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Die Geburt natürlich einleiten

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Hochschwanger1Der berechnete Geburtstermin rückt näher oder ist sogar schon verstrichen, der Bauch ist riesig und die Schwangerschaft wird zunehmend beschwerlicher. Da wünschen sich viele Frauen, dass es nun endlich losgehen möge mit der Geburt. Und viele würden gerne ein bisschen nachhelfen – aber möglichst auf natürliche Weise, ohne Risiken und Nebenwirkungen. Geht das?

Zunächst einmal ein kleiner Trost: Ihr seid nicht allein. Die Daten des Instituts für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen in Deutschland im Jahr 2011 zeigen, dass der errechnete Geburtstermin in 37 Prozent aller Schwangerschaften überschritten wird. Länger als 42+0 Wochen sind dagegen nur 0,61 Prozent der Schwangeren schwanger. Also meist ist nur noch ein kleines bisschen Geduld gefragt. Und außerdem sollte man wissen, dass die normale Schwangerschaftsdauer von Frau zu Frau unterschiedlich lang ist.

Sex und Brustwarzenstimulation: Da freut sich der Papa

Was also tun, um die Sache ein bisschen zu beschleunigen? Sex, lautet ein häufiger Ratschlag. Das männliche Sperma enthält Prostaglandine, die Wehen auslösen können. In der Tat hatte regelmäßiger Geschlechtsverkehr um den Termin herum in einer Studie aus dem Jahr 2006 eine Reduktion der Schwangerschaftsdauer >41+0 Wochen und eine geringere Rate an Geburtseinleitungen zur Folge. Der Cochrane Review von Kavanagh aus dem Jahr 2008 sah dagegen keinen gesicherten Effekt – aber probieren kann man es ja mal.

Ein weiterer Tipp ist die Brustwarzenstimulation. Sie soll bei einem reifen Gebärmutterhals die Geburt besser einleiten als Abwarten und führt nicht zu einer Überstimulation der Gebärmutter. Du selbst oder Dein Partner stimuliert die Brustwarzen. Es kann aber auch eine elektrische Brustpumpe verwendet werden. Dies sollte über einen Zeitraum von ca. 10 min durchgeführt werden. Im Vergleich mit einer Einleitung mit Oxytozin wurden ähnliche Raten an Wehenbeginn nach 72 Stunden festgestellt.

Eine Methode, die der Gynäkologe durchführt

Eine weitere Möglichkeit ist die Eipollösung. Die wird vom Frauenarzt durchgeführt, den man bei Terminüberschreibung sowieso jeden zweiten Tag aufsuchen muss. Dabei wird die Fruchtblase mit dem Finger im Bereich des inneren Muttermundes von der Gebärmutterwand abgelöst.Die Eipollösung soll eine Prostaglandinausschüttung auslösen und somit Wehen bei Überschreiten des Geburtstermins anregen. Es können allerdings Schmerzen und leichte Blutungen auftreten. Die Geburt setzt bei Schwangeren mit Eipollösung im Vergleich zu Schwangeren mit Einleitungen (Oxytozintropf und Prostaglandingel) in vergleichbaren Zeitabständen ein. Einige Studien zeigen einen Nutzen ohne Risiko.

Einleitungs-Tipps von Hebammen

Viele Hebammen bieten auch Akupunktur zur Geburtseinleitung an. Dazu gibt es eine kleine Studie der Universität North Carolina, bei der herauskam, dass bei Frauen, die Akupunktur bekamen, die Wehen weniger häufig medizinisch eingeleitet werden musste. Die Studie umfasste allerdings nur 56 Frauen zwischen der 39,5. und 41. Schwangerschaftswoche, von denen die Hälfte Akupunktur bekam. 70 Prozent der akupunktierten Frauen bekamen von selbst Wehen, von denen ohne Akupunktur waren es 50 Prozent. Allerdings sind die Ergebnisse aufgrund der geringen Teilnehmerzahl nicht wirklich aussagekräftig, es sind noch mehrere Studien notwendig, um sicher zu sagen, dass geburtseinleitende Akupunktur funktioniert.

Ein Hebammen-Geheimrezept ist auch Nelkenöl. Dabei wird ein Tampon mit verdünntem Nelkenöl beträufelt und in die Vagina eingeführt. Dazu werden 50 Tropfen Nelkenblätteröl mit 30 ml Nachtkerzen-, Mandel- oder Sonnenblumenöl gemischt und 5 Tropfen der Mischung auf einen normalen Tampon geben. Den Tampon trägt man dann eine Stunde lang. Damit soll der Muttermund weich gemacht und Wehen ausgelöst werden. Nach 6 Stunden kann die Anwendung wiederholt werden. Nelkenöltampons zur Geburtseinleitung sind bisher allerdings nur wenig erforscht.

