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Gut betreut – woran man eine gute Krippe erkennt

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4339658005_f83c103e76_zDa einjährige Kinder seit dem 1. August einen Anspruch auf einen Krippenplatz haben, wurden in Deutschland viele neue Betreuungsplätze geschaffen. Die Qualität bleibt dabei allerdings häufig auf der Strecke. So ist vor allem der Personalschlüssel fast überall schlechter, als von Experten empfohlen. Woran man eine gute Krippe erkennt, lest Ihr hier.

Chinesischstunden, Designermöbel, Experimentier-Werkstätten und extrem lange Öffnungszeiten: Von solchem Schnick-Schnack sollte man sich nicht blenden lassen, denn daran erkennt man keine gute Krippe, ganz im Gegenteil. „Chinesischstunden in der Krippe sind Blödsinn, auch der Experimentierkasten kann weg. Entscheidend für die Bildung der ganz Kleinen sind liebevolle, feste Bezugspersonen“, sagt Fabienne Becker-Stoll, Leiterin des Staatsinstituts für Frühpädagogik in Bayern. Und gerade da liegt vielerorts das Problem. Experten wie Becker-Stoll empfehlen, dass auf eine Fachkraft bei unter Dreijährigen drei bis vier Kinder kommen.

Im Bundesdurchschnitt  kommen allerdings laut Bertelsmann-Stiftung 4,5 Kinder auf eine Erzieherin, und Urlaubs- und Krankheitstage sind da noch nicht mal mit eingerechnet. In Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen sind es sogar mehr als sechs Kinder, in Thüringen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern mehr als fünf. Und das sind nur Durchschnittswerte: Die Hansestadt Hamburg fordert von den Krippen lediglich einen Personalschlüssel von 1 zu 7,6! Das heißt, es gibt dort auch Krippen, in denen das Betreuungsverhältnis deutlich ungünstiger ist als 1 zu 5.

Kleine, stabile Gruppen sind wichtig

Neben dem Personalschlüssel ist die Gruppengröße wichtig. Aus verschiedenen Forschungsergebnissen lässt sich folgern, dass Kinder in ihrer Entwicklung eher beeinträchtigt werden, wenn sehr viele Kinder in der Gruppe sind. Wichtig sind laut Fabienne Becker-Stoll auch stabile Gruppen. Ein offenes Konzept ist für Krippenkinder deshalb eher kritisch zu sehen.

Viele Eltern haben Angst, dass die Betreuung in der Krippe den Kindern schaden könnte. Solche Bedenken sind mittlerweile wissenschaftlich widerlegt. Die Erziehung des Kindes allein durch die Mutter ist von der Natur nicht vorgesehen. Ein afrikanisches Sprichwort sagt: Man braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. Dies sei richtig, sagt Fabienne Becker-Stoll. Und so ist es kein Problem, wenn auch Kinder unter Drei zeitweise von Erziehern betreut werden. Die allerdings müssen gut sein. Gut bedeutet, dass sie feinfühlig sind und unmittelbar auf die Signale des Kindes eingehen. Von ihrer Fähigkeit, eine gute emotionale Beziehung zum Kind aufzubauen, hängt es ab, ob es dem Kind in der Einrichtung gut geht. Zudem ist es wichtig, dass die Erzieherin in der Lage ist, zu den Eltern eine tragfähige Partnerschaft aufzubauen.

Der erste Eindruck zählt

Die Größe des Raumes oder die bloße Menge an Spielsachen ist nicht so entscheidend. Wichtiger sind die Raumgestaltung und die Qualität der vorhandenen Spielmaterialien. Laut der Expertin Becker-Stoll sollte es gesonderte Ruheräume sowie einen Zugang zu einer Freifläche geben. Vernünftige Angebote sind Singen, Musizieren, in den Wald gehen oder Funktionsecken in den Räumen, in denen verschiedene Aktivitäten angeboten werden.

Becker-Stoll hält den ersten Eindruck für sehr wichtig. „Wenn Sie als Mutter bzw. Eltern sich dort wohlfühlen, ist das die Grundvoraussetzung. Wenn Sie selbst abgeschreckt sind, weil es dort chaotisch ist, laut oder schmutzig, weil die Erzieherin brüllt, um sich Gehör zu verschaffen – dann ist das nicht die richtige Einrichtung für Ihr Kind“, sagt die Bindungsforscherin. Vor allem sollte man keine traurigen, weinenden Kinder sehen und keine Kinder, die passiv in der Ecke sitzen und über einen längeren Zeitraum nicht beachtet werden. In einer guten Kita ist es zudem möglich, erst mal zu Besuch zu kommen und zu hospitieren.

Informieren sollten sich Eltern auch über die Art und Qualität der Mahlzeiten: Manche Kitas beziehen ihr Essen aus einer Großküche, andere kochen selbst, in manchen werden sogar ausschließlich Bio-Lebensmittel verwendet. Besonders positiv ist es natürlich, wenn auch die Kinder regelmäßig in die Zubereitung der Mahlzeiten mit einbezogen werden.

Langsame Eingewöhnung

Die Öffnungs- und Schließzeiten der Kita sind natürlich auch ein wichtiges Kriterium, denn wenn die Einrichtung im Sommer drei Wochen schließt, brauchen Berufstätige eine alternative Betreuung oder müssen genau in dieser Zeit ihren Jahresurlaub nehmen. Man sollte allerdings überlegen, ob man wirklich eine Krippe braucht, die ohne Schließzeiten von 6 bis 20 Uhr geöffnet ist, denn so lange Öffnungszeiten wirken sich häufig negativ auf den Betreuungsschlüssel aus.

Wichtig ist laut der Potsdamer Pädagogin und Kinderpsychotherapeutin Eva Hédervári-Heller auch, dass das Kind langsam im Beisein eines Elternteils eingewöhnt wird. Eine Woche wird hierfür wohl in den seltensten Fällen ausreichen, vielmehr sollte man sich dafür einen Monat Zeit nehmen.  „Es geht darum, die neue, fremde Umgebung für das Kind zu einer vertrauten Umgebung mit vertrauten Menschen zu machen. Das ist zum Beispiel dafür wichtig, damit sich das Kind, wenn es nach der Eingewöhnungszeit dort ohne Eltern bleibt, von der Bezugsperson in der Einrichtung auch trösten lassen kann“, so Fabienne Becker-Stoll.

Seit 2005 gibt es das Deutsche Kindergarten Gütesiegel. Deutschlandweit haben sich über 200 Einrichtungen freiwillig diesem Qualitätstest unterzogen. Leider ist die Anzahl der geprüften Kitas noch nicht besonders groß. Deshalb müssen sich die Eltern doch meistens auf ihr eigenes Urteil bei der Wahl der richtigen Kita verlassen. Von der Bertelsmann-Stiftung gibt es ein Faltblatt mit einer Checkliste, die bei der Suche nach einer guten Kita hilft. Auch die Liga für das Kind  hat entsprechende Hinweise zusammengestellt.

Foto: Kindergarten Scout von Mats Eriksson/Flickr.com unter CC BY 2.0

 

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