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Mit dem Kind aufs Rad

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IMG_1197-e1382726481658-225x300Das Fahrrad ist für viele Eltern ein unentbehrliches Transportmittel – es ist  günstig, man ist schneller als zu Fuß und findet immer einen Parkplatz. Wenn man allerdings sein Kind sicher mitnehmen will, dann muss man einiges beachten. Soll der Kinderfahrradsitz vorne oder hinten angebracht werden oder schafft man sich lieber gleich einen Fahrradanhänger an? Welche sind sicher? Und braucht das Baby einen Helm?

Viele finden es zu gefährlich, ihr Kleinkind auf dem Fahrrad mitzunehmen. Zu unrecht. Im Vergleich zum Transport mit dem Auto ist die Fahrt auf dem Rad nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch sicherer, wie die Statistik zeigt: In den Jahren 2008 bis 2010 kam in Deutschland kein einziges Kind unter sechs Jahren als „Mitfahrer von Fahrrädern“ ums Leben. Im selben Zeitraum starben aber rund 70 Kinder dieses Alters in Kraftfahrzeugen.

Zunächst einmal muss man sich entscheiden, ob das Kind in den Fahrradkindersitz soll oder in einen Anhänger. Die Straßenverkehrsordnung besagt, dass Personen ab 16 Jahren Kinder bis sieben Jahre auf dem Rad mitnehmen dürfen, wenn für sie besondere Sitze vorhanden sind und durch Radverkleidungen oder andere wirksame Vorrichtungen dafür gesorgt ist, dass die Füße der Kinder nicht in die Speichen geraten können. Hinter Fahrrädern dürfen in Anhängern, die zur Beförderung von Kindern eingerichtet sind, bis zu zwei Kinder mitgenommen werden. Die Begrenzung auf das vollendete siebte Lebensjahr gilt nicht für die Beförderung eines behinderten Kindes. Damit ist klar, dass man ein Kind nicht im Tragetuch oder in einer Tragehilfe mit aufs Fahrrad nehmen darf! Das ist auch sehr gefährlich, denn bei einem Sturz ist das Kind überhaupt nicht geschützt.

Das Baby muss selbstständig sitzen können

Ab welchem Alter Babys befördert werden dürfen, dazu sagt die Straßenverkehrsordnung nichts. Ab wann man das Kind mitnimmt, hängt vom Verantwortungsbewusstsein der Eltern ab. Dabei sollte man bedenken, dass beim Fahrradfahren der Rücken des Kleinen stark belastet wird. Ein Kind, das noch nicht sicher alleine sitzen und den Kopf selbst oben halten kann, hat nichts in einem Fahrradkindersitz zu suchen. Die meisten Hersteller nennen zudem für ihre Sitze eine Gewichtsuntergrenze von neun Kilogramm. In einen Anhänger kann man gegebenenfalls eine Babyschale einbauen, aber auch hier sollte man beachten, dass der Rücken starken Erschütterungen ausgesetzt ist und das Kind deshalb besser frühestens mit sechs Monaten transportieren. Kinder unter drei Jahren müssen zudem mit einem Gurt gesichert werden.

Beide Systeme haben Vor- und Nachteile. Crashtests und Studien haben mittlerweile bestätigt, dass ein sicherheitsüberprüfter Anhänger die sicherste Variante darstellt, Kinder ab cirka sechs Monaten mit dem Fahrrad zu befördern. Bei einem Unfall fallen sie nicht tief und sie sind im Innenraum geschützt – sofern der Anhänger einen Überrollbügel hat, die Kleinen angeschnallt sind und einen Helm tragen.

Anhänger sind belastend für den Rücken

Allerdings hat eine Studie an der Universität Wuppertal gezeigt, dass Kleinkinder beim Transport in einem handelsüblichen ungefederten Fahrradanhänger sehr hohen Belastungen ausgesetzt sind. Das kann für den Rücken der Kleinen schädlich sein, deshalb sollte man das Baby nicht zu früh in den Hänger setzen, eher langsam fahren und holprige Strecken meiden sowie an Bordsteinkanten oder Bodenschwellen absteigen und das Gefährt vorsichtig über das Hindernis schieben. Zudem sitzen die Kleinen auf Höhe der Autoauspuffe und atmen so viele Schadstoffe ein.

