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Babys richtig tragen

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TragentuchBabys sind Tragelinge, keine Liegelinge. Deshalb ist es gut, sie herumzutragen wie es noch heute zwei Drittel der Weltbevölkerung tut. Die Frage ist nur: Wie? Ein Überblick über die Vorteile des Tragens und geeignete Tragehilfen.

Der Kinderwagen, wie wir ihn heute kennen, wurde erst 1880 erfunden, zuvor wurden Babys getragen. Auch heute noch transportiert zwei Drittel der Weltbevölkerung den Nachwuchs auf diese Art und Weise. Und die hat viele Vorteile. Eltern, die ihr Kind viel tragen, regen so altersadequat alle seine Sinne an. Der intensive, regelmäßige Körperkontakt beeinflusst die Eltern-Kind-Beziehung ebenso positiv wie die Entwicklung des Kindes.  „Tragen ist eine Förderung der kindlichen Entwicklung ganz nebenbei“, sagt Evelin Kirkilionis. Sie ist Humanethologin, Mitbegründerin der Forschungsgruppe Verhaltensbiologie des Menschen und hat 1989 zum Thema Säuglinge als Tragelinge promoviert. Seither beschäftigt sie sich mit dem Thema Tragen. Laut Kirkilionis kann das Tragen zudem Fehlentwicklungen der Hüfte (Hüftdysplasien) vorbeugen oder sogar therapieren. Babys, die getragen werden, schreien weniger, das hat Urs A. Hunziker vom Kinderspital Zürich in einer Studie nachgewiesen. Und außerdem ist es praktisch –  das weiß jeder, der mal versucht hat mit einem Kinderwagen öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, Treppen zu überwinden oder einen Spaziergang am Strand zu machen. Tragehilfen sind zudem günstiger und leichter als ein Kinderwagen, benötigen weniger Platz und können bequem überallhin mitgenommen werden – auch auf Reisen.

Kein Sauerstoffmangel und keine Rückenschäden

Ältere Leute sprechen Mütter und Väter, die ihre Kinder tragen, häufiger mal an und fragen, ob das denn gut für den Rücken sei.  Eine Studie an 192 Kindern zeigte keinen Zusammenhang zwischen Getragenwerden in aufrechter Körperhaltung und vermehrt auftretenden Haltungsschäden. Weder war die Zahl der Wirbelsäulenauffälligkeit bei Kindern, die etwa zwei bis zweieinhalb Stunden am Tag in den Tragehilfen verbrachten, erhöht, noch bei den Säuglingen, die durchschnittlich vier, fünf sechs oder mehr Stunden getragen wurden – teils bereits in der ersten Lebenswoche. Bei keinem der Kinder wurde später eine Haltungsauffälligkeit festgestellt, die auf das frühzeitige Tragen zurückgeführt werden konnte.

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Manche befürchten auch, dass die Kinder im Tragetuch zu wenig Sauerstoff bekommen. Aber auch diese Angst ist unbegründet: An der Universität zu Köln wurden 36 Babys (sowohl Früh- als auch Reifgeborene) während des Aufenthalts im Tragetuch und im Kinderwagen einem Monitoring unterzogen. Dabei stellte man fest, dass die Sauerstoffsättigung der Babys im Tragetuch nur maximal ein Prozent geringer war als im Kinderwagen – ein Wert, den die Forscher für vernachlässigbar halten und als klinisch nicht relevant einstufen. Für Verunsicherung hat auch eine Warnung der U.S. Consumer Product Safety Commission vom März 2010 gesorgt, die vor der Verwendung zweier schlingenähnlicher Tragebeutel  warnte, in denen Babys liegend transportiert werden. Dabei hatte es Todesfälle gegeben, was aber an der Konstruktion dieser hängemattenähnlichen Tragehilfen lag. Die Warnung gilt ausschließlich für diese Art der Tragehilfen, die betroffenen Produkte sind in Deutschland nicht erhältlich. Mehr dazu gibt es hier.

Tragetuch oder Tragehilfe?

Also, Tragen ist gut. Aber womit? Die klassische  Möglichkeit ist ein Tragetuch. Dieses ist gerade für Neugeborene und in den ersten drei Monaten besser geeignet als die meisten Tragehilfen. Tragetücher gibt es in vielen verschiedenen Dessins und je nach Körpergröße des Tragenden in unterschiedlichen Längen. Um es zu benutzen, muss man lernen, wie man ein Tragetuch bindet. Dabei gibt es viele unterschiedliche Möglichkeiten. Das ist am Anfang nicht ganz einfach, aber wer es oft gemacht hat, hat in der Regel keine Probleme mehr damit. Allerdings finden viele ein Tragetuch umständlich, da man ziemlich viel Stoff um sich herum hat, ist es im Sommer ziemlich warm und Väter finden es oft unmännlich, ihren Nachwuchs so zu transportieren.

