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Beikost einführen: Wann, wie und warum?

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BeikoststartUngefähr sechs Monate lang sollten Babys ausschließlich gestillt werden oder Pre-Milch erhalten, danach ist es Zeit, Beikost einzuführen. Woran du erkennst, ob dein Baby reif für Brei ist, mit welchen Lebensmitteln man am besten anfängt und warum Kinderärzte in Sachen Beikost oft keine guten Ratgeber sind, erfährst du hier.

Viele Mütter werden viel zu früh von Kinderärzten dazu gedrängt, nun doch endlich mit Brei anzufangen, weil das Baby vermeintlich nicht mehr genug Nährstoffe aus der Muttermilch bekommt. Dazu müsst ihr wissen, dass Kinderärzte zwar Experten sind, was Krankheiten betrifft, mit Säuglingsernährung kennen sie sich häufig allerdings nicht besonders gut aus, denn das lernen sie in ihrem Studium schlicht und einfach nicht und so kommt es, dass viele falsche oder veraltete Empfehlungen abgeben. Wenn sie zu diesem Thema Fortbildungen besuchen, dann werden diese nicht selten von den Herstellern von Babykost veranstaltet. Mehr Informationen zu diesem Thema hat Lena vom Apfelgarten zusammengetragen.

Beikost-Empfehlungen unabhängiger Organisationen

Die Gläschen der Babykosthersteller tragen groß die Aufschrift „Ab 4. Monat“ und suggerieren, dass man schon zu diesem Zeitpunkt zufüttern sollte. Das ist zwar nicht im Interesse des Kindes, aber in dem der Babynahrungshersteller, denn je früher die Säuglinge mit Gläschenkost gefüttert werden, desto höher die Verkaufszahlen. Die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist dagegen eine andere. Sie lautet seit 1990 für die gesamte Welt, dass Babys sechs Monate lang ausschließlich gestillt werden sollten oder Säuglingsersatznahrung (das bedeutet Pre-Milch) bekommen sollten. Diese Empfehlung besteht seit über 25 Jahren unverändert, in Deutschland wurde das Alter, in dem man Beikost einführen soll, dagegen immer mal wieder geändert. Und es ist zu vermuten, dass Lobbyisten daran nicht ganz unschuldig waren.




Auch die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) hat sich mit dem Thema Beikosteinführung befasst und kommt auf Basis der verfügbaren Studien für gesunde, reif geborene Säuglinge in Industrieländern zu folgenden Empfehlungen: Das ausschließliche Stillen in den ersten sechs Monaten ist für die Mehrheit der Säuglinge in Europa die ausreichende Ernährung, in Abhängigkeit von Wachstum und Entwicklung kann es in einigen Fällen notwendig sein, Beikost bereits früher zu füttern, aber keinesfalls vor dem vollendeten 4. Monat. Die EFSA sagt auch, dass die Einführung von Beikost – bei fortgesetztem Stillen – zwischen dem Beginn des 5. und 7. Monats keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit hat, das gilt sowohl kurz- als auch langfristig. Und mit der Fütterung von glutenhaltiger Beikost sollte möglichst begonnen werden, solange noch gestillt wird, aber nicht später als zu Beginn des 7. Monats.

Die Nationale Stillkommission in Deutschland sagt, ausschließliches Stillen sei in den ersten sechs Monaten für die Mehrzahl der Säuglinge die ausreichende Ernährung. Beikost sollte in der Regel nicht später als zu Beginn des siebten und keinesfalls vor dem Beginn des fünften Lebensmonats gegeben werden. Und weiter: „Beikosteinführung bedeutet nicht Abstillen, sondern eine langsame Verminderung der Muttermilchmengen und Stillmahlzeiten“. Beikost sollte unter dem Schutz des Stillens eingeführt werden, denn die Beikosteinführung und das zeitgleiche Stillen sind erwiesenermaßen ein präventiv wirksamer Schutz vor Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

Es heißt nicht umsonst Beikost und nicht Anstattkost! Muttermilch oder Pre-Milch sollte im ersten Lebensjahr weiterhin eine wichtige Nahrungsquelle sein. Die Empfehlung, sechs Monate ausschließlich zu stillen, macht Sinn, denn Studien haben gezeigt, dass exklusives Stillen über diesen Zeitraum hinweg nachweislich das Risiko senkt, an Atemwegsinfektionen, Lungen- und Mittelohrentzündung zu erkranken. Auch das Risiko für Magen-Darm-Infektionen, Adipositas und verschiedene chronische Erkrankungen kann so reduziert werden.