Darüber hinaus spielen aber auch praktische Erwägungen bei der Entscheidung für einen Anhänger oder einen Kindersitz eine Rolle. Für einen Anhänger braucht man Platz, um ihn abzustellen. Er ist im Vergleich zum Sitz auch sehr viel teurer und er wiegt mehr, was beim Treten einen ziemlichen Mehraufwand an Kraft bedeutet. Dafür kann man in ihm zwei Kinder befördern und es gibt, anders als bei Fahrradkindersitzen, keine Gewichtsbeschränkung, so dass man auch ältere Kinder mitnehmen kann.

Entscheidet man sich für einen Fahrradsitz, dann kann man den vorne an der Lenkstange oder hinten über dem Sattel anbringen.  Sitze für vorne sind laut DIN-Norm nur für Kinder bis zu 15 Kilogramm geeignet. Bei ihnen ist vorteilhaft, dass sie sich wegen des günstigen Schwerpunkts auf die Fahrstabilität kaum auswirken – allerdings erfordern sie vom Fahrer eine etwas unkomfortable, breitbeinige Sitzhaltung. Sie gelten allerdings als unsicherer, weil das Kind bei einem Unfall am wenigsten geschützt ist. In Österreich dürfen Kinder nur hinten auf dem Fahrrad befördert werden.

Ab 15 Kilogramm hinter dem Fahrer 

Kinder, die mehr als 15 Kilogramm wiegen, müssen hinten transportiert werden. Die je nach Model bis zu 22 oder 25 Kilogramm tragenden Sitze federn meist an langen Befestigungsbügeln freischwebend über dem Gepäckträger. Ihr Nachteil: Sie können sich abhängig von den Fahrbewegungen und dem Straßenzustand aufschaukeln, was sich negativ auf das Fahrverhalten auswirkt. Zudem hat man das Kind nicht im Blick.

Ein Fahrrad mit Kindersitz kann leichter umkippen, wenn es abgestellt wird. Es empfiehlt sich deshalb, einen Zweibeinständer zu montieren. Dann kann allerdings der Lenker leicht umschlagen, was durch die Montage eines Lenkungsdämpfers verhindert werden kann.

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Der Römer Jockey Relax hat sowohl bei der Stiftung Warentest als auch bei Ökotest am besten abgeschnitten.

Sowohl die Stiftung Warentest als auch Ökotest haben Kinderfahrradsitze getestet – allerdings mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Ein „Gut“ erreichten bei der Stiftung Warentest 2007 nur die beiden Sitze von Römer: Der Römer Jockey Comfort (mit verstellbarer Rückenlehne) und der günstigere Römer Jockey Relax (ohne verstellbare Rückenlehne).  Ökotest vergab 2012 an den Kettler Teddy, den Römer Jockey Relax und den Prophete Wallaroo ein „Gut“. Der Römer Jockey Comfort dagegen schnitt mangelhaft ab, obwohl er im vorherigen Test 2008 von Ökotest noch ein „Sehr gut“ erhalten hatte.

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Der Chariot Cougar 2 konnte als einziger Anhänger überzeugen.

Fahrradanhänger hat der ADAC 2010 getestet und dabei bei vielen Modellen eklatante Sicherheitsmängel festgestellt. Nur ein Fahrradanhänger konnte die Experten überzeugen: Der Chariot Cougar 2.

Ein Helm ist in Deutschland anders als in Österreich für Kinder keine Pflicht, aber dennoch sehr sinnvoll. Anders als den Fahrradsitz oder Anhänger, den man auch gut gebraucht kaufen kann, sollte man sich das bei einem Kinderhelm zweimal überlegen. Denn damit er das Kind zuverlässig schützt, sollte er nicht älter als fünf Jahre sein. Der Grund: Das Material altert und dämpft dann weniger gut. Wie alt der Helm ist, kann man im Produktionsdatum innen im Helm sehen. Nach einem Unfall oder ernsthaften Sturz sollte man den Helm ersetzen, auch wenn keine Schäden zu sehen sind.

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53465_00_d Testurteil „Gut“: Der Ked Meggy (o.) und der Limar 242.

Der ADAC hat 2013 Kinderfahrradhelme getestet. Am besten abgeschnitten haben der Limar 242 sowie der KED Meggy Originals. Beide Helme sind auch für Kleinkinder geeignet, den Limar 242 (ca. 40 Euro) gibt es ab einem Kopfumfang von 46 Zentimetern, der Ked Meggy passt sogar ab 44 Zentimeter Kopfumfang. Er kostet rund 30 Euro.


Ein Kommentar

  1. Ich habe zwar keinen Anhänger, aber ich dachte mir, dass du die Hängematten sehr viel abgefedert wird. Ist das denn nicht so??
    Ansonsten sind Lastenräder für den Kindertransport eine weiter gute Option.

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