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Babykekse und Schokobrei: Schlechte Baby- und Kindernahrungsmittel

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Schlechte BabynahrungWer guten Gewissens fertige Baby-Lebensmittel kaufen will, der muss schon ganz genau die Zutatenlisten studieren, denn viele Lebensmittel für Babys stehen leider im Widerspruch zu ernährungs-
wissenschaftlichen oder ärztlichen Empfehlungen für Säuglinge. Die Hersteller versprechen zwar gesunde Produkte, tatsächlich enthalten viele Babykekse, Trinkmahlzeiten oder Tees viel zu viel Zucker oder unnötige Aromazusätze.

Die angeblich gesunden Produkte können Überfütterung und Kariesbildung fördern oder Babys früh an einen hohen Zuckergehalt gewöhnen. Die Verbraucherschutz-Organisation Foodwatch weist darauf hin, dass kohlenhydratreiche Trinkmahlzeiten, Kekse für Säuglinge, Babybreis mit Zuckerzusatz und Zuckergranulat-Tee für Kleinkinder besonders problematisch sind und nicht weiter angeboten werden sollten.

Zu viel Zucker ist deshalb ein Problem, weil die Ernährung in den ersten Lebensmonaten prägend ist und das spätere Ernährungsverhalten eines Menschen prägt, wie Wieland Kiess, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Leipzig erklärt. „Deshalb ist es wichtig, eine zu starke Süßgewöhnung im Säuglingsalter zu vermeiden. Dem sollte Säuglingsnahrung Rechnung tragen.“ Zudem wird Karies dadurch befördert.  „Frühkindliche Karies in den ersten Lebensjahren ist in Deutschland auf dem Vormarsch. Schuld daran ist nicht zuletzt die häufige Gabe von süßen Getränken oder süßen Zwischenmahlzeiten, denn diese verursachen Karies schon an den ersten Zähnchen. Das hat langfristige Folgen: Kinder mit frühkindlicher Karies entwickeln auch im Erwachsenengebiss deutlich häufiger Karies,“ sagt Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer.

Wegen des Risikos der Überfütterung und Kariesbildung fordern Kinderärzte seit Jahren, dass Trinkmahlzeiten nicht mehr vermarktet werden. Auch das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) sowie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) raten von Trinkmahlzeiten ab. Die Firma Danone hat darauf reagiert und seine unter der Marke Milupa verbreiteten Trinkmahlzeiten vom Markt genommen. Hipp und Nestlé hingegen bieten solche Milch-Getreide-Mischungen zum Trinken weiter an.

Babykekse mit bis zu 25 Prozent Zucker

Von Holle, Babydream (Rossmann), Alete und Hipp gibt es Babykekse für Babys ab dem 8. Monat. Laut Herstelleraussagen sollen sie „hervorragend als Zwischenmahlzeit“ geeignet (Holle) und „ideal für kleine Hände“ sein, „mit wertvollem Bio-Getreide“ und „zum Knabbern für die ersten Zähnchen“ (Hipp). Die Kekse haben allerdings einen sehr hohen Zuckergehalt von 14,6 (Holle) bis 25 Prozent (Alete). Dabei gibt es durchaus zuckerfreie Alternativen: Zum Beispiel die Mini-3-Korn-Waffeln oder der Baby-Dinkel-Zwieback von Alnatura, die weder Zucker noch Salz enthalten. Gleiches trifft auf die Kinder-Hirse-Kringel von Hipp zu.

Babybreie mit Zucker

„Bei der Herstellung [von Beikost] sollte auf den Zusatz von Salz und Zucker verzichtet werden, um eine entsprechende Prägung des kindlichen Geschmacks zu vermeiden“, so die Empfehlung der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Der in der Milch oder in Getreide von Natur aus enthaltene Zucker ist für Babys süß genug. „Aromen sind überflüssig“, betonen das Dortmunder Forschungsinstitut für Kinderernährung und das Netzwerk „Gesund ins Leben“. All diese Ratschläge missachtet die Firma Danone: Der als gesund beworbene Milupa „Milchbrei Schoko ab dem 6. Monat“ enthält nicht nur synthetisches Vanillin-Aroma, sondern auch mehr als 9 Prozent Zucker im angerührten Brei. Ähnlich hohe Zuckergehalte stecken auch im Grießbrei der Sorten „Bourbon-Vanille“ und „Babykeks“ von Hipp sowie im „Grießbrei Vanille-Geschmack“ der Hipp-Tochter Bebivita.

