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Die Qual der Namenswahl

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VornamenEine Frage, die wohl alle werdenden Eltern umtreibt, ist die Wahl des Namens für ihr Kind. Hilfreich können da Ranglisten mit den beliebtesten Vornamen für Jungen und Mädchen sein. Aber auch wenn ein Name auf Platz eins steht, heißt das nicht, dass massenweise Kinder so heißen.

Anders als in anderen Ländern wird in Deutschland keine offizielle Vornamens-Statistik geführt. Es gibt aber dennoch zwei Statistiken, die jedes Jahr einen Überblick darüber geben, welche Namen besonders häufig vergeben wurden. Die eine wird von der Gesellschaft für deutsche Sprache herausgegeben, die andere von dem Hobby-Namensforscher Knud Bielefeld, der auch die Seite beliebte-vornamen.de betreibt.

Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) stützt sich auf die Daten der deutschen Standesämter, wobei deren Teilnahme freiwillig ist. 2013 haben 650 Standesämter bundesweit mitgemacht. Erfasst wurden ca. 80 Prozent aller in Deutschland geborenen Kinder mit insgesamt rund 876 000 einzelnen Vornameneintragungen und über 57 000 unterschiedlichen Namen. Das Problem dieser Statistik ist allerdings, dass bei Kindern mit mehreren Vornamen normalerweise alle Vornamen gleichwertig in die Auswertung einfließen. Einige Standesämter zählen abweichend nur die ersten Vornamen. Das führt dazu, dass häufige Zweitnamen wie Sophie oder Marie die Top 10 verzerren, indem sie dauerhaft auf den ersten Rängen landen. Zudem veröffentlicht die GfdS jeweils nur die Top 10. 2013 waren laut GfdS Maximilian und Sophie die am häufigsten vergebenen Vornamen.

Knud Bielefeld hingegen stützt sich auf Geburtsmeldungen von Geburtskliniken, Geburtshäusern und einzelnen Standesämtern. Für den Jahrgang 2013 sind so die Vornamen von 182 945 Babys zusammengekommen, das entspricht rund 27 Prozent aller in dem Jahr geborenen Kinder. Die Zweit- und Drittrufnamen werden hier herausgenommen und extra gezählt, weshalb die Liste ein realistischeres Bild vermittelt als jene der GfdS. Bielefeld listet anders als die GfdS die Top 500 eines jeden Jahres auf. Auf seiner Seite findet man auch Ranglisten für jedes Bundesland und man kann die beliebtesten Namen seit 1890 aufrufen.

Nur 15,4 Prozent aller Kinder tragen einen Top 10-Namen

Eine der größten Sorgen werdender Eltern ist, dass der Name, den sie ihrem Kind geben, ein Modename ist und in seiner Klasse später jeder zweite so heißt. Diese Sorge ist meist unbegründet. Laut GfdS tragen nur 15,4 Prozent aller Kinder einen der zehn häufigsten Vornamen. 2013 wurden über 57 000 verschiedene Namen vergeben. Und laut Bielefeld liegt der Anteil der Spitzenreiter jeweils bei einem Prozent, also wurde 2013 nur ungefähr jedes hundertste Kind Mia oder Ben genannt (das waren die beliebtesten Namen). Bei der Einschulung des Jahrgangs wird es dann bei einer Klassenstärke von 25 Schülern durchschnittlich in jeder vierten Schulklasse eine Mia und einen Ben geben. Die Namen auf Platz 50 kommen nur auf 0,2 Prozent.

Mehr als die Hälfte aller Kinder, nämlich 55,1 Prozent, haben laut GfdS übrigens nur einen Namen. 40,3 Prozent der Kinder erhalten zwei Namen und nur 4,6 Prozent bekommen drei Namen oder mehr.

Den Vornamen eines Kindes muss man innerhalb eines Monats nach der Geburt festlegen. Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts begrenzt die Zahl der Namen, die Eltern ihren Kindern geben dürfen, auf fünf. Der Name muss als Vorname erkennbar, eindeutig männlich oder weiblich sein, er darf dem Kindeswohl nicht schaden, und Ortsnamen, Familiennamen oder Markennamen sind nicht erlaubt – das sind die Anforderungen, die die Standesämter an den Vornamen stellen.

Namensänderungen sind schwierig

Änderungen kurz nach der Geburt sind kostenlos, sofern noch keine Urkunde ausgestellt wurde. Später kann der Vorname nur in Ausnahmefällen bei der Namensänderungsbehörde, die entweder beim Standesamt, bei der Kreisverwaltung oder beim Ordnungsamt angesiedelt ist, geändert werden. Doch die Hürden sind hoch. Bei Kindern zwischen ein und 16 Jahren sollte der Name gar nicht geändert werden, sagt Ilona Bitzer von der Namensänderungsbehörde Tübingen. Ansonsten muss ein wichtiger Grund vorliegen. „Nur zu sagen, der Name gefällt mir nicht mehr, das geht nicht“, so Bitzer.

Gelegentlich kommt es vor, dass ein Standesamt einen Vornamen nicht ohne Weiteres eintragen kann. Dies passiert oft bei seltenen und ausländischen Vornamen oder bei Vornamen, die sowohl für Mädchen als auch für Jungen vergeben werden können. Die GfdS bietet Eltern den Service an, Vornamen zu überprüfen und eine Bestätigung auszustellen. In der Regel orientieren sich die Standesämter an den Empfehlungen der GfdS. Die Bestätigung kostet allerdings 25 Euro, sie muss unter einer Rufnummer angefordert werden, die nochmal 1,86 Euro pro Minute kostet.

Auch die Namensberatungsstelle der Universität Leipzig kann helfen. Sie stellt für 40 Euro ein Gutachten zur Eintragungsfähigkeit eines Vornamens zur Vorlage beim Standesamt, Gericht oder einer anderen Behörde aus.


Ein Kommentar

  1. Vielen Dank für diesen informativen Beitrag!

    ich kann mich noch gut an unsere ersten Diskussionen erinnern, denn gerade da merkten mein Mann und ich, wie verschieden wir eigentlich in der Namenswahl gewesen wären.

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