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Tipps zum Bahnfahren mit Kind: So wird die Reise entspannt

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Bahnfahren mit KindEigentlich ist die Bahn ein tolles Fortbewegungsmittel für Familien. Doch wer sich vorher nicht informiert, dem kann es schnell passieren, dass er zur einzigen Wickelgelegenheit durch den gesamten Zug laufen muss oder mit seinem Kinderwagen in den oft recht schmalen Gängen steckenbleibt. Mamaclever hat für euch alles zusammengetragen, was ihr zum Thema Bahnfahren mit Baby oder Kleinkind wissen müsst.

Die Kinder müssen in der Bahn anders als im Auto nicht die ganze Zeit stillsitzen und auch nicht angeschnallt sein, sie kosten unter 6 Jahren anders als im Flugzeug nichts und für dringende Bedürfnisse wie den Klogang oder Hunger muss man nicht extra die Fahrt unterbrechen: All das spricht dafür, mit Kleinkindern die Bahn als Fortbewegungsmittel zu wählen. Dennoch hat so eine Bahnfahrt mit Kleinkind ihre Tücken – wenn man nicht weiß, worauf man bei der Buchung oder beim Einstieg achten sollte.

Spezielle Bereiche für Familien

Intercity- und ICE-Züge verfügen jeweils über ein Kleinkindabteil, das sich insbesondere an Reisende mit Kindern im Alter von 0 bis 3 Jahren richtet, aber reservierbar ist es auch, wenn man bei der Buchung angibt, dass man mit Vier- oder Fünfjährigen reist. Je nach Zugtyp kann die Lage des Kleinkindabteils im Zug leicht variieren, es liegt aber immer in der Nähe des Zugchefabteils zwischen erster und zweiter Klasse. Der Standort des Kleinkindabteils ist im Wagenstandsanzeiger auf dem Bahnsteig mit einem Piktogrammsymbol gekennzeichnet.




Ausgestattet sind diese Kleinkindabteile je nach Zugtyp sehr unterschiedlich. Laut Bahn verfügen sie „in der Regel über Sitzplätze an einem Tisch, der sich zum Malen oder Spielen eignet“. In älteren ICEs, und von denen gibt es gar nicht wenige,  sowie in manchen EC- und IC-Zügen besteht das Kleinkindabteil allerdings häufig aus einem stinknormalen 6er-Abteil, das sich von normalen Abteilen nur dadurch unterscheidet, dass es außen einen Aufkleber trägt, der es als Kleinkindabteil ausweist.

Es gab eine Zeitlang mal in einigen ICE-Zügen Kleinkindabteile mit Spieleecken, wo zur Bespaßung der kleinen Fahrgäste sogar ein Kletterturm, ein Wipp-Motorrad sowie eine Spielewand eingebaut waren. Das ist Vergangenheit, die Spielgeräte wurden überall abgebaut, um zusätzlichen Platz und Stellflächen für Kinderwagen zu schaffen. Laut Bahn sollen die Kleinkinderabteile nun aber neu und farbenfroher gestaltet werden – mit Wandspielen und Tischen in Wimmelbildoptik, auf denen Kinder mit kleinen ICE-Spielfiguren spielen können.

Wer Glück hat, findet im ICE 2, ICE3 oder ICE T ein geräumigeres Abteil vor, in das sogar ein Kinderwagen passt. Wichtig zu wissen ist noch, dass man die Kleinkindabteile zum Gang hin nicht verdunkeln kann, die Beklebung bietet lediglich einen Blickschutz. Aber das ist für Stillende ja auch schon mal viel wert.

Pro Zug gibt es in der Regel nur  ein einziges Kleinkindabteil – dass das oft nicht reicht, hat inzwischen auch die Bahn bemerkt. Deshalb bietet sie seit Dezember 2015 auch Familienbereiche in fast allen ICE-Zügen (mit Ausnahmen im grenzüberschreitenden Verkehr, vor allem in Richtung Skandinavien). Dabei handelt es sich um Sechser- oder Großraumabteile, die wie die Ruhebereiche mit Banderolen und Aufklebern gekennzeichnet sind und nur von Familien reserviert werden können. Je nach  Zuglänge stehen damit zwischen 8 und 24 Plätze zusätzlich für Reisende mit Kindern zur Verfügung.

