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Die ersten Schuhe: Worauf man beim Kauf achten sollte

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Erste SchuheLaufen lernen Kinder am besten ohne Schuhe – auch wenn die Hersteller von Lauflernschuhen Eltern anderes glauben lassen wollen. Aber wenn die Kleinen sicher gehen können, steht der Kauf der ersten Schuhe an. Passende Schuhe zu finden ist nicht einfach – vor allem, weil es keine verbindliche Größennorm gibt und Schuhe oft kleiner sind als angegeben. Tipps zum Schuhkauf.

Dass Baby möglichst früh Schuhe brauchen, damit sie rasch laufen lernen, ist laut dem Sportwissenschaftler und Teammitglied des Forschungsprojektes „Kinderfüße-Kinderschuhe“ Wieland Kinz genauso ein Irrtum wie die Annahme, dass die ersten Schuhe fest und stützend sein müssen und ein gutes Fußbett benötigen. „Kinder lernen auch ohne Schuhe laufen“, sagt Kinz. Die Knochen sind noch weich, wenn Kinder zu früh Schuhe tragen müssen, können die Füße Schaden nehmen und sich möglicherweise verformen. Die ersten Schuhe brauche man erst dann, wenn die Kleinen selbstständig gehen können und die Füßchen vor Verletzungen und Kälte geschützt werden müssen.

Da sich Kinderfüße für eine gesunde Entwicklung frei und ungestützt bewegen können müssen, sollten Kinder zu Hause am besten barfuß oder in Socken herumlaufen, denn dabei können sie den Boden unter den Füßen spüren und die richtige Balance und Koordination lernen. Zudem müssen die ersten Schuhe unbedingt weich und flexibel sein. „Je härter Schuhe sind, desto mehr werden die Füße in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt“, so Kinz. Ob die Schuhe flexibel genug sind, kann man gut überprüfen. Man sollte mehrere Modelle mit einer Hand biegen. Je weicher und flexibler der Schuh, desto besser für die Kinderfüße.

Zudem sind atmungsaktive Materialien wie Leder, Baumwolle oder Segeltuch wichtig. Schuhe aus Kunststoff sind keine gute Wahl, weil die Füße des Kindes darin schwitzen. Dies kann zu Pilzinfektionen führen.

Auf die angegebenen Größe ist kein Verlass

Wichtig ist natürlich auch, dass die Schuhe gut passen. Viele Eltern glauben, dass passende Schuhe ungefähr gleich lang sind wie die Füße. Fakt ist laut Kinz aber, dass passende Kinderschuhe 12 bis 17 Millimeter länger als die Füße sein sollten. Sonst können die Kinder ihren Fuß nicht richtig abrollen.

Auf Schuhgrößen kann man sich dabei leider nicht verlassen. Was dem Schuhkäufer wie eine Naturkonstante erscheint, ist in Wahrheit nur die freiwillige Orientierung der meisten europäischen Hersteller an einer alten Maßeinheit, dem Pariser Stich: Schuhgröße mal 6,6 Millimeter ergibt die Länge der Leisten, auf denen die Schuhe gefertigt werden. Jedoch gibt es in der EU keine verbindlichen Normen, an die sich die Produzenten halten müssten, und dementsprechend auch keine Kontrollen. Wieland Kinz hat in einer Studie Tausende Kinderschuhe untersucht und festgestellt, dass in 97 Prozent aller Fälle die ausgezeichnete Schuhgröße von der tatsächlichen Innenlänge der Schuhe abwich. „Durchschnittlich sind sie zwei Nummern kleiner als angegeben, in manchen Fällen aber auch vier oder fünf Größen“, so Kinz. Er vermutet, dass die Schuhe bei der Herstellung nach zu kurzer Zeit von den Leisten gezogen werden und dabei schrumpfen.

Daumenprobe ist unzuverlässig

Auch auf die alte Daumenprobe ist kein Verlass. Dabei drückt man mit dem Daumen auf die Schuhspitze. Wenn dabei der große Zeh nicht zu spüren ist, ist genug Platz vorhanden. Leider ziehen die Kinder oft reflexartig die Zehen ein, so dass diese Art zu messen, ob ein Schuh passt, nicht zuverlässig ist. Kinder können selbst auch nicht spüren, ob die Schuhe zu klein sind. Ihr Füße sind weich und biegsam und schmerzunempfindlich für Druck.

Fußmessschablone

Quelle: www.kinderfuesse.com

Will man also ermitteln, ob ein Schuh richtig passt, bleibt nur eine Möglichkeit: Den Umriss der Füße auf Pappe nachzeichnen, 12 bis 17 Millimeter Spielraum dazu rechnen und einen Streifen ausschneiden (siehe Bild). Wenn der locker in den Schuh passt, dann sitzt er richtig.

Der Hauptverband der Deutschen Schuhindustrie verweist auf das von ihm entwickelte Weiten-Maß-System (WMS) . Mit einem speziellen Schubmessgerät wird neben der Länge auch die Breite des Fußes gemessen. Hersteller wie Elefanten, Lurchi, Superfit, Däumling, Kappa, Ricosta und Richter, die das WMS-Zertifikat tragen, bieten Kinderschuhe in drei genormten Weiten an: schmal, mittel und weit. Allerdings erwiesen sich unter Kinz’ Stichprobenuntersuchung auch WMS-Schuhe als zu kurz.

Gebrauchte Schuhe sind völlig okay

Kinderfüße wachsen rasend schnell. Im Alter von 1 bis 3 Jahren ist mit einem durchschnittlichen Wachstum von 1,5 Millimetern zu rechnen, von 3 bis 6 Jahren wachsen die Füße dann im Schnitt 1 Millimeter im Monat. Wenn die Schuhe 17 Millimeter länger gekauft werden als die Füße, dann  passen sie also gut drei Monate (sie sollen ja immer 12 Millimeter Spielraum haben!). Das geht ins Geld. Teure Schuhe sind dabei allerdings nicht immer besser als billige. „Wir konnten keine Qualitätsunterschiede zwischen Markenschuhen und Billigfabrikaten finden, zu kurz sind sie alle“, sagt Wielanld Kinz. Er rät daher, die Verwendung von gebrauchten Schuhen zu prüfen. Die sind, anders als viele Eltern glauben, gesundheitlich völlig unbedenklich. Man sollte nur darauf achten, dass sie nicht einseitig abgelaufen sind. Die Zweitverwendung ist nicht nur ökonomisch sondern auch ökologisch sinnvoll. 

Man sollte unbedingt regelmäßig kontrollieren, ob die Schuhe noch passen, denn zu kleine Schuhe können die Füße dauerhaft schädigen, das wurde in der Studie von Kinz nachgewiesen. Er und sein Team überprüften die Winkelstellung der großen Zehen und waren überrascht: Rund drei Viertel der Kinder zeigten unnatürliche Krümmungen, teilweise mehr als 10 Grad. „Je kürzer die Schuhe, desto schiefer die Zehen“, so Kinz. Übrigens: auch zu kurze Socken, Strumpfhosen und natürlich Hausschuhe sind schädlich für die Füße.




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