Am einfachsten vermeidet man ungesunde Zuckerbreie, indem man einfach Reis-, Hirse-, Dinkel-, Hafer- oder Grießflocken kauft (gibt es beispielsweise von Alnatura oder Babylove, aber auch von Hipp) und diese dann selbst mit Milch oder Wasser anrührt. Das ist nebenbei auch günstiger als die Fertigbreis.

Zucker-Tee für Kleinkinder

„Babys und Kleinkinder sollten Wasser oder ungesüßte Kräutertees trinken“, so die unmissverständliche Empfehlung der Bundeszahnärztekammer. Hipp dagegen bietet unter seiner Marke Bebivita Instant-Tees auf Basis von Zuckergranulat an, empfohlen für Kleinkinder ab einem Jahr. Auch unter der Hauptmarke Hipp hatte der Hersteller lange solche Granulat-Tees im Sortiment. Die wurden mittlerweile vom Markt genommen und durch klassische Teebeutel ohne Zuckerzusatz ersetzt.

Säuglingsnahrung unterliegt EU-weiten Bestimmungen, die in Deutschland in Form der Diätverordnung in nationales Recht umgesetzt sind. Darin ist geregelt, dass die „Zutaten“ der Produkte „für die besondere Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern geeignet“ sein müssen – für die Zusammensetzung der Zutaten gibt es jedoch häufig keine angemessenen Vorgaben. Die Hersteller von Säuglingsnahrung selbst formulieren hohe Ansprüche an ihre Produkte: Alete (Nestlé) bietet nach eigener Aussage „gesundheitlich unbedenkliche (…) Produkte für die sichere Ernährung“, Hipp stellt sich in die „Verantwortung für die natürliche und gesunde Ernährung“ von Babys, Milupa (Danone) verspricht Eltern „nur das Beste für ihr Kind“, bei Holle „stehen (…) Sicherheit und Qualität immer an erster Stelle“, „für eine gesunde Ernährung von Anfang an“, und Rossmann will mit seiner Marke Babydream „Vertrauen schaffen“ und für eine „ausgewogene Ernährung“ sorgen. Die Realität sieht anders aus: All diese Hersteller haben Produkte im Sortiment, die zwar als babygerecht beworben, von Medizinern jedoch nicht für Säuglinge empfohlen werden.

Foto: Foodwatch

 

 

4 Kommentare

  1. Ich mache immer aus Zwieback, warmer Milch und Banane oder geriebenem Apfel einen leckeren Babybrei, von der Fertignahrung halte ich selbst nicht so viel.

    lg Julia

    • Aufgepasst: auch Zwieback enthält oft Zuckerzusatz.
      Eigentlich grillt auch für Erwachsene:
      In der Zutatenliste sollte Zucker maximal an vierter Stelle kommen.

  2. Ich verstehe die Hersteller auch nicht. Zu unserer Zeit (als wir noch ganz klein waren) gab es den ganzen Quatsch auch nicht und wir haben es überlebt. LG Romy

  3. Sehr schöner Beitrag!
    Wegen diesem Thema hatte ich schon heftige Auseinandersetzungen mit der Schwiegermama!

    Bei Hipp habe ich mal nachgefragt, wieso es sein muss, die „Baby Kekse“ mit so viel Zucker anbieten zu müssen.
    Die äußerst freche Mitarbeiterin meinte lediglich, dass die Verantwortung ja allein bei den Eltern läge, und sie genug Alternativen anböten. -Außerdem sei sowieso in jedem Nahrungsmittel schon von Natur aus Zucker enthalten.

    Ich war so sauer über diese Ignoranz, dass ich seither gar keine Hipp-Produkte mehr kaufe!

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