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Der große Einwegwindel-Guide

Kinder benötigen bis sie trocken werden zwischen 5.000 und 6.000 Windeln. Die meisten Eltern verwenden Wegwerfwindeln, auch wenn das Wickeln mit Stoffwindeln inzwischen durchaus eine praktikable Alternative ist. Marktführer ist in Deutschland Pampers, aber es gibt noch andere Hersteller, deren Höschenwindeln ökologischer, preiswerter oder schicker sind. Wo gibt es die billigsten Einwegwindeln und welche Windeln haben  in Tests am besten abgeschnitten? Ein Überblick über den Windelmarkt. 

Die Preisunterschiede bei Windeln sind groß – dabei gilt, dass bei allen Anbietern die Windeln umso teurer werden, desto größer sie sind. Eine Windel der Größe 1 ist deutlich günstiger als eine der Größe 6. Die Preisspanne reicht von 10 Cent bis 62 Cent. Betrachtet man allein Windeln der häufigsten Größe 4, dann liegt der Preisunterschied zwischen 12 Cent und 62 Cent. Wenn man diese Zahl mit 5.000 multipliziert, dann zahlt man für Windeln bis zum Trockenwerden des Kindes zwischen 600 Euro und 3100 Euro – ein ganz schöner Unterschied!

Die Windelmarke Pampers vom amerikanischen Großkonzern Procter & Gamble dominiert den Windelmarkt in Deutschland. Die erste Pampers kam 1973 in Deutschland auf den Markt. Der Marktanteil von Pampers beträgt bis zu 70 Prozent. Und so ist es kein Wunder, dass der Markenname Pampers hierzulande synonym für das Wort Windeln benutzt wird. Von Pampers gibt es vier verschiedene Sorten, dazu kommen noch die Höschenwindeln für einfaches An- und Ausziehen.

Unterschiede der Pampers-Sorten

Was die einzelnen Sorten genau voneinander unterscheidet, ist gar nicht so klar – vom Preis mal abgesehen. Die teuersten Pampers-Windeln sind die Premium Protection, die einen Urin-Indikator haben und besonders weich sind. Sie kosten je nach Packungsgröße in Größe 4 (die braucht man am längsten) ab 28 Cent pro Stück.

Danach kommen die Active Fit. Sie sollen besonders gut sitzen und sind besonders dünn. Sie kosten je nach Packungsgröße in Größe 4 ab 26 Cent pro Stück.

Der Klassiker sind die Pampers Baby Dry, die ab 22 Cent zu haben sind. Und das Billig-Produkt von Pampers sind die Sleep & Play. Sie haben anders als die anderen Pampers-Sorten keine paraffinhaltige Lotion (die nicht unbedingt was am Babypo zu suchen hat) und kosten ab 17 Cent pro Stück. Mehr Informationen zu den verschiedenen Pampers-Sorten gibt es in diesem Post.

Discountermarken als Alternative

Neben den Windeln des Marktführers sind auch die Eigenmarken der Drogeriemärkte sowie jene von Aldi, Lidl oder Penny beliebt. Die Eigenmarke von dm heißt Babylove, die von Rossmann Babydream, die von Müller Beauty Baby Premium Dry oder Beauty Baby Super Active. Die Windelmarke von Lidl heißt toujours, die von Aldi Nord Vibelle, die von Aldi Süd Mamia und die von Penny Baby Time.

Preislich sind diese Windeln deutlich günstiger als jene von Pampers. Für die Aldi-Windeln zahlt man in Größe 4 zum Beispiel lediglich 13 Cent pro Stück, die von dm gibt es für den gleichen Preis. Die Babydream von Rossmann kosten in der größten Packungsgröße (120 Windeln) sogar nur 12,5 Cent.

In verschiedenen Tests haben Discounter-Windeln durchaus gut oder sehr gut abgeschnitten, so dass sie nicht nur preislich eine Alternative sind. Zudem enthalten sie in der Regel anders als die Pampers keine paraffinhaltige Lotion. Wir sind irgendwann mal von Pampers umgestiegen auf die Aldi-Windeln Vibelle und sind sehr zufrieden damit.

Die Stylischen: Lillydoo-Windeln

Recht neu auf dem Markt ist die Marke Lillydoo nach dem Vorbild von The Honest Company in den USA, einem Unternehmen, das vom Hollywood-Star Jessica Alba gegründet wurde. Lillydoo wirbt mit der Haut- und Umweltfreundlichkeit der Produkte. Die Windel kommt ohne Parfüm oder Lotion aus und ist frei von Parabenen, Chlor (ECF), Phthalaten und PEG-Emulgatoren. Das sind aber auch andere Windeln, die nicht explizit damit werben, wie ein Test von Ökotest ergeben hat. Die Trockenheitslage, die direkt mit der Haut in Berührung kommt, ist zudem frei von Farbstoffen.