Aber warum muss man überhaupt Beikost einführen? Ab dem Alter von sechs Monaten benötigt das Baby mehr Nährstoffe und Kalorien als die Muttermilch bereitstellt. Wenn man Beikost nicht einführt, kann es passieren, dass das Wachstum stockt. Aber es ist total okay, wenn sich das Baby viel Zeit lässt, bis es größere Mengen Beikost isst. Die WHO empfiehlt, dass Babys im Alter von sechs bis acht Monaten zwei bis dreimal täglich Beikost bekommen und von neun bis elf Monaten drei bis viermal täglich und im Alter von zwölf bis 24 Monaten zusätzlich noch ein bis zwei Snacks.

Ist mein Kind bereit für Beikost?

Ob ein Kind so weit ist, erkennt man an folgenden Beikostreifezeichen:

• es ist in der Lage aufrecht zu sitzen auf dem Schoss oder leicht gestützt in einem Hochstuhl

• es kann Kaubewegungen machen. Dazu muss der Zungenstoßreflex (auch Ausspuck-Reflex genannt) verschwunden sein, der bei jüngeren Babys kleine Gegenstände reflexhaft direkt wieder aus dem Mund heraus befördert

• es kann selbst gezielt nach Nahrung greifen, zunächst mit der ganzen Hand, später im Pinzettengriff, und diese dann zum Mund führen

• es zeigt ein gesteigertes Stillbedürfnis, das sich nicht mit einer Erkrankung, mit Zahnen oder Veränderungen in seiner Umgebung oder in seinem Tagesablauf erklären lässt

• Es zeigt starkes Interesse an der Nahrungsaufnahme anderer

Wie aber anfangen mit Beikost? Traditionellerweise bekommen Babys hierzulande Brei, zuerst einen Gemüsebrei, später dann Gemüse-Fleischbrei, gefolgt vom Getreidebrei mit Obst. In anderen Ländern gehen Eltern dagegen ganz anders vor, da wird beispielsweise mit Obst begonnen oder mit Reisbrei. Und mit Baby Led Weaning (Babygeführtes Abstillen, kurz BLW) greift gerade ein neuer Trend um sich, bei dem Kinder nicht  mit Brei gefüttert werden, sondern sofort feste Nahrung bekommen, die sie selbst auswählen.

Am besten ihr geht das Thema ganz entspannt an, wie es für euch und euer Kind passt. „Die beste Methode zum Beifüttern ist nicht bekannt“, schreibt die American Academy of Pediatrics, die Vereinigung der amerikanischen Kinderärzte. Und deshalb kann man auch nicht viel falsch machen, egal für welche Methode man sich entscheidet. Das gilt übrigens auch für allergiegefährdete Kinder. Eine frühere Empfehlung lautete, allergene und glutenhaltige Lebensmittel im ersten Lebensjahr zu meiden. Diese Empfehlung ist überholt. Wichtig ist nur, dass während der Einführung von allergenen oder glutenhaltigen Lebensmitteln noch gestillt wird. Zudem haben viele Studien gezeigt, dass der Einfluss der Ernährung auf die Entstehung einer Allergie minimal ist.

Generell ist es sinnvoll, mit milden, leicht verdaulichen Lebensmitteln zu beginnen und nicht zu viel zu mischen, damit man beurteilen kann, was das Baby verträgt und was nicht.

Brei als Beikost

Eine mögliche und für Deutschland vom Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) empfohlene Vorgehensweise ist, dem Kind zunächst als Mittagsmahlzeit einige Teelöffel fein püriertes Gemüse zu geben, anschließend erhält es wie gewohnt Milch, bis es satt ist. Als Anfangsgemüse kommen Karotten, Pastinaken, Kürbis, Blumenkohl, Brokkoli, Kohlrabi, Fenchel oder Zucchini in Frage. Die Menge wird langsam auf ungefähr 100 Gramm gesteigert, dann werden die weiteren Zutaten nach und nach ergänzt.

Nach etwa einer Woche kann man den Brei um eine gegarte Kartoffel und 1 Eßlöffel Rapsöl ergänzen. Und als letzter Schritt kommen dann noch 30 Gramm mageres Fleisch und 1,5 Eßlöffel Obstsaft hinzu. Das Fleisch kann man danach gelegentlich durch Fisch (beispielsweise Lachs) ersetzen, außerdem kann man auch mal Nudeln oder andere Getreideprodukte zugeben.
Etwa einen Monat nach Einführung des ersten Breis wird abends oder nachmittags eine weitere Milchmahlzeit durch einen (Milch-)Getreidebrei ersetzt, dem vitaminreicher Obstsaft oder Obstpüree zugefügt wird. Diesen Brei kann man ganz einfach selber machen, indem man Getreideflocken (Hirse-, Reis-, Hafer- oder Dinkelflocken, Grieß) mit Vollmilch oder Premilch anrührt und dann Obstsaft oder ein paar Löffel Obstpüree hinzufügt. Solange man stillt, benötigt das Baby keine Kuh- oder Premilch, den Brei rührt man dann einfach mit Wasser an. Empfehlenswert ist es, mit einer glutenfreien Sorte (Hirse oder Reis) zu beginnen.
Einen weiteren Monat später wird dann der dritte Brei, der Getreide-Obst-Brei eingeführt. Getreideflocken werden dazu mit Wasser angerührt  und es wird püriertes Obst der Jahreszeit hinzugefügt, außerdem Rapsöl.

