Warum man keine Angst vor beliebten Vornamen haben muss

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Die Top 10 der beliebtesten Vornamen 2016Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat gerade wieder die beliebtesten Vornamen veröffentlicht. 2016 stehen Marie/Mari und Elias an der Spitze. Viele Eltern versuchen, einen Namen aus der Top 10 zu vermeiden – sie haben Angst, dass dann später in der Kitagruppe oder Schulklasse mehrere Kinder wie ihr Kind heißen. Doch diese Angst ist vollkommen unbegründet.

Wenn jährlich die beliebtesten Vornamen des Vorjahres veröffentlicht werden, dann schauen viele Eltern eher ängstlich, ob der Name des eigenen Kindes in der Top 10 auftaucht. Und zahlreiche Schwangere scannen die Listen um zu sehen, ob ihr Favorit ganz vorne mit dabei ist. Wenn das der Fall ist, erwägen sie nicht selten, dem Kind einen anderen Namen zu geben. Wer möchte schließlich, dass fünf Kinder auf dem Spielplatz aufschauen, wenn man sein eigenes Kind ruft? Der eigene Nachwuchs soll schließlich etwas Besonderes sein und nicht so heißen wie jeder.




Laut Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) waren die beliebtesten Mädchenvornamen 2016:

  1. Marie/Mari
  2. Sophie/Sofie
  3. Sophie/Sofia
  4. Maria
  5. Emma
  6. Emilia
  7. Mia
  8. Anna
  9. Hannah/Hanna
  10. Johanna

Bei den Jungen waren die beliebtesten Vornamen 2016

  1. Elias
  2. Alexander
  3. Maximilian
  4. Paul
  5. Leon/Léon
  6. Louis/Luis
  7. Ben
  8. Jonas
  9. Noah/Noa
  10. Luca/Luka

Zu dieser Liste muss man allerdings wissen, dass dafür zwar über 1 Million Namen ausgewertet wurden, allerdings wurde nicht unterschieden, ob es sich um den Erst-, Zweit- oder Drittnamen handelt. Das erklärt beispielsweise, warum die Namen Marie, Sofie, Maria und Alexander so weit vorne auftauchen – sie sind als Zweitnamen sehr beliebt. Immerhin 35 Prozent aller Kinder haben 2016 zwei Namen von ihren Eltern bekommen, drei Prozent der Kinder tragen sogar drei Namen.




Die GfdS hat auch eine Liste mit den beliebtesten Erstnamen herausgegeben. Dafür wird auf der Grundlage einiger detaillierterer Standesamtsdaten festgestellt, welche Namen eher als Erst- und welche als Folgenamen vergeben werden. Die Liste unterscheidet sich geringfügig von jener, die der Hobby-Namensforscher Knud Bielefeld regelmäßig herausgibt. Er wertet Geburtsmeldungen aus und erfasst zirka 26 Prozent aller in Deutschland geborenen Kinder. Bielefeld berücksichtigt für seine Liste nur die ersten Vornamen. Die Listen sind nicht identisch, aber sie sind sich sehr ähnlich, wie folgende Tabelle zeigt.

Die beliebteste Erstnamen 2016

Mädchen GfdS Mädchen Knud Bielefeld Jungen GfdS Jungen Knud Bielefeld
1. Sophia/Sofie Mia 1. Jonas Ben
2. Emma Emma 2. Elias Paul
3.Hannah/Hanna Sophia/Sofia 3. Ben Jonas
4. Mia Hannah/Hanna 4. Leon/Léon Elias
5. Emilia Emilia 5. Luca/Luka Leon/Léon
6. Anna Anna 6. Noah/Noa Finn/Fynn
7. Mila Marie 7. Paul Noah/Noa
8. Leah/Lea Mila 8. Louis/Luis Luis/Louis
9. Lena Lina 9.Lukas/Lucas Lukas/Lucas
10. Marie Lena 10. Finn/Fynn Felix

Die Zahl der Vornamen, die in Deutschland mittlerweile vergeben wird, ist sehr groß: Die GfdS hat 67.079 verschiedene Vornamen im Jahr 2016 erfasst. Davon wurden 67 Prozent nur ein einziges Mal vergeben. Das heißt, nur ein Drittel aller Namen wurde überhaupt an mehrere Kinder vergeben.