Eine Abwandlung des Tragetuchs sind Ring-Slings, bei denen mit Hilfe von zwei Ringen aus Metall oder Plastik ein Tragetuch zu einer “fertigen” Tragehilfe umgewandelt wird. Einmal geschlungen kann ein Sling immer wieder genutzt werden – das Anpassen erfolgt durch das strähnchenweise Festziehen der Stoffbahnen.

TragenEine weitere Möglichkeit sind Komforttragen, auch Rucksacktrage, Bauchtrage, Rückentrage oder Komfort-Tragehilfe genannt. Dabei wird das Kind in einem Tragesack einer Tragehilfe getragen, welche auf dem Rucksackprinzip beruht. Das Gewicht des Kindes wird von gepolsterten Trägern sowie von einem Beckengurt gehalten. Die gleichmäßige Verteilung der Last wie bei einem guten Wanderrucksack wird von vielen Eltern als sehr angenehm empfunden. Außerdem sind Rucksacktragen schneller einsatzbereit als Tragetücher.

So genannte Mei Tais sind in den asiatischen Ländern eine traditionelle, viel verwendete Tragehilfe und auch bei uns inzwischen sehr beliebt. Im weitesten Sinne sind Mei Tais eine Symbiose von Tragetuch und Rucksacktrage. Sieb bestehten aus einem rechteckigen Stück Stoff, an dem an jedem Ende ein langes Band angebracht ist. Die unteren Bänder knotet man als Hüftgurt zusammen, die oberen stellen die Schultergurte dar. Sie bieten die Vorteile eines Tragetuchs, ohne dass man lange binden oder wickeln muss.   Es gibt auch Mei Tais, die die sich unten mit Klettverschluss oder mit Schnalle verschließen lassen.

Gute Tragehilfen

Eine gute Tragehilfe unterstützt die Beinchen des Kindes so, dass sie mehr als 90 Grad angehockt sind. Der Steg zwischen den Beinen des Babys muss also breit genug sein, sonst hängen die Beine einfach runter, das Kind kippt ins Hohlkreuz und diese Haltung ist ungesund. Der Rücken soll leicht gerundet sein und muss von der Tragehilfe gestützt werden. In den ersten Lebensmonaten muss die Tragehilfe zudem den Kopf des Kindes  stützen. Experten weisen darauf hin, dass die meisten Komforttragen erst ab einem Alter von drei bis vier Monaten eine gleichwertige Alternative zum Tragetuch sind. Der Ergo Baby Carrier mit dem dazu passenden Neugeboreneneinsatz oder der Marsupi Plus sind allerdings schon für Neugeborene geeignet.

Das Magazin Ökotest hat 2011 15 Tragehilfen unter die Lupe genommen, in erster Linie wurden der Schadstoffgehalt, die Eignung aus orthopädischer Sicht und die Vollständigkeit der Bedienungsanleitung überprüft.  Als „gut“ bewerteten die Tester bei den Komforttragen, zu denen sie auch die Ringslings und Mei Tais zählen, die Ringslings von Dolcino (Model Kuba) und Storchenwiege (Eric Bio). Die Note „befriedigend“ erhielten der Freehand Mei Tai 3 in 1 (Marie Retro) und die Manduca Baby- und Kindertrage. Bei den Tragetüchern punkteten nach den Kriterien von Ökotest die Tücher von Didymos, Lotties und Bebina mit der Note „gut“.

Der Test ist in Hebammen- und Trageberaterkreisen sehr umstritten, denn Tragen wie der bekannte Ergo Baby Carrier, der von den Komforttragen als eines von nur zwei Modellen eine sehr gute Stützung und Sitzposition des Kindes bescheinigt bekam, erhielten die Note ungenügend, weil die Tester Schadstoffe im Stoff nachwiesen.