Baby Led Weaning: Besser als Brei?

Die von der britischen Hebamme und Stillberaterin Gill Rapley entwickelte Beikostmethode Baby Led Weaning wird hierzulande immer beliebter. Bei Baby Led Weaning, kurz BLW, handelt es sich um eine Ernährungsform, bei der das Baby die Zeit des Übergangs von der Muttermilch zur Familienernährung selbst steuert. Es ist bei den Familienmahlzeiten mit dabei, nimmt sich – wenn es bereit ist und mag – angebotene kleine Stückchen und füttert sich selbst. Die wichtigsten Regeln dabei sind, dass das Kind aufrecht sitzt, ihm das Essen nie in den Mund gesteckt, sondern immer vom Kind selbst genommen und gegessen wird und dass man das Kind beim Essen nicht alleine lässt.




Bei dieser Beikostmethode wird darauf vertraut, dass das Kind auch im zweiten Lebenshalbjahr (zuvor soll es ja auch nach Bedarf gestillt oder gefüttert werden) selbst sehr genau weiß, was und wie viel es braucht, um gut zu gedeihen. Es gibt bisher allerdings nur wenige Studien, die die Energie- und Nährstoffzufuhr sowie das Wachstum und die Gesundheit bei Säuglingen, bei denen BLW gemacht wurde, untersucht haben. Deshalb kritisieren die Ernährungskommission der Deutschen Fachgesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und das FKE diese Methode. Sie sagen, die ausreichende Versorgung mit Nährstoffen sei bei konsequentem BLW nicht sicher gewährleistet. Anders als im Ernährungsplan für das 1. Lebensjahr des FKE sei die Versorgung des Kindes durch Muttermilch bzw. Säuglingsmilchnahrung und jene durch die Beikost nicht aufeinander abgestimmt.

Der Vorteil von BLW liegt allerdings darin, dass der Säugling Nahrung so mit allen Sinnen erfahren und spielerisch  eine gesunde Ernährung entdecken kann. Zudem erleichtert ein frühes Angebot an vielfältigen Geschmacksrichtungen und Konsistenzen die Akzeptanz für neue Lebensmittel. Die Vielfalt bei Breifütterung ist meist viel geringer. Dass die alternative Beikostmethode einem wählerischen Essverhalten im Kleinkindalter besser vorbeugt als die traditionelle Beikostmethode, konnte eine Studie aus Großbritannien allerdings nicht zeigen.

Beikost als Fingerfood und die traditionelle Breieinführung müssen sich nicht ausschließen und man kann ganz pragmatisch beide Fütterungsmethoden kombinieren – das empfiehlt übrigens auch die WHO.

Was darf nicht gefüttert werden?
Honig dürfen Kinder unter einem Jahr nicht bekommen, weil darin gelegentlich das Bakterium Clostridium botulinum als Verunreinigung auftritt. Wenn das in den Säuglingskörper gelangt, dann kann das schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. Zudem sollten Kinder wegen Erstickungsgefahr keine Nüsse bekommen und auch keine ganzen runden Früchte wie Weintrauben, Blaubeeren oder Johannisbeeren. Zudem sollte man so weit wie möglich auf zugesetzten Zucker und Salz verzichten.
Und Vollmilch sollten Kinder unter einem Jahr nicht als Getränk, sondern nur im Milch-Getreide-Brei bekommen. Andere Milchprodukte wie Quark oder Früchtejoghurt sollten im ersten Lebensjahr ebenfalls noch nicht gefüttert werden.

Weitere Informationen:
Eine Studie, die positive Effekte des BLW fand gibt es unter
http://bmjopen.bmj.com/content/2/1/e000298.full

Ein Artikel, der BLW kritisch betrachtet:
http://www.fke-do.de/temp/explorer/files/pdf2014/Hi_2014_Moki_BLW.pdf

Hier kann man überprüfen, was in Gläschenkost drin ist und gezielt nach Produkten mit oder ohne bestimmte Inhaltsstoffe suchen:
https://verbraucherfenster.hessen.de/service/babynahrung-produktsuche

Foto: Mamaclever

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