind ebenfalls oft stark belastet, deshalb solltet ihr diese Gemüse nur in Bio-Qualität und aus Freilandanbau für euer Baby verwenden.

Vorteile und Nachteile von Gläschenkost

Beikostprodukte unterliegt in Deutschland der “Verordnung über diätetische Lebensmittel” und damit gelten besonders strenge gesetzliche Regelungen in Bezug auf ihre  Zusammensetzung, die Verwendung von Zusatzstoffen, die bakteriologischen Anforderungen und die Grenzwerte für Rückstände und Schadstoffe sind besonders hoch. Man kann also davon ausgehen, dass die Nahrung in Gläschen absolut keimfrei und extrem schadstoffarm sind.

Probleme gibt es allerdings manchmal bei Gläschen, die Karotten enthalten, mit Benzol. Benzol kann schon in kleinen Mengen Krebs erzeugen. Es entsteht bei der Erhitzung von Karotten in geschlossenen Gefäßen. Es kann so nicht entweichen und verbleibt im Glas. Allerdings sind die Benzolwerte in den vergangenen Jahren gesunken, die Hersteller scheinen das Problem weitgehend in den Griff bekommen zu haben. Im letzten Test von Ökotest (November 2015) wurde in drei Produkten außerdem Cadmium gefunden, und zwar in Babydream Rahm-Spinat mit Kartoffeln, Biomio Gartengemüse und Hipp Pastinaken mit Kartoffeln. Diese Produkte wurden mit mangelhaft bewertet. Das Schwermetall wird vom Gemüse aus dem Boden aufgenommen, der Giftstoff kann die Nieren schädigen und Krebs auslösen. Allerdings kann auch Gemüse, das man zum Selberkochen von Babybrei verwendet, Cadmium enthalten.

Gläschenkost ist vor allem praktisch für unterwegs und schneller zubereitet als wenn man selber kocht. Man muss sie nur kurz in einem Wasserbad erwärmen oder in die Mikrowelle stellen. Die Zeitersparnis beim Kochen ist das eine, allerdings kann es sehr zeitaufwändig sein, vor den Regalen mit Beikost das richtige Gläschen auszuwählen, denn ein Blick auf die Zutatenliste ist unverzichtbar, denn häufig sind viel zu viele Zutaten enthalten, die den empfindlichen Darm des Babys belasten können oder ungesund sind. Selbst wenn “kristallzuckerfrei” drauf steht, können Süßungsmittel wie Maltose, Fruktose, Honig, Apfel- oder Brinendicksaft drin sein. Kristallzuckerfrei heißt lediglich, dass kein Haushaltszucker (Saccharose) zugefügt wurde.

Augen auf beim Gläschenkauf

Wenn ihr unter den Zutaten Salz, Zucker, Traubenzucker, Fructose, Fruchtzucker, Glucose, Saccharose, Honig, Apfel- oder Birnendicksaft, Gewürze, Aromastoffe, Bindemittel (auch Reismehl ist ein solches…) oder Rahm findet, dann lasst den Babybrei besser im Regal stehen. Außerdem solltet ihr nicht so viel auf die Altersempfehlungen geben, diese sind häufig zu früh angesetzt. Zudem wird immer wieder von Warentestern bemängelt, dass die Gläschen zu wenig Fleisch, zu wenig Fett und zu wenig Vitamin C enthalten. Die Zusammensetzung ist oft nicht ausreichend für den Tagesbedarf des Babys. Dies ist vor allem dann problematisch, wenn das Baby nebenher nicht mehr gestillt wird.

Pro Mahlzeit sollte das Baby 8 bis 10 Gramm Fett bekommen, ist im Gläschen weniger enthalten, dann könnt ihr einen Teelöffel hochwertiges Rapsöl (entspricht 4 Gramm) zugeben. Und Vitamin C kann man beimischen, indem man 15 bis 20 Gramm Saft dazugibt, der auf 100 Milliliter 40 Milligramm Vitamin C enthält.

Besonders schlecht schnitten in der Vergangenheit übrigens fertige Getreidebreie ab, da sie häufig Schadstoffe wie Arsen, Mineralölrückstände und Zucker enthalten.

Ein weiterer Nachteil von Gläschen ist, dass sie deutlich teurer sind, als wenn man den Brei selbst kocht. Und für das teure Geld bekommt man häufig nur sehr wenig Fleisch oder viel Wasser.

Zudem muss man die Gläschen im Altglascontainer entsorgen und der Geschmack der haltbar gemachten Gläschen, die ja nicht gekühlt werden müssen, ist ein anderer als der von frisch verarbeitetem Gemüse. Zudem ist die Vielfalt an angebotenem Gemüse recht gering. Das ist nachteilig, denn das Phänomen der Geschmacksprägung besagt, dass Geschmackswahrnehmungen in der frühen Kindheit nachhaltigen Einfluss auf spätere Nahrungsmittelvorlieben ausüben können. Geschmackliche Vielfalt in der Beikost fördert deshalb die Akzeptanz neuer Nahrungsmittel und damit die Chancen, dass Kinder eine wünschenswerte gemischte Kost akzeptieren.

Im Rahmen der Studie “Babygourmet” des Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE) haben 51 Babys entweder herzhafte Breie aus dem Gläschen oder Tiefkühlkost, die frischer Kost geschmacklich näherkommt als Eingekochtes aus dem Glas, bekommen. Die Babys, die die geschmacksintensivere Tiefkühlkost erhielten, waren im Anschluss an die dreimonatige Fütterungsphase interessierter an neuem Gemüse: Sie aßen mehr von den bislang nicht gekosteten grünen Bohnen als die Gläschenfraktion. Ob diese Offenheit allerdings anhält, wurde nicht untersucht.

Die Ideallösung: Gläschen und selbstgemachten Brei kombinieren

Am praktikabelsten finde ich es, Gläschenkost mit selbst gekochtem Brei zu kombinieren – so hat man die Vorteile beider Darreichungsformen und minimiert die Nachteile.

         

 

Fotos: Mamaclever

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Eva Dorothée Schmid: Ich bin Journalistin und Mutter eines Sohnes (geb. 2012) und einer Tochter (geb. 2015), wohne in Hamburg und versuche als Mamaclever, Eltern fundierte Antworten auf alle Fragen zu geben, die sich mit Baby, Klein- oder Kindergartenkind so stellen.
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