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Für Familien bis 5 Personen (max. 2 Erwachsene und bis zu 3 Kinder) bietet die Bahn für 9 Euro eine Familienreservierung an, die etwas günstiger als eine normale Reservierung ist. Wenn ihr bei der Onlinebuchung Kleinkinder in die Maske „Kinder 0-5 J“ eintragt, bietet euch das System auch das Kleinkindabteil zur gezielten Buchung an. Wer sich das Geld für die Reservierung sparen will und nur zu zweit unterwegs ist, für den ist es interessant zu wissen, dass zwei Plätze pro Kleinkindabteil generell freigehalten werden, um auch spontan entschlossenen Reisenden mit kleinen Kindern einen Platz bieten zu können. So hat es mir jedenfalls eine Bahn-Sprecherin gesagt.




Das bedeutet natürlich auch, dass ihr mit eurem Kind/euren Kindern aller Voraussicht nach nicht allein in dem Kleinkindabteil sein werdet, was je nach Alter der Kinder von Vor- oder Nachteil sein kann. Wir jedenfalls haben mit einem Baby das Abteil gemieden, den das wäre durch ältere Kinder eher gestört worden. Mit einem Dreijährigen ist die Fahrt im Kinderabteil dagegen viel entspannter, wenn zufälligerweise noch ein anderes gleichaltriges Kind mit im Abteil ist.

Wo kann ich Windeln wechseln?

In jedem Rollstuhl-WC der ICE-Züge ist ein ausklappbarer Wickeltisch zu finden – allerdings gibt es pro Zug nur ein einziges Rollstuhl-WC. Wer am anderen Ende des Zuges sitzt, der muss einen sehr langen Weg in Kauf nehmen -das solltet ihr bedenken, wenn ihr außerhalb des Kleinkindabteils reserviert oder einfach so in den Zug steigt.

Die Kleinkindabteile befinden sich allerdings beim ICE 1, ICE 2 und ICE 3 in unmittelbarer Nähe des Rollstuhl-WCs. Und beim ICE T, wo es einen Abstand von mehreren Wagen zwischen Kleinkindabteil und Rollstuhl-WC gibt, wurde ein zusätzlicher Wickeltisch direkt in das Kleinkindabteil integriert.

In älteren IC-Zügen werden Wickeltische in den Rollstuhl-WCs der 2. Klasse angeboten, teilweise führen einige Zugverbände zwei solcher WCs. Und im neuen Intercity 2 gibt es den Kleinkindbereich im Obergeschoss des Steuerwagens. Im Untergeschoss des gleichen Wagens befindet sich das WC mit Wickeltisch sowie eine Stellfläche für Kinderwagen.

Wohin mit dem Kinderwagen?

„Kinderwagen sind für uns eine Herausforderung, vor allem wenn fünf, sechs Familien damit einsteigen“, heißt es bei der Bahn. Nur in den größeren Kleinkindabteilen ist Platz für einen Kinderwagen. In der 1. Klasse, die meist neben dem Kleinkindabteil beginnt, gibt es einen Stellplatz für einen Rollstuhlfahrer. Dort stellen viele Eltern ihren Kinderwagen ab, aber wenn ein Rollstuhlfahrer kommt, hat der laut Bahn Vorrang. Und wenn Kinderwagen in den Gängen oder vor den Türen geparkt werden, dann sind Fluchtwege versperrt und ihr könnt vom Zugbegleiter aufgefordert werden, den Wagen dort zu entfernen.




Vor allem Kinderwagen, die man nicht so zusammenklappen kann, dass man sie in den Gepäckfächern verstauen kann, stellen ein Problem dar. Das gilt auch für Fahrradanhänger und für dreirädrige Sportkinderwagen und von Geschwister- bzw. Zwillingswagen wollen wir gar nicht erst reden. Wenn man Pech hat, passen die nicht mal durch die Türen und Gänge des Zuges. Der Großteil der IC-Züge hat eine Türbreite von 80 Zentimeter, die ICEs haben fast immer 90 Zentimeter breite Türen. Die Breite der Gänge variiert je nach Bauart zwischen 50 Zentimeter (ICE T, 2. Klasse) und 74 Zentimeter (ICE 2, 1. Klasse). Eine genaue Übersicht gibt es hier.

Wenn es irgendwie geht, lasst den Kinderwagen zu Hause und transportiert euer Kind im Tragetuch oder in der Tragehilfe! Wenn das keine Option ist, prüft, ob ihr euch den Kinderwagen über den Gepäckservice der Bahn vorausschicken lassen könnt. Das kostet seit kurzem für Kinderwagen nur noch so viel wie für einen normalen Koffer, nämlich 17,50 Euro. Wer neben dem Kind nicht auch noch das Gepäck schleppen will, kann dieses ebenfalls vorausschicken lassen.