Zu etwas anderen Ergebnissen als Ökotest kommt die Deutsche Hebammen Zeitschrift, die 2009 40 verschiedene Produkte von mehr als 30 Eltern testen ließ, die die Bedienbarkeit der Tragehilfen bewerteten. Außerdem flossen Diskusionen aus Internetseiten und Kundenbewertungen zu den Tragehilfen in den Praxistest mit ein. Bei den Tragetüchern erhielten die Tücher von Didymos, Dolcino, Easy Care, Hoppediz, Lana Meer und Merry Carry die Bestnote 1. Elastische Tragetücher wurden gesondert aufgeführt. Hier lagen das ECO-Babytrageset und MaM EARTH Jerseytraget vorne. Bei den Ringslings überzeugten mit Note 1 TragMich und Zolowear. Die bekannten Marken Didymos, Hoppediz und Storchenwiege schnitten mit Note 2 ab. Testsieger bei den Komforttragen waren der Bondolino von Hoppediz, der  Ergo Baby Carrier, der Manduca und der Marsupi Plus.

 

Nicht mit Blick nach vorne tragen

Mit praktisch allen Tragehilfen kann man sein Kind vor dem Bauch, mit dem Gesicht zum Tragenden, transportieren. Viele bieten auch die Möglichkeit, das Kind auf dem Rücken zu tragen, was vor allem für ältere und schwere Kinder eine gute Option ist.  Manche Tragehilfen ermöglichen auch das Tragen auf der Hüfte. All diese Möglichkeiten sind für die Kleinen gut.

Allerdings kann man Tragetücher auch so binden, dass das Baby  nach vorne schaut und es sind auch Tragehilfen wie beispielsweise der Baby Björn auf dem Markt, die genau mit dieser Haltung werben.  Viele Eltern denken, die sei gut für ihr Kind, kann es so doch mehr von der Welt sehen. Kinderärzte und auch Evelin Kirkilionis raten aber von solchen Tragehilfen, bei denen das Baby in Laufrichtung schaut, ab. Sie seien schädlich für die noch weichen Hüftgelenke des Babys, sagt Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Werde das Kind mit dem Rücken zum Tragenden transportiert, würden die Beine durch das Eigengewicht gestreckt. Und das sei dann nicht mehr gesund, sagte Hartmann, weil dadurch die Hüftgelenke geschädigt werden könnten. Außerdem kann es bei Jungs bei dieser Trageweise zu Hodenquetschungen kommen, bei Mädchen drückt das ganze Gewicht auf die Schamlippen. Evelin Kirkilionis verweist außerdem darauf, dass sich das Kind so nicht ankuscheln kann, der Blickkontakt mit dem tragenden Elternteil nicht mehr gegeben ist und es von unzähligen visuellen Reizen überflutet wird, von denen es sich nicht abwenden kann. Viele Babys werden dadurch unruhig und fangen an zu weinen. Eine mögliche Folge kann auch sein, dass das Kind schlecht einschläft oder schläft, weil es viele Reize nicht verarbeiten konnte, so Kirkiliones.

Tragen1Wenn sich Kinder unentwegt mit den Armen vom Körper der Eltern wegdrücken, weil sie mehr sehen wollen, dann empfiehlt Kirkilionis den seitlichen Hüftsitz. Ein Kind, das auf der Hüfte sitzt, hat ein weites Sichtfeld, es kann sein Gesicht aber auch zum Körper hinwenden. Das seitliche Tragen ist aber nicht für alle Eltern gut, denn manchmal wird der Rücken zu stark belastet. Dann ist die Rückentrageweise besser, bei der die Kinder über die Schultern hinweg nach vorne schauen können. Dabei ist zwar kein direkter Blickkontakt möglich, aber das Baby kann sich von der Umwelt abwenden und hat eine größere Berührungsfläche mit der Mutter als beim Tragen in Fahrtrichtung.

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Ein Kommentar

  1. Hallo. Du hast hier eine echt schöne Seite. Weiter so!

    Meine Freundin hatte mir mal ein Tragetuch von Hoppediz empfohlen, da sie selber eins für ihr Baby hatte. Sie hatte sehr davon geschwärmt. Dann habe ich mir auch eins zugelegt, und ich muss sagen, dass ich ebenso von dieser Tragehilfe überzeugt war. Zwar braucht man am Anfang etwas Übung beim Binden, aber nach und nach hat man es drauf 😉
    Es erleichtert mir enorm den Alltag, ich kann vieles im Haushalt und den Einkauf erledigen, und habe immer mein Baby bei mir. Außerdem fühlt sich mein Baby richtig wohl bei Mamas Nähe und weint nicht mehr so oft.
    Wenn man das Tragetuch richtig bindet, hat man auch keine Rückenschmerzen.
    Ich kann es jeder Mutter ans Herz legen, ihr Baby im Babytragetuch zu tragen.
    Der intensive Körperkontakt fördert nicht nur die Bindung zwischen Kind und Eltern, sondern gewährleistet auch eine positive Entwicklung des Babys.

    LG Kerstin

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