Am Marienhospital in Euskirchen wurde 2001 bis 2003 eine Studie an 171 Frauen durchgeführt, bei der zu Beginn einer Geburtseinleitung statt synthetischer  Mittel mit Nelkenöl getränkte Tampons verwendet wurden. Bei 58 Prozent der Frauen löste die Anwendung der Tampons Wehen aus. 23 Prozent der Erst- und 42 Prozent der Mehrgebärenden gebaren nach alleiniger Nelkenölanwendung, 60 Prozent von ihnen nach ein bis zwei Tampons. Dies entspricht einem gesamten Anteil von 32 Prozent.

Aber Vorsicht: Man sollte die Mischung unbedingt vorher auf der Haut testen wegen möglicher Allergien. Zudem ist Nelkenöl nicht gleich Nelkenöl, denn es besteht ein Unterschied zwischen dem ätherischen Öl aus den Blättern und den Knospen der Nelke. Synthetische Nelkenduftöle für Duftlampen darf man auf gar keinen Fall benutzen, sie sind stark schleimhautreizend. Es muss ein naturreines ätherisches Öl der Nelkenblätter sein, welches man über die Apotheke beziehen kann, es gibt auch Apotheken, die die Mischung bereits herstellen. Und man sollte das Öl der Nelkenblätter nicht mit dem ätherischen Öl der Nelkenknospen verwechseln! Also deshalb nicht ohne Absprache mit der Hebamme anwenden.

Auch wirksam ist der Wehencocktail mit Rizinusöl, bei dem ist allerdings größte Vorsicht angebracht! Der Wehencocktail besteht bei fast allen Rezepten aus Aprikosensaft und Rizinusöl – eventuell ist Eisenkraut ein weiterer Bestandteil. Oft wird ein kleiner Schuss Cognac oder Schnaps hinzugegeben, damit sich durch den Alkohol das Rizinusöl im Saft auflöst. Der Aprikosensaft beugt einem Kaliummangel vor, der durch das Rizinusöl verursacht wird und verbessert gleichzeitig den Geschmack.

Rizinusöl ist vor allem als starkes Abführmittel bekannt. Sein Hauptbestandteil, die Rizinolsäure, verstärkt nicht nur die Darmbewegung, sondern löst auch Wehen aus. Wie das Wehenhormon Prostaglandin stimuliert auch Rizinolsäure den Prostaglandinrezeptor EP3. Auch wenn es sich um einen natürlichen Stoff handelt, so ist Rizinusöl als Wehenförderer keineswegs unbedenklich: Erbrechen und Darmkoliken gehören zu den häufigen Nebenwirkungen. Im schlimmsten Fall kann es zu einer Überstimulation der Prostaglandinrezeptoren und damit unkontrollierbaren Dauerkontraktionen der Gebärmutter kommen, außerdem kann diese im schlimmsten Fall reißen, die Plazenta könnte sich vorzeitig ablösen und beim Kind kann der Wehencocktail zu pathologischen Herztönen führen.  Zudem ist ein Übertritt der Rizinolsäure in den kindlichen Blutkreislauf möglich. Er kann dazu führen, dass das Ungeborene seinen Darminhalt (Mekonium) vorzeitig entleert. Das dadurch grünlich gefärbte Fruchtwasser ist für Geburtshelfer ein Anzeichen von kindlichem Stress und ein Warnhinweis.

Die Studien zu Nutzen und Risiken von Rizinusöl als wehenförderndes Mittel sind insgesamt methodisch unbefriedigend.  Eine Studie der Stuttgarter Frauenklinik Berg konnte dennoch die Wirksamkeit des Wehencocktails belegen. Bei der Gruppe Schwangerer, die einen Wehencocktail erhielt, dauerte es weniger lange bis zum Geburtsbeginn. Außerdem benötigten unter der Geburt weniger Frauen Schmerzmittel und weitere wehenunterstützende Mittel. Wenn der rizinushaltige Trank unter Aufsicht einer Hebamme im Geburtshaus oder Kreißsaal getrunken wird, kann er eventuell sinnvoll sein und den Wehentropf ersetzen. Man sollte ihn nur keinesfalls auf eigene Faust einnehmen.

Foto: Mamaclever

Ein Kommentar

  1. Der Grund, warum nach der 42. Woche nur noch 0,61% schwanger sind, ist der, dass die meisten Krankenhäuser nach zwei Wochen auf eine Einleitung per Tropf drängen.
    Medizinisch gesehen ist das jedoch oft gar nicht notwendig, solange das Baby weiterhin gut versorgt wird.
    Wie schon erwähnt dauert jede Schwangerschaft unterschiedlich lang, und auch bei der Berechnung des Geburtstermin können Fehler unterlaufen. Z.B. bei unregelmäßiger Periode.

    Man sollte sich also wikich gut überlegen, ob man auf den Rat der Ärzte eingeht oder nicht doch noch ein wenig warten kann. Die hier erwähnten Tipps sollte man auch ausprobieren, bevor man sich auf die Tortur einlässt, die die Einleitung durch das Krankenhaus mit sich bringt!!

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