Kinder-Unterhaltung im Zug

Wie schon geschrieben sind die Zeiten von Klettertürmen und Wippen im Zug vorbei. Stattdessen gibt es teilweise Tische, Wände und Teppiche in den Kleinkindabteilen, die bespielt werden können. Manche Schaffner haben Kinderfahrkarten dabei (einfach danach fragen), und wenn man die im Bordbistro vorlegt, bekommt das Kind eine kleine Überraschung, beispielsweise eine kleine ICE- oder Busfigur, ein Malbuch und Stifte. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann hier schon vor Fahrtantritt eine Kinderfahrkarte ausdrucken, mit der man ebenfalls das kleine Präsent (sofern vorrätig…) im Bordbistro erhält.

Welche Zeiten meiden?

Besonders stressig ist das Bahnfahren mit Kind Freitag Nachmittag und Freitag Abend, denn dann sind die Züge wegen der Berufspendler sehr voll. Wenn möglich, lieber auf den Sonnabend ausweichen, dann wird die Fahrt sicher sehr viel entspannter – und oft auch günstiger, denn für Sonnabende gibt es häufiger Sparpreise.



Wer außerhalb des Kleinkindabteils reserviert, sollte unbedingt darauf achten, dass er mit seinen lebhaften Kleinkindern nicht aus Versehen im Ruhebereich landet. Laut Bahn ist im Reservierungssystem seit dem letzten Fahrplanwechsel allerdings eine neue Logik hinterlegt, damit dies Familien nur dann angeboten wird, wenn es überhaupt keine anderen Plätze mehr gibt.

Und zuletzt noch ein Wort zur Sicherheit: Der Albtraum einer jeden Mutter ist es, wenn der  Zug mit dem Kind losfährt und sie noch am Bahnsteig steht. Deshalb beim Einstieg immer daran denken: Erst den Koffer, dann das Kind in den Zug heben. Auch beim Aussteigen gilt: zuerst das Gepäck, dann das Kind. So verhindert ihr, dass die Kleinen unbeaufsichtigt auf dem Bahnsteig herumlaufen.

Wegen der Steckdosen, die ganz praktisch sind, um beispielsweise den Fläschchenwärmer zu  nutzen, muss man sich übrigens keine Sorgen machen. Alle Steckdosen im Zug sind kindergesichert.

 Fotos: Mamaclever, Bahn

3 Kommentare

  1. Liebe Eva,

    eben habe ich Deine Tipps zum Bahnfahren gelesen. Der Artikel ist total umfangreich, allerdings fehlt mir noch ein Punkt.
    Kennst Du auch den „Mobilitäts-Service“? Ein Anruf bei der Bahn genügt und man bekommt mit Kind und Kinderwagen dieselbe Hilfe wie ein Rollstuhlfahrer.
    Man trifft sich mit einem Service Mitarbeiter der Bahn am Service Point im Bahnhof. Der Mitarbeiter bringt einen zum Zug und hilft beim Einsteigen mit dem Kinderwagen. Das Beste ist allerdings, bucht man den Service für eine Strecke und muss umsteigen, wartet am Umsteige Bahnhof der nächste Bahn Mitarbeiter. Dadurch habe ich schon Züge erwischt, die ich alleine, aufgrund einer Verspätung, nie mehr bekommen hätte. Vor allem wissen die Mitarbeiter auch, wenn sich die Zugreihung ändert und die Abteile ganz anders geordnet sind. Man rennt also nicht mehr wie wild über den Bahnsteig und sucht sein Kleinkindabteil. Das ist so entspannend und es kostet rein gar nicht!

    Viele Grüße aus München
    Anika

  2. Hallo Eva,
    das ist ja ein super Artikel, dem habe sogar ich kaum was hinzuzufügen! 🙂

    Zwei Ergänzungen habe ich trotzdem: 1. Bei unserer letzten Zugfahrt hatten auch Zuggäste im Familienbereich reservierte Plätze, die definitiv kinderlos reisten. Das ist eigentlich blöd, weil Familien ohne Reservierung dann erst mal suchen gehen müssen. 2. Sonntagnachmittag ist es auch sehr voll, wieder wegen der Pendler; ohne Reservierung braucht man es gar nicht probieren.

    Den Gepäckservice könnte ich tatsächlich auch mal gebrauchen, das ist eine gute Idee.

    Wie du schon so schön bemerkt hast, gibt’s bei mir auch was zum Zugfahren mit Kind zu lesen, unter anderem hier: http://lifeaintover.de/2016/03/24/zug-fahren-mit-baby-kleinkindabteil-und-familienbereich-im-ice/

    Viel Spaß bei der nächsten Reise 🙂
    Andrea

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