Wie man Allergien bei Kindern vorbeugen kann

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17 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland leiden an einer Allergie. Dazu zählen Heuschnupfen, Neurodermitis oder Asthma. Allergien sind nicht heilbar, aber man kann ihnen vorbeugen. Die Empfehlungen, wie man ein allergiegefährdetes Kind am besten vor einer Allergie schützt, haben sich in den vergangenen Jahren allerdings oft geändert. Was Schwangere beachten sollten und was in der Ernährung und Umwelt von Babys zur Allergievermeidung wichtig ist – Mamaclever hat den Stand der  derzeitigen Forschung recherchiert.

Das höchste Risiko, eine Allergie zu entwickeln, haben Kinder, deren Elternteile beide die gleiche Allergie haben. Während ein Kind von Eltern ohne Allergien ein Allergierisiko von 15 Prozent hat, liegt es bei Kindern, wo beide Elternteile die gleiche Allergie haben bei 60 bis 80 Prozent. Wenn beide Elternteile allergisch sind, allerdings gegen unterschiedliche Sachen, dann liegt das Allergierisiko des Kindes bei 50 bis 60 Prozent. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass immer nur die Veranlagung, eine allergische Krankheit, Asthma oder Neurodermitis zu entwickeln, vererbt wird, nicht die Allergie selbst. Ob die Krankheit ausbricht und wann, das ist auch von äußeren Faktoren abhängig, also davon, unter welchen Bedingungen ein Kind aufwächst.




Und auf diese Bedingungen kann man durchaus Einfluss nehmen, um das Allergierisiko seines Kindes zu senken. Schon Schwangere können einiges tun, um den Ausbruch von Allergien bei ihrem Kind zu vermeiden und auch in den ersten Lebensjahren kann man auf einiges achten, um das Ausbrechen einer Allergie – die leider nicht heilbar ist – möglichst zu verhindern.

Allergieprophylaxe während der Schwangerschaft

Die Empfehlungen, dass Schwangere auf allergene Nahrungsmittel wie Nüsse oder Fisch verzichten sollen, sind längst überholt. Im Gegenteil gibt es sogar Hinweise darauf, dass Fisch in der Ernährung der Mutter das Allergie-Risiko des Kindes senkt. Am besten ist es, wenn sich Frauen während der Schwangerschaft – und auch während der Stillzeit – vielfältig und ausgewogen ernähren.

Es gibt Hinweise darauf, dass sich der Verzehr von Probiotika auf das Allergierisiko beim Kind positiv auswirkt. Probiotika können natürlicherweise in Lebensmitteln vorkommen oder während der Herstellung zugefügt werden. Lebensmittel, die natürlicherweise Probiotika enthalten sind beispielsweise Natur-Joghurt, die Käsesorten Cheddar, Gruyère, Gouda, Mozzarella und Parmesan, Soja-Getränke und andere Produkte aus fermentierten Sojabohnen, saure Gurken (vielleicht stehen Schwangere deshalb oft da drauf), Kefir, Sauerkraut, Apfelessig, Miso-Suppe, Oliven, frischer Kombucha (nicht aus dem Supermarkt!) und – da werden sich viele freuen – dunkle Schokolade.

Auch eine Ernährung, die reich an Omega-3-Fettsäuren ist, während der Schwangerschaft und Stillzeit, wird als förderlich diskutiert. Für Probiotika und Omega-3-Fettsäuren ist die Studienlage aber nicht eindeutig – so dass beides nicht explizit empfohlen wird. Schaden kann es aber wohl nicht.

Zudem sollten Schwangere nicht rauchen und auch unbedingt Passivrauch meiden. Tabakrauch erhöht das Risiko für das Kind, an Asthma zu erkranken und eine Sensibilisierung mit Allergenen könnte bereits im Mutterleib geschehen.

