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Dienerin der Frau: Eine Doula unterstützt werdende Mütter während der Geburt

Bei den meisten Geburten steht der Vater des Kindes der Frau zur Seite. Aber was, wenn kein Vater da ist, der die Frau unterstützen könnte? Oder wenn man sich noch eine weibliche Begleitperson bei der Geburt wünscht? Dann kann eine Doula helfen. Die Doula-Bewegung entstand in den 1980er-Jahren in den USA und ist mittlerweile auch in Deutschland angekommen. Was eine Doula macht, kann und kostet.

Doulas sind professionelle Geburtsbegleiterinnen, die während der Geburt für die werdende Mutter da sind. Das Wort Doula kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet “Dienerin der Frau”. Das Konzept ist eigentlich uralt und wird in vielen traditionellen Gesellschaften noch heute praktiziert. Frauen, die schon Kinder geboren haben, helfen werdenden Müttern während der Geburt. In den USA, wo es in den Krankenhäusern nur selten Hebammen gibt, wurde dieses Modell in den 1980er-Jahren von den Ärzten Marshall H. Klaus und John H. Kennell wiederbelebt. Auf diese beiden Ärzte geht auch die Bezeichnung Doula zurück.


In der Schweiz sind Doulas schon recht bekannt, auch in Deutschland verbreitet sich der Beruf zunehmend, wenngleich es bisher nur zwischen 100 und 150 ausgebildete Doulas bundesweit gibt. Diese sind Frauen, die eigene Kinder geboren haben und über ein fundiertes Wissen rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett verfügen. Sie kennen und verstehen die emotionalen Bedürfnisse einer Frau unter der Geburt und können die Gebärende deshalb einfühlsam, individuell und vor allem kontinuierlich unterstützen.

Die Doula ersetzt nicht die Hebamme

Ärzte und Hebammen im Krankenhaus müssen sich meist um mehrere Geburten gleichzeitig kümmern und haben oft keine Zeit, die werdenden Mütter auch umfassend psychisch zu unterstützen. Eine 1:1-Betreuung wird von den Hebammen zwar gefordert, ist allerdings in den wenigsten Kreißsälen gegeben. Und mit jedem Schichtwechsel wird die Gebärende mit neuem Personal konfrontiert. Eine Doula dagegen bleibt während der gesamten Geburt an der Seite der Gebärenden und konzentriert sich ausschließlich auf deren Bedürfnisse. Sie sorgt dafür, dass sich die Frau sicher und geborgen fühlt, motiviert oder massiert sie, auch für den werdenden Vater kann eine Doula eine Entlastung bedeuten, wenn er seine Frau in guten Händen weiß und sich auch mal eine Pause nehmen kann.

Was eine Doula nicht macht, ist in medizinische Belange einzugreifen. Da sie keine medizinische Ausbildung hat, begleitet sie eine Geburt niemals ohne Hebamme.


Die kontinuierliche Geburtsbegleitung hat wohl positive Folgen. Allein durch die Anwesenheit einer Doula reduziert sich nach einer Studie von Kennell und Klaus die Kaiserschnittrate um 50 Prozent, die Geburtsdauer um 25 Prozent, die Verabreichung des Hormons Oxytocin um 40 Prozent und die medikamentöse Schmerzbekämpfung um 30 Prozent. Auch der Einsatz der Zange verringert sich um 40 Prozent und die Nachfrage nach einer Anästhesie um 60 Prozent. Zudem wird die Paarbeziehung gestärkt und der Stillerfolg erhöht. Auch verringert sich die Häufigkeit von nachgeburtlichen Depressionen. „Wären die mit einer Doula erzielten Ergebnisse mit einem Medikament oder einem neuen Apparat zu erreichen, dann gäbe es eine ungeheure Nachfrage nach dieser Neuerung, aber leider entspricht die Doula noch nicht der medizinischen Lehrmeinung“, so John H. Kennell.

Seit 2005 werden Doulas in Deutschland ausgebildet

Monika Theile, die 2005 als eine der ersten Frauen in Deutschland eine Ausbildung zur Doula absolviert hat und eine Info-Seite über Doulas betreibt, nennt als häufigsten Beweggrund von Frauen, eine Doula zu engagieren, vor allem die Sorge vor erneuter Fremdbestimmung im Kreißsaal. “Die Frauen leiden Jahre darunter und wollen die Doula als Schutz dabei haben”, sagt sie.  Sich eine Doula zu “gönnen” ist aber auch ein Grund. Manche Frauen wollen auch nicht, dass ihr Partner mit zur Geburt kommt und engagieren deshalb eine Doula und nach Theiles Erfahrung suchen sich manchmal auch Frauen, die sexuellen Missbrauch erfahren haben, eine Doula. Auf Monika Theiles Seite kann man nach einer Doula suchen.

Doula ist keine geschützte Berufsbezeichnung, theoretisch kann sich jede Frau so nennen und als Doula arbeiten. Zwei Institutionen, der Verein Doulas in Deutschland und die Gesellschaft für Geburtsvorbereitung bieten in Deutschland aber mehrmonatige Ausbildungen zur Doula an. Selbst eine Geburt überstanden zu haben, ist bei beiden die Voraussetzung, um Doula werden zu können. Das Mindestalter liegt bei 25 bzw. 30 Jahren. Den Müttern wird während der Ausbildung medizinisches Wissen rund um die Geburt vermittelt, es werden Methoden der Entspannung und der Schmerzerleichterung gelehrt und die Kommunikationsfertigkeiten trainiert. Außerdem hospitieren die Frauen in Geburtsvorbereitungskursen, in einer Still- oder Müttergruppe und bei mehreren Geburten.

Eine Doula zu engagieren ist nicht billig, denn sie steht der Schwangeren in der Regel zehn Tage vor bis zehn Tage nach dem errechneten Geburtstermin exklusiv zur Verfügung und hat wie eine Beleghebamme in dieser Zeit rund um die Uhr Rufbereitschaft. Dazu kommen in der Regel zwei Besuche in der Schwangerschaft, in denen sich Schwangere und Doula kennenlernen, und zwei  Termine nach der Geburt. Die meisten Doulas berechnen einen Pauschalbetrag von 450 bis 750 Euro, bei Doulas, die ihre Ausbildung bei der GFG gemacht haben, liegt die Honorar-Untergrenze bei 600 Euro. Krankenkassen übernehmen diese Kosten nicht.

Kostenübernahme bei Bedürftigkeit

Damit sich nicht nur gut situierte Frauen eine Doula leisten können, bietet der Verein Doulas in Deutschland e.V. eine Kostenübernahme bei Bedürftigkeit an.


Das wichtigste Auswahlkriterium für eine Doula – sofern man vor Ort überhaupt die Wahl zwischen mehreren hat, ist, dass die Chemie zwischen Mutter und Doula stimmt.

Foto: Flickr.com/Jody aPhotoAngel unter CC-BY-NC-ND

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Eva Dorothée Schmid: Ich bin Journalistin und Mutter eines Sohnes (geb. 2012) und einer Tochter (geb. 2015), wohne in Hamburg und versuche als Mamaclever, Eltern fundierte Antworten auf alle Fragen zu geben, die sich mit Baby, Klein- oder Kindergartenkind so stellen.
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