Die beliebtesten Namen sind gar nicht so häufig

Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die ganz vorne platzierten Mädchennamen Marie und Sophie nur in 2,77 Prozent aller Vornamenseintragungen für Mädchen vergeben wurden. Das heißt, insgesamt tragen deutschlandweit nur jeweils rund 14.000 Mädchen den Namen Marie oder Sophie – von insgesamt rund 359.000 geborenen Mädchen (die genaue Geburtsstatistik liegt noch nicht vor). Das entspricht nicht mal vier Prozent aller Mädchen.  In einer Schulklasse mit 25 Kindern dürfte statistisch deshalb nur ein einziges Kind den Namen tragen. Und wenn man dann bedenkt, dass einige der 14.000 Mädchen den Namen lediglich als Zweitnamen oder Drittnamen bekommen haben, dann wird klar, dass ein Platz in der Top 10 der beliebtesten Vornamen kein Grund ist, einem Kind diesen Namen nicht zu geben, wenn er einem gefällt.




Bei den Jungsvornamen werden die Bestplatziertesten sogar noch seltener vergeben. In nur 1,42 Prozent aller Namensvergaben bei Jungen wurde der Name Elias gewählt. Das bedeutet, so heißen nur rund 7.600 von rund 378.000 geborenen Jungs und nicht bei allen ist dies der Erstname.

Insgesamt tragen laut GfdS nur 16 Prozent aller Mädchen und 12 Prozent aller Jungs einen Namen aus der Top 10.

Deshalb sollte sich wirklich niemand davon abhalten lassen, seinem Kind den Name zu geben, der ihm gefällt – auch wenn er beliebt ist. Eure Kinder leiden später sicher eher an einem sehr ausgefallenen Namen, den sie ständig buchstabieren müssen, als an einem aus den Top 10.

Bild: Worditout.com unter CC BY-NC-ND

4 Kommentare

  1. Ich selber heiße Anna und hatte in meiner Schulzeit in einer Kleinstadt mit rund 10.000 Einwohnern noch drei weitere Annas in meiner Klasse, die rund 18 Kinder umfasste. Wahrscheinlich ein dummer Zufall, jedoch hatten wir schließlich alle Spitznamen, die auch die Lehrer nutzen und konnten so gut auseinander gehalten werden.
    Aber auch heute in der Universität laufen mit noch übermäßig viele Namensvetter über den Weg. Es nervt mich schon mittlerweile. Ich werde versuchen, einen Namen aus der Top-10 zu vermeiden, obwohl sie mir sehr sehr gut gefallen.

    • Hallo Anna,
      Früher wurden viel weniger verschiedene Namen vergeben als heute. Deshalb sind Top10-Namen heute nicht mehr so häufig wie in Deiner Kindheit.

      Liebe Grüße,
      Eva Dorothée

  2. In der Krippengruppe meines Sohnes heißt die Hälfte der Mädchen Lea-Sophie bzw. Lea-Sophia… d.h. 3 Mädchen. Bei den Jungs häuft sich Leo, Leon etc.
    Regional sehe ich auch bei manchen Namen Unterschiede, was in einem Teil von Deutschland beliebt ist, ist in einem anderen relativ selten.
    Und solange solche „normalen“ Namen in den Top Ten stehen, ist doch alles gut 🙂

  3. Naja, wenn ich sehe wie viele „Finn Luca“, luis, sofie, Marie und Emma in der kita meines Kindes sind… Aber früher war es nicht anders. Thomas, Michael, Stefan, Benjamin, Sebastian, alles Klassiker. Ich saß eine Zeit lang mit 3 weiteren Ninas in einer Klasse…

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