Allergievorbeugung während der Geburt

In Deutschland wird mittlerweile fast jedes Dritte Kind per Kaiserschnitt geboren. Dabei ist es erwiesen, dass Kinder, die per Kaiserschnitt auf die Welt kommen, ein erhöhtes Allergierisiko haben. Ihr Risiko, an Asthma zu erkranken, ist um 20 Prozent höher als bei vaginal entbundenen Kindern. Wer per Kaiserschnitt auf die Welt kam, ist außerdem signifikant häufiger gegen Nahrungsmittel und Inhalationsallergene sensibilisiert. Das liegt daran, dass der Kontakt des Babys mit Bakterien im Geburtskanal das Immunsystem positiv beeinflusst. Deshalb sollte es für einen Kaiserschnitt immer gute medizinische Gründe geben.

Allergieprävention durch die richtige Säuglingsernährung

Stillen beugt Allergien vorDer beste Schutz vor Allergien ist das Stillen. Es hilft Säuglingen, einen eigenen Schutz vor Allergien aufzubauen. In den ersten vier bis sechs Monaten sollte jedes Baby ausschließlich gestillt werden und das Stillen sollte auch während der Beikosteinführung beibehalten werden.

Ein Zufüttern mit anderen Lebensmitteln sollte in den ersten vier Monaten (17 Wochen) möglichst unterlassen werden. Die frühe Einführung von mehr als vier Lebensmitteln in diesem Alter erhöht das Risiko für eine Allergie zum Beispiel gegen Kuhmilch oder für Asthma – und zwar nicht nur kurzfristig, sondern auch über einen Zeitraum von zehn Jahren.




Wenn das Kind nicht gestillt werden kann oder wenn zugefüttert werden muss, dann sollten allergiegefährdete Kinder mindestens vier Monate lang hydrolysierte Säuglingsnahrung statt oder zusätzlich zu Muttermilch erhalten. Sojamilch als Ersatznahrung wird nicht empfohlen.

Welche HA-Säuglingsersatznahrung ist am besten?

Zur Herstellung der hydrolysierten Säuglingsnahrungen (HA-Nahrungen) werden verschiedene Verfahren angewandt. Sie haben das Ziel, die Milchbestandteile in kleinere Bruchstücke aufzuspalten. Dieses besitzen eine weniger allergene Wirkung als nicht gespaltenes Milcheiweiß. Es gibt sogenannte schwache Hydrolysate und sogenannte starke Hydrolysate. Außerdem gibt es, je nach Ausgangseiweiß, Molken- oder Kaseinhydrolysate. Welche sind nun am besten geeignet, Allergien zu verhindern? In der GINI-Studie hat sich gezeigt, dass das starke Kaseinhydrolysat (Markenname: Nutramigen*) und das schwache Molkehydrolysat (im Handel unter Beba-HA*) eine ähnlich ausgeprägt schützende Wirkung vor Neurodermitis haben, während das starke Molkehydrolysat (Hipp-HA) deutlich weniger wirksam war.

Wann und was als Beikost einführen?

Während früher geraten wurde, auf allergene Lebensmittel wie Nüsse, Eier, Fisch oder Kuhmilch im ersten Lebensjahr komplett zu verzichten, geht man inzwischen davon aus, dass dieses Vorgehen das Allergierisiko möglicherweise sogar noch erhöht. Also dürfen Babys im ersten Lebensjahr alle Lebensmittel bekommen – Nüsse wegen der Erstickungsgefahr natürlich nur gemahlen oder als Mus. Für den Fisch, von dem früher abgeraten wurde, gilt inzwischen, dass es Hinweise gibt, dass der Verzehr von Fisch im ersten Lebensjahr sogar eine Schutzwirkung hinsichtlich der Entwicklung allergischer Erkrankungen hat. Deshalb sollte er in jedem Fall auf dem Speiseplan allergiegefährdeter Kinder stehen.

Wissenschaftler diskutieren auch das so genannte „Window of Opportunity“. Das ist ein Zeitfenster bei kleinen Kindern, wo es wahrscheinlich möglich ist, durch die Einführung von Nahrungsmittelallergenen den Körper dazu zu bringen, diese zu tolerieren. So zeigte die LEAP-Studie, dass Kinder mit einem erhöhten Risiko für eine Nahrungsmittelallergie dann deutlich seltener eine Erdnussallergie entwickelten, wenn sie zwischen dem vollendeten 4. und 11. Lebensmonat Erdnüsse bekommen hatten, als jene Kinder, die Erdnüsse komplett gemieden hatten.

Das „Window of Opportunity“ ist auch der Grund, warum die derzeit gültige S3-Leitlinie zur Allergieprävention aus dem Jahr 2014 besagt, dass die Beikosteinführung nicht verzögert werden sollte. Für die weit verbreitete Annahme, dass längeres ausschließliches Stillen die präventiven Effekte im Bezug auf Allergien verstärkt, gibt es übrigens keine wissenschaftlichen Belege.

Müssen nun alle allergiegefährdeten Kinder sofort ab dem vollendeten 4. Monate Beikost erhalten? Nein, für den individuellen Zeitpunkt der Beikosteinführung ist die individuelle Entwicklung des Kindes ausschlaggebend – auch bei allergiegefährdeten Kindern. Mehr dazu in diesem Post. Die Studienlage zeigt, dass Vorteile einer frühen Beikosteinführung (also zu Beginn des 5. Monats) im Vergleich zu einer späteren Einführung (Beginn des 7. Monats) nicht belegt sind. Für eine noch spätere Beikosteinführung gibt es allerdings Hinweise, dass sie mit einer Risikoerhöhung für Allergien verbunden sein kann.

Was aber tun, wenn das Kind am Ende des 6. Lebensmonat noch kein großes Interesse an Beikost hat? Da ist es gut zu wissen, dass die Menge, die das Kind an Beikost zu sich nimmt, nicht so entscheidend ist. Auch wenn das Kind mit nur sehr geringen Mengen von potentiellen Allergenen in Berührung kommt, hilft das schon viel für die Allergieprophylaxe.

Was in der Umgebung des Kindes wichtig ist, um Allergien zu vermeiden




      • Katze als HaustierKeine Katzen: Haustiere erhöhen das Risiko, eine Allergie zu entwickeln, in der Regel nicht. Es ist sogar so, dass Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen, seltener an Allergien erkranken als Stadtkinder. Nur bei Risikokindern, das heißt wenn ein oder beide Eltern eine Allergie haben, gilt die Empfehlung, dass man sich keine Katze anschaffen sollte. Einzelne Studien zeigen, dass die vorbelasteten Kinder dadurch ein erhöhtes Risiko hätten, an Neurodermitis zu erkranken. Hundehaltung ist übrigens nicht mit einer höheren Allergie-Wahrscheinlichkeit verbunden.
      • Nicht renovieren: Luftschadstoffe wie Formaldehyd oder flüchtige organische Verbindungen stehen im Verdacht, das Risiko für Allergien, insbesondere für Asthma, zu erhöhen. Diese Stoffe werden beispielsweise aus neuen Möbeln oder beim Renovieren aus Farben und Lacken freigesetzt. Deshalb sollte man in den ersten zwei Lebensjahren des Kindes möglichst nicht renovieren und auch nicht in eine frisch renovierte Wohnung ziehen.
      • Schimmel vermeiden: Schimmelpilz-Sporen können ebenfalls Allergien auslösen. Schon vorhandene Schimmelflecken sollten deshalb unbedingt beseitigt werden und man sollte feuchte Stellen in der Wohnung vermeiden, denn dort gedeiht Schimmel besonders gut.
      • Kontakt zu Kindern: Es gibt Belege, dass Kinder, die in den ersten zwei Lebensjahren eine Kita besuchen oder mehrere ältere Geschwister haben, besser vor Allergien geschützt sind. Vermutlich stärken diese Lebensbedingungen das Immunsystem des Kindes.

    Fotos: www.allergiecheck.de, Mamaclever, Pexels.com (2)

     

Ein Kommentar

  1. Ganz ehrlich. es ist bewiesen das wir viel zu „unnatürlich“ und steril aufwachsen. Wir sollten anstatt usere Kinder immer in einer künstlichen „hygienischen“ seifenblase aufwachsen zu lassen, im dreck spielen lassen, herumkrabbeln lassen oder auch mal dreckig sein lassen.

    Wenn ich schon sehe wie mütter übereifrig ihre kleinen mit reinigungstüchern, mit desinfektionsmitteln und mit sonstigem schnack von oben bis unten abputzen damit die ja in einer sterilen umgebung aufwachsen, dann ist es normal das der körper irgendwann mit kleinigkeiten überfordert ist.

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