Umweltfreundlich ist an der Lillydoo, dass sie aus chlorfrei gebleichtem Zellstoff aus zertifiziert nachhaltiger Forstwirtschaft hergestellt wird und dass die Verpackungsfolie vollständig kompostierbar ist. Zudem ist die Windel vegan, das heißt, es sind keine tierischen Inhaltsstoffe enthalten und die Windel wurde nicht an Tieren getestet. Eine Öko-Windel ist die Lillydoo aber nicht. Sie enthält auch Inhaltsstoffe, die erdölbasiert sind und sie ist nicht biologisch abbaubar.

Außerdem wirbt sie damit, dass sie extra weich und saugfähig ist und sie zeichnet sich natürlich vor allem durch ihr Design aus. Das hebt sich sehr von den üblichen Windeldesigns ab – und sorgt in Krabbelgruppen garantiert für Aufsehen. Erhältlich sind die Lillydoo-Windeln in drei verschiedenen Mustern. Die Lillydoo ist in jedem Fall eine Premium-Windel und sie sieht nicht nur gut aus, sie ist auch sehr saugfähig, wovon ich mich selbst in einem Test überzeugt habe.

Besonders ist das Vertriebsmodell: Die Lillydoo-Windeln gibt’s im Abo nach Hause geliefert, wahlweise mit Feuchttüchern dazu. Das Abo ist jederzeit kündbar und man kann die Lieferintervalle, Größen und Präferenzen flexibel ändern. Auch wenn man Windeln übrig hat, die nicht mehr passen, kann man ungeöffnete Packungen kostenlos umtauschen. Seit kurzem sind die Lillydoo-Windeln auch im Drogeriemarkt dm erhältlich und bei Amazon*.

Im Abo ist die Windel erheblich billiger als im Einzelverkauf, sie kostet dann in Größe 4 28 Cent pro Stück. Wer nur eine Packung erwirbt, zahlt dagegen stolze 38 Cent pro Windel.

Öko-Windeln

Windeln verursachen sehr viel Müll und sind nicht recyclebar. Deshalb suchen verschiedene Anbieter nach umweltfreundlicheren Alternativen. Ökowindeln sind Einwegwindeln, die etwas umweltverträglicher sind als die herkömmlichen Wegwerfwindeln: Sie sehen gleich aus und funktionieren auch genauso. Anders als herkömmliche Einwegwindeln bestehen sie aber zu einem relativ großen Teil aus biologisch abbaubaren Materialien wie Bio-Kunststoff und chlorfrei gebleichtem, FSC-zertifiziertem Zellstoff. Kompostierbar sind sie allerdings – mit einer Aussnahme – nicht, denn im Superabsorber im Saugkern ist immer noch Kunststoff enthalten.

Die deutsche Marke Moltex nature no. 1 war die erste Öko-Windel auf dem Markt. Sie besteht zu 50 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen, ihr Zellstoff ist chlorfrei gebleicht und FSC-zertifiziert, außerdem ist sie frei von Chlor, Latex und Duftstoffen. Statt Parfüm binden Teeblatt-Extrakte die üblen Gerüche. Sie ist in sechs Größen erhältlich und kostet in Größe 4 ab 27 Cent pro Stück.

Naty by Nature ist eine schwedische Marke, die unter anderem bei Amazon* erhältlich ist. Sie wird ohne Bleichmittel hergestellt, enthält kein Latex, keine Duftstoffe oder TBT (Tributyltin) und sie ist hypoallergen. Zur Reduzierung von schädlichen Chemikalien in Windeln verwendet Naty by Nature einen Film aus gentechnikfreier Maisstärke als Auslaufschutz. Dieser Film ist vollständig kompostierbar. Enthalten ist auch Superabsorber (d.h. Kunststoff), aber laut Hersteller in kleinerer Menge als in anderen Wegwerfwindeln und die elastischen Teile sind ebenfalls nicht kunststofffrei. Die Windel gibt es in sieben Größen. Mit mindestens 32 Cent pro Stück in Größe 4 ist die Naty by Nature deutlich teurer als die Moltex Windeln.

Auch die Drogeriemarktkette dm bietet eine Öko-Windel an, die Babylove nature. Sie besteht aus 40 Prozent nachwachsbaren Rohstoffen, einem chlorfreien Saugkern und der Zellstoff stammt aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. Das Außenvlies ist aus Viskose und frei von Naturlatex. Mit 17,5 Cent pro Stück in Größe 4 sind diese Windeln die günstigsten Öko-Windeln.

Bio Babby Biowindeln werden von einer französischen Firma hergestellt. Sie wird überwiegend aus natürlichen und nachwachsenden Rohstoffen hergestellt und es wird nur FSC-zertifizierte, chlorfrei gebleichte Zellulose verwendet. Die Außenfolie ist ein Gemisch aus verschiedenen natürlichen Stärken wie Mais- Kartoffel- und Getreidestärke, die Vliesstoffe sind biologisch abbaubar. Alles in allem soll die Bio Babby Windel zu 70 Prozent biologisch abbaubar sein, die Verpackung ist es zu 100 Prozent.  Die Windel gibt es in vier Größen, sie kostet mit 33 Cent pro Stück (Größe 4) etwa gleich viel wie die Naty by nature.

Und dann bin ich bei meinen Recherchen noch auf die neue Swilet Biowindel aus der Schweiz gestoßen. Die soll zu mehr als zwei Dritteln aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Die Bio-Außenfolie, die wie der Beutel vollständig biologisch abbaubar ist, ist unbehandelt und so soll auch ausreichend Luft bis in den Windelbereich gelangen. Das soll die Windel besonders hautverträglich machen. Verwendet wird außerdem PEFC-zertifizierte Zellulose und die Produktion ist umweltschonend, es werden CO2-Ausgleichsmaßnahmen ergriffen. Die Windel kostet in Größe 4 ab 31 Cent pro Stück.

Die Fairwindel geht neue Wege

Einen anderen Weg als alle anderen Öko-Windeln, die Superabsorber auf Erdölbasis verwenden, geht die Fairwindel, die erst seit Sommer 2016 erhältlich ist. Sie erreicht derzeit den höchsten Wert an erneuerbaren Rohstoffen, nämlich 83 Prozent. Die Gründer haben sich das Ziel gesetzt, eine Windel zu schaffen, die zu 100 Prozent aus erneuerbaren Rohstoffen besteht und kompostiert werden kann. Derzeit bestehen noch 17 Prozent der Windel aus erdölbasierten Materialien. Dazu gehören zum Beispiel die Klettverschlüsse oder die Gummibänder am Beinabschluss. Die Fairwindel ist die einzige Öko-Windel, die ohne erdölbasierten Superabsorber auskommt. Stattdessen besteht der Saugkern aus einem Gemisch aus Zellulose und stärkebasiertem Sauggel. Die Rohstoffe dafür sind zu 100 Prozent nachwachsend und stammen zum Teil aus Brandenburg, wo das Unternehmen seinen Sitz hat. Die Windel ist vegan und wird zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie hergestellt. Außerdem ist sie chlorfrei gebleicht und enthält keine Duftstoffe, keine Lotion und keine Farbstoffe. Sie ist ganz schlicht weiß.

Da die Fairwindel ohne herkömmlichen Superabsorber auskommt, hält sie nicht so lange trocken wie andere Windeln. Der Superabsorber ist nämlich dafür verantwortlich, den Urin schnell aufzusaugen und zu speichern. Urin wird vom Superabsorber in herkömmlichen Windeln zu einer Art Gel gebunden. Typischerweise bestehen Windeln zu 20 bis 30 Prozent aus diesem Granulat. Die Hersteller der Fairwindel, ein kleines Start-up, empfehlen deshalb, das Kind spätestens nach drei bis vier Stunden zu wickeln.

Die Fairwindel gibt es in vier Größen, erhältlich ist sie bisher ausschließlich im eigenen Onlineshop von fairwindel.de. Je nach Größe und Gebinde kostet sie zwischen 57 und 62 Cent und ist damit mit Abstand die teuerste Windel auf dem Markt. Ein Kind allein damit zu wickeln, das muss man sich leisten können. Viele Eltern nutzen die Windel aber als Backup zu Stoffwindeln, beispielsweise für unterwegs oder in der Kita.

Welches ist die beste Windel – Testergebnisse

Der letzte Windel-Test von Stiftung Warentest ist leider schon etwas älter – von 2005. Damals machten die Pampers Active Fit das Rennen. Das test-Urteil: Sehr gut, Note 1,1. Nur knapp dahinter lag allerdings die Billig-Marke von Pampers. Die Simply Dry (die inzwischen Sleep&Play heißt) erhielt die Note 1,4. Aber auch Discounter-Marken schnitten gut ab. Die Babylove von DM erhielt beispielsweise die Note Gut (1,6), die Vibelle von Aldi Nord und die Mamia von Aldi Süd wurde ebenfalls mit gut (2,0) beurteilt.

Von Ökotest gibt es einen aktuelleren Test von 2014. Ökotest kam zu dem Ergebnis, dass es bei den Inhaltsstoffen kaum Probleme gibt, wohl aber im täglichen Gebrauch. Hier wurde die Babylove Aktiv-Plus Premium-Windel von dm zum Testsieger. Sie bekam als einzige Windel die Note sehr gut. Gut schnitten alle drei Pampers-Sorten ab (Baby Dry, Active Fit und Simply Dry), außerdem die Mamia Windeln von Aldi Süd und die Beauty Baby Premium-Windeln von Müller.

In einem Test auf dem Portal allesbeste.de wurde ebenfalls die Babylove Aktiv-Plus Premium-Windel von dm zum Testsieger gekürt.

Letztlich ist es aber so, dass nicht jede Windel jedem Baby richtig gut passt. Und so kann es sein, dass auch eine sehr gut getestete Windel bei euch ständig ausläuft. Man muss also ein bisschen herumprobieren, bis man die beste Windel für sein Kind gefunden hat. Außerdem kommt es auch darauf an, wie oft das Kind gewickelt wird. Für nachts ist vielleicht eine andere (teurere) Windel notwendig als tagsüber. Bei uns war es so, dass die Pampers ab einem bestimmten Alter plötzlich immer ausliefen – wir sind dann zur Vibelle von Aldi gewechselt und hatten das Problem nicht mehr.

Wo gibt es die billigsten Windeln?

Die günstigsten Windeln gibt es beim Windel-Lkw, der etwa 100 Standorte in ganz Deutschland einmal im Monat anfährt. Dort kosten Windeln pro Stück 12 Cent. Allerdings handelt es sich dabei um 2.-Wahl-Babywindeln verschiedener Marken mit kleinen Schönheitsfehlern. Mehr Infos dazu in diesem Post.

Auf der Seite Sparbaby.de erfahrt ihr, in welchen Supermärkten und Drogerien Pampers-Windeln gerade günstig im Angebot sind. Die Redaktion checkt jeden Montag ca. 40 verschiedene Werbeprospekte. Allerdings weist sie leider nicht den jeweiligen Preis pro Windeln aus, was das Vergleichen erschwert.

Online sind Pampers am günstigsten

Es ist aber nervig, ständig zu schauen, wo es Windeln gerade am billigsten gibt und zeitaufwändig, dann extra zu diesem Drogerie- oder Supermarkt zu fahren. Dauerhaft billiger bekommt man die Pampers-Windeln bei Amazon* . Die Preise dort sind fast identisch, mal ist der eine Shop geringfügig billiger, mal der andere. Zum Zeitpunkt meiner Recherche kosteten die Pampers Baby Dry in der Monatsbox mit 174 Windeln beispielsweise bei Amazon 39,15 Euro und bei Windeln.de 37,98 Euro. Die Pampers Premium Protection gab es in beiden Online-Shops in der Monatsbox (168 Windeln) für 47,58 Euro. Lieferkosten fallen bei beiden Shops ab 29 Euro Warenwert innerhalb Deutschlands nicht an. Und man spart sich das nervige Windel-Geschleppe, da die Windeln bequem nach Hause geliefert werden.

Nochmal billiger wird es, wenn man auf Amazon ein Spar-Abo* abschließt, das bringt zusätzlich 5 Prozent Rabatt. Man kann entscheiden, wie oft man beliefert werden möchte – möglich als Lieferintervall sind 1 bis 6 Monate. Die Kündigung ist jederzeit möglich.

Und am allerbilligsten wird es via Amazon wenn man Prime-Mitglied* ist (das allerdings ist mit Kosten von 69 Euro/ Jahr verbunden). Dann nämlich erhält man  dank Amazon Family* 20 Prozent Rabatt auf Windeln, wenn diese im Spar-Abo gekauft werden.

Fotos: Mamaclever

Eva Dorothée Schmid: Ich bin Journalistin und Mutter eines Sohnes (geb. 2012) und einer Tochter (geb. 2015), wohne in Hamburg und versuche als Mamaclever, Eltern fundierte Antworten auf alle Fragen zu geben, die sich mit Baby, Klein- oder Kindergartenkind